Von Felix Knoke
Geht es nach Mark Zuckerberg, werden Internetsurfer schon bald ihr komplettes Leben, vom Babyfoto zur Rentnertour, auf Facebook dokumentieren. Als Teil eines Lebensarchivs voller Bilder, Videos, Bemerkungen, Freundschaftsanfragen, Partys und Trennungen. Chronik (englisch: Timeline) nennt Facebook die neue Funktion. Seit Dezember 2011 wird sie als freiwillige Option für mutige Mitglieder angeboten. In den nächsten Wochen wird sie schrittweise für alle, die bei Facebook aktiv sind, zur Pflicht. Nach der Umstellung hat der Nutzer sieben Tage Zeit, seine Timeline nach seinen Vorstellungen einzurichten. Danach ist sie für andere Mitglieder des Netzwerkes sichtbar, je nach persönlichen Einstellungen.
Der Umstieg fällt nicht schwer. Facebook hat viel Aufwand betrieben, damit große Teile der Chronik automatisch aus dem alten Profil übernommen werden können. Korrekturen bedarf es praktisch keiner. Trotzdem gibt es ein paar Dinge zu beachten: beim Aufhübschen, Aufräumen und - wie immer bei Facebook - beim Schutz der Privatsphäre.
Zwar versucht Facebook, Datenschutzbedenken zu zerstreuen - Mitglieder können für jedes veröffentlichte Element festlegen, wer es sehen darf, ältere Beiträge können automatisch unsichtbar geschaltet werden ("Alles vor meiner aktuellen Beziehung ist nie passiert!") - trotzdem ist die Chronik auch ein Transparenz-Werkzeug. Wer wann was gemacht hat, sich wie entwickelt und in welcher Phase seines Lebens wie viele Menschen kennengelernt hat, das wissen zukünftig nicht nur Zuckerbergs Datenexperten, sondern im schlimmsten Fall der ganze Facebook-Freundeskreis. Je nach Intensität der eigenen Nutzung versteht sich.
Aber diese Transparenz hat auch ihre Vorteile: Sie öffnet Einblicke in anderer Leute Leben und hilft bei der Selbstdarstellung. "Mit der Chronik können Facebook-Nutzer individueller als bisher zeigen, wer sie sind", wirbt Facebook. Dazu gehört auch, dass die Nutzer ihre Einträge nach sogenannten Lebensereignissen kategorisieren sollen: "Geburt", "Neue Arbeitsstelle", "Neues Kind", "Neues Hobby", "Gewichtsverlust", "Tätowierung", "Piercing", "Erster Kuss" gibt Facebook zum Beispiel als Kategorie vor.
Muss man Angst vor der neuen Chronik haben? Eher nicht. Mit Bedacht eingesetzt, bringt sie mehr Übersicht ins eigene Onlineprofil - das hilft bei der Datenhygiene. Aber auch Facebook hat etwas davon: eine perfekt nach Interessen sortierte, höchst persönliche Umgebung für zielgerichtete Werbung.
SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Sie den Umstieg zu Facebooks Chronik schaffen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sehen Sie in dieser Fotostrecke:
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels war zu lesen, die Umstellung auf die Timeline-Funktion beginne am 1. Februar. Facebook legt Wert auf die Feststellung, dass die Umstellung nicht ab 1. Februar sondern "im Lauf der kommenden Wochen" erfolgt.
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