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US-Geheimdienst: Die CIA will sich auf das Internet konzentrieren

CIA-Chef John Brennan: "Wir müssen unsere Aktivitäten und Operationen in der digitalen Welt ins Zentrum all unserer Anstrengungen stellen" Zur Großansicht
AFP

CIA-Chef John Brennan: "Wir müssen unsere Aktivitäten und Operationen in der digitalen Welt ins Zentrum all unserer Anstrengungen stellen"

Die CIA stellt sich neu auf: Behördenchef John Brennan will vermehrt das Internet in die Aufklärungsarbeit des US-Auslandsgeheimdienstes einbeziehen.

Die CIA will in Zukunft vermehrt auf das Internet setzen. In einem Memo an die Mitarbeiter hat CIA-Chef John Brennan die "digitale Revolution" als einen von vier Punkten genannt, an denen die Modernisierung und Umstrukturierung des 67 Jahre alten Auslandsgeheimdienstes ansetzen soll.

In Punkt zwei des Memos "Konzept für die Zukunft unserer Behörde" schreibt Brennan, dass die CIA "die digitale Revolution" begrüßen und für ihre Zwecke nutzen müsse: "Die digitale Technik verspricht erfolgreiche Missionen, aber sie stellt auch eine Gefahr für unsere Operationen und Aufklärungstätigkeiten und allgemein für die Interessen der USA dar", heißt es. Und weiter: "Wir müssen unsere Aktivitäten und Operationen in der digitalen Welt ins Zentrum all unserer Anstrengungen stellen." Man wolle deshalb "eine Führungsposition einrichten, die die beschleunigte Integration von 'Digital und Cyber' in all unseren Missionsbereichen überwacht".

Dieses sogenannte Direktorat für Digitale Innovation soll zum einen die Karriere von Digital-Experten in der Behörde steuern, zum anderen "die Standards unseres digitalen Handwerks" setzen. Insgesamt sollen im Rahmen der Umstrukturierung Tausende Spione und Analysten in neuen Abteilungen organisiert werden.

Das spricht für mehr Überwachung durch den Geheimdienst

Was genau das bedeutet, bleibt unklar. Zum einen dürfte es tatsächlich um die interne Organisation und die Zusammenarbeit der CIA-Bereiche gehen. Zum anderen könnten verstärkte Aktivitäten in der digitalen Sphäre zu erwarten sein, vermutet die US-Presse. Darauf deutet auch CIA-Chef John Brennan in Punkt vier seines Memos hin: In neu einzurichtenden Einsatzzentren - den Mission Centers - sollen alle Mitarbeiter und Fähigkeiten aus den Bereichen "Operationen, Analyse, Unterstützung, Technik und Digitales" zusammenkommen, um "die drängendsten Sicherheitsprobleme und -interessen der Nation anzugehen."

Das könnte durchaus mehr Überwachung digitaler Medien und Kommunikationsvorgänge bedeuten. Oder kurz: Nach der NSA könnte die CIA der nächste US-Geheimdienst werden, der das Internet zu beherrschen versucht. Vergangenen Monat hatte US-Präsident Obama die Einrichtung einer neuen Behörde für die Überwachung und Reaktion auf "Cyber-Gefahren" angekündigt.

"Ihr könnt auf den vollen Einsatz von mir und dem übrigen Führungsteam zählen: Wir werden die nötige Aufmerksamkeit darauf widmen und die schwierigen Entscheidungen treffen, um diese Veränderungen herbei zu führen", schreibt Brennan am Ende seines Memos. "Zusammen könnten wir sicherstellen, dass diese außerordentliche Organisation auch weiterhin das absolut Beste widerspiegelt, das diese Nation zu bieten hat und auch weiterhin für viele Jahre unabkömmlich für unsere nationale Sicherheit ist."

kno

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1.
Immanuel_Goldstein 09.03.2015
Auch wenn es niemand glauben will, das Internet gehört nicht der CIA und auf europäischem Boden ist Spionage und Abgreifen von persönlichen Daten schlichtweg verboten. Die CIA hat sich an die Gesetze zu halten.
2. DARPA-Net
caracho! 09.03.2015
Sry, Hr Goldstein, da muss ich zögernd widersprechen. Das Internet wurde als DARPA-Net geboren, als ein vom US Verteidigungsministerium geplantes Netz, das durch dezentrale Anordnung einen russischen Erstschlag überleben sollte. Die entscheidenden zugrunde liegenden Protokolle wurden vom US Militär entwickelt, und bestimmte Adressbereiche sind bis heute dem US Militär vorbehalten. Auch wenn das Internet heute von einer zivilen Organisation - der ICANN - verwaltet wird und der grösste Teil der Infrastruktur bei zivilen Firmen liegt, zeigt sich bei entscheidenden Fragen (wie der nach mehreren internationalen "Root"-Servern) schnell, wer immer noch das Sagen hat. Also kann man irgendwie schon sagen, das Internet "gehört" ein bisschen der CIA......
3. Kann man drüber streiten :)
master-of-davinci 09.03.2015
Zitat von caracho!Sry, Hr Goldstein, da muss ich zögernd widersprechen. Das Internet wurde als DARPA-Net geboren, als ein vom US Verteidigungsministerium geplantes Netz, das durch dezentrale Anordnung einen russischen Erstschlag überleben sollte. Die entscheidenden zugrunde liegenden Protokolle wurden vom US Militär entwickelt, und bestimmte Adressbereiche sind bis heute dem US Militär vorbehalten. Auch wenn das Internet heute von einer zivilen Organisation - der ICANN - verwaltet wird und der grösste Teil der Infrastruktur bei zivilen Firmen liegt, zeigt sich bei entscheidenden Fragen (wie der nach mehreren internationalen "Root"-Servern) schnell, wer immer noch das Sagen hat. Also kann man irgendwie schon sagen, das Internet "gehört" ein bisschen der CIA......
Auch Ihrer Schlussfolgerung kann man widersprechen :-). Das "Internet" ist es ja nicht, was Sie beschreiben. Ein Knotenpunkt gesteuertes Intranet ist immer noch ein Intranet. "Das Internet", in seinem jetzigen Verständnis ist doch vielmehr das World Wide Web, und das, mit Verlaub, ist der Verdienst von Tim Berners-Lee und seiner Arbeit am CERN. HTTP, URI, HTML gehen auf seine Kappe. Ohne einen Webserver und der ersten Software dafür, die auch Berners-Lee geschrieben hat, könnte man heute nicht einfach so "ins Internet" - ;-)
4.
freekmason 09.03.2015
Zitat von caracho!Sry, Hr Goldstein, da muss ich zögernd widersprechen. Das Internet wurde als DARPA-Net geboren, als ein vom US Verteidigungsministerium geplantes Netz, das durch dezentrale Anordnung einen russischen Erstschlag überleben sollte. Die entscheidenden zugrunde liegenden Protokolle wurden vom US Militär entwickelt, und bestimmte Adressbereiche sind bis heute dem US Militär vorbehalten. Auch wenn das Internet heute von einer zivilen Organisation - der ICANN - verwaltet wird und der grösste Teil der Infrastruktur bei zivilen Firmen liegt, zeigt sich bei entscheidenden Fragen (wie der nach mehreren internationalen "Root"-Servern) schnell, wer immer noch das Sagen hat. Also kann man irgendwie schon sagen, das Internet "gehört" ein bisschen der CIA......
das stimmt an mehreren ecken nicht. cia ist nicht das militär und darpa ist nicht www. Ihre argumentation wäre so wie: benz erfand das auto, deshalb gehören jetzt alle autos ein bisschen BMW.
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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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