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Private Cloud-Speicher: Wege zur sicheren Datenwolke

Cloud-Computing: Kann man sich auch selber machen Zur Großansicht
Corbis

Cloud-Computing: Kann man sich auch selber machen

Die NSA-Spähaffäre lässt viele Internetnutzer ratlos zurück. Bei einigen ist die anfängliche Empörung vielleicht sogar schon der Resignation gewichen. Doch jeder kann Konsequenzen aus den Enthüllungen ziehen - etwa mit der eigenen sicheren Cloud.

Berlin - Privatsphäre - was war das noch? Die Lehre aus dem NSA-Skandal heißt für viele: Wenn es um den Schutz der eigenen Daten geht, sollte man die populären US-Internetdienstleister meiden. Unmöglich ist das nicht. Denn Cloud-Dienste wie einen Onlinespeicher für Dokumente, Fotos oder Musik kann man auch in Eigenregie oder zumindest bei alternativen Anbietern realisieren.

Wer selbst entscheiden möchte, wo seine Daten liegen, muss die Initiative ergreifen. Am einfachsten ist der Wechsel des Cloud-Dienstes. "Wir müssen sehen, dass wir jemanden finden, dem wir vertrauen", sagt Norbert Pohlmann, Direktor des Instituts für Internetsicherheit an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. "Wenn es ein deutscher Anbieter ist, der seine Server in Deutschland hat, habe ich schon mal die wichtigsten Punkte abgehakt." Und natürlich sollte man die Verschlüsselung seiner Daten nicht vergessen - etwa mit der Hilfe von Freeware wie TrueCrypt oder Boxcryptor.

Die einfachste Möglichkeit, die Dateien in den eigenen vier Wänden zu speichern und trotzdem von überall auf der Welt auf sie zugreifen zu können, ist ein Router mit angehängter USB-Festplatte oder ein Netzwerkspeicher (NAS), deren Hersteller einen Cloud-Dienst integriert haben und auch gleich einen sogenannten DynDNS-Dienst mitanbieten. Der macht den Speicher trotz ständig wechselnder IP-Adresse des Routers unter einer festen Adresse erreichbar. Der Zugriff auf die Daten läuft dann meist über einen beliebigen Browser.

Alles geht, oft kostenlos

Solche Lösungen unterliegen aber Einschränkungen, etwa beim Teilen von Daten mit anderen oder beim Funktionsumfang. Deshalb gibt es Cloud-Software wie das freie OwnCloud, mit der man jeden beliebigen Internetrechner daheim zum Cloud-Server umfunktionieren kann. OwnCloud läuft selbst auf älteren Computern oder Notebooks, sogar der sparsame Mini-Rechner Raspberry Pi kommt als Server-Hardware infrage.

Auch hier ist immer eine feste Internetadresse über einen DynDNS-Dienst erforderlich. Die gibt es kostenlos bei Anbietern wie No-IP.com oder Selfhost.de. Nicht vergessen darf man, den Hostnamen in den Router-Einstellungen unter Dynamic DNS einzutragen und bei Owncloud HTTPS für eine verschlüsselte Datenübertragung einzurichten. Das erfordert ein kostenlos bei startSSL.com erhältliches SSL-Zertifikat. Zudem muss im Router der Port 443 für die IP-Adresse des OwnCloud-Servers freigegeben werden.

Auch Universitäten haben eigene Datenwolken

"Wenn ich sage, ich traue keinem anderen, und ich traue nur mir, ist der Server zu Hause die einzige Möglichkeit", sagt Prof. Pohlmann. Aber bei so einer Lösung muss man auf die hohe Verfügbarkeit und die Wartung, die ein Webhoster bietet, verzichten. Auch mit einem Diebstahl des Servers daheim muss man rechnen, warnt Pohlmann. "Die Wahrscheinlichkeit, dass in mein Privathaus eingebrochen wird, ist deutlich höher als im Rechenzentrum."

Neben Firmen setzen etwa die TU Berlin oder die ETH Zürich (Polybox) auf OwnCloud und bieten Studierenden und Mitarbeitern einen sicheren und kostenlosen Onlinespeicher. Auch die Uni Münster testet Cloud-Software, um bald die eigene und interessierte Hochschulen in ganz Nordrhein-Westfalen mit einem Speicherdienst zu versorgen. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit OwnCloud gemacht", sagt Raimund Vogl, der das Zentrum für Informationsverarbeitung der Uni Münster leitet.

"Für Laien ein großer Aufwand"

Wer keiner vertrauenswürdigen Organisation mit kostenlosem Speicherdienst angehört, kann selbst aktiv werden. Denn OwnCloud lässt sich nicht nur auf einem Server daheim, sondern auch bei einem Webhoster installieren - entweder auf einfachem Webspace, den es ab einem Euro im Monat gibt, oder auf einem virtuellen Server, der ab fünf Euro im Monat zu haben ist. Auch hier sollte man in beiden Fällen HTTPS und ein SSL-Zertifikat nicht vergessen. "Das ist für einen Laien, der seine Daten schützen will, ein großer Aufwand", gibt Vogl zu bedenken. Und auch Updates dürften Nutzer nicht vergessen.

Deshalb bieten einige Webhoster schlüsselfertige Lösungen für OwnCloud an, mit denen auch Laien gleich loslegen können. OwnCloud kann nicht nur Dateien, sondern auch Kontakte, Termine oder Aufgaben zwischen mehreren Geräten synchronisieren. Die Nutzung läuft über Programme (Clients) für den Rechner sowie iOS- und Android-Apps. Die Suite bietet auch einen Musik-Player, eine Bildergalerie sowie einen Gastzugang mit Datei- oder Ordnerfreigabe. Über Zusatzmodule können weitere Funktionen wie etwa Virenscanner, Bookmark-Verwaltung, To-do-Liste oder eine Verschlüsselung installiert werden.

Dirk Averesch, dpa

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insgesamt 31 Beiträge
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1. optional
r. schmidt 13.12.2013
Ein Synology NAS bietet das alles recht stromsparend und bedienungssicher für jeden normalen Nutzer an. Bei allen externen Server oder Window Systemen zu Hause sollte man sich bzgl. Sicherheit keiner Illusionen hingeben. Ein normaler Desktop PC als 24h/Tag Cloud merkt man auch auf der Stromrechnung.
2. das bedeutet
dschinn1001 13.12.2013
Eine Hersteller-Firma verkauft PCs ohne Festplatten. Die Festplatten bleiben bei der Firma und werden dort verwaltet. Der Kunde kauft also z.B. einen PC ohne Festplatte und geht einen kostenlosen Nutzungsvertrag mit der Firma ein. Ueber Funk und/oder W-LAN hat er Zugriff auf seine Festplatte, die aber bei der Firma in der Verwaltung in einem Server-Park sich befindet. Vorteil: Die Daten sind wirklich sicher. Nachteil: Kennst Du Deine Firma mit Deiner Festplatte ? Bleibt cloud im Nebel ?
3. sichere Cloud - ein Oxymoron!
jjcamera 13.12.2013
Zitat von sysopCorbisDie NSA-Spähaffäre lässt viele Internetnutzer ratlos zurück. Bei einigen ist die anfängliche Empörung vielleicht sogar schon der Resignation gewichen. Doch jeder kann Konsequenzen aus den Enthüllungen ziehen - etwa mit der eigenen sicheren Cloud. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/cloud-computing-wege-zum-sicheren-online-speicher-a-938957.html
Überlässt man jetzt das Denken auch dem Computer? Man sollte begreifen, dass eine Cloud noch weit weniger gut vor Zugriffen geschützt werden kann, als eine Festplatte. Und die ist schon nicht sicher.
4. Truecrypt
Dyl Ulenspegel 13.12.2013
Boxcryptor hat den Haken, dass der Quellcode nicht offenzugänglich ist. Man muß also darauf vertrauen, daß die Programmierer keine Backdoors eingebaut haben, über den Dritte Zugang zu den verschlüsselten Daten haben. Sicher sein kann man sich dessen jedoch nicht. Truecrypt lädt zwar nicht automatisch die Daten in die Cloud hoch, ist aber dafür Open Source, der Quelltext ist also verfügbar. Auch wurde schon geprüft, daß die angebotenen Binärdateien identisch sind mit dem, was beim Kompilieren des Quelltextes entsteht. Somit kann jeder, der die Programmiersprache beherrscht, sich vergewissern, daß es keine Backdoors gibt. Und: Truecrypt ist kostenlos! Für mich ist Truecrypt eines der genialsten Programme überhaupt. Ich habe es seit Jahren auf verschiedenen Systemen im Einsatz und noch nie Probleme damit gehabt. Das war mir sogar eine Spende an die Entwickler wert.
5. Was für ne Wolke?
frankasten 13.12.2013
Erst wird die Sau jahrelang durchs Dorf getrieben, bis auch wirklich jeder DAU ein schlechtes Gewissen hat, weil er noch keine Cloud nutzt. Das ist nicht nötig, lieber User, im "Neuland" werden noch keine Wolken genutzt, das kommt erst im Jenseits (weißt schon, Flügel, Harfe etc.). Im Diesseits reicht für dein ganzes Leben jeder popelige USB Knüppel. Und stellt euch vor, früher waren Firmen doch tatsächlich so intelligent, Ihre Server ins eigene Haus zu stellen und nicht der Konkurrenz zur freien Verfügung. Nein, wir brauchen das alles unbedingt, glaubt es nur. Wer zweifelt, wird gelöscht...in der Wolke. Wie um alles in der Welt konnte die Computerwelt zig Jahre ohne Wolke und ohne iPad/iPhone existieren?
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Stichwort: Cloud Computing
Prinzip
Das Endgerät ist beim Cloud Computing nur ein Fenster auf einen stets aktuellen Datenbestand. Wer am Rechner einen Termin einträgt, sieht ihn später auch beim Blick in den Handy-Kalender, wer mobil einen Kontakt einträgt, kann ihn später am PC abrufen - immer nur online, versteht sich. Das Gleiche gilt für Adressbücher, E-Mails, online abgelegte Fotos, Dokumente und so weiter.
Anbieter
Viele Anbieter versuchen derzeit, sich als erste Adresse für den Zugang zur Datenwolke zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise Google, Microsoft, der Hardware-Hersteller Apple mit MobileMe und der Handy-Produzent Nokia mit seinem Dienst Ovi. Auch Vodafone will künftig stärker auf Netzdienste setzen.
Business-Funktionen
Für Unternehmen hat Cloud Computing eine weitere Bedeutung: Sie können rechen- oder datenintensive Aufgaben an Datenzentren auslagern, gewissermaßen Rechner - oder Speicherkapazität in der Wolke nach Bedarf für bestimmte Aufgaben anmieten. Vorreiter ist hier Amazon mit seinen Web Services (AWS), etwa dem Speicherdienst S3. Es gibt aber auch zahlreiche andere Anbieter, etwa die Plattform Force.com von Salesforce.

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Die eigene Musiksammlung im Internet, immer und überall verfügbar, mit angeschlossenem Online-Shop: Klingt einfach, ist aber immer noch keine Selbstverständlichkeit. Vor allem die Musiklabels sperren sich gegen die neuen Online-Angebote, zudem behindert internationales Lizenzchaos innovative Angebote. Die EU-Kommission plant deswegen nun einen gemeinsamen europäischen Online-Binnenmarkt.
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Der Online-Händler Amazon hat als erster Internetriese einen Online-Musikdienst gestartet. Auf die Online-Festplatte Cloud-Drive lassen sich bei Amazon eingekaufte Werke kopieren. Eine spezielle Genehmigung für das Streaming-Angebot hat sich Amazon nicht eingeholt.
Dropbox
Der Online-Speicherdienst Dropbox synchronisiert automatisch Dateien und Ordner zwischen Computern, außerdem kann über ein Webinterface und eine App auf die eigenen Daten zugegriffen werden. Auch die eigene Musiksammlung lässt sich in den Webspeicher verlegen - und auf das iPhone streamen.
iTunes in the Cloud
Bei Apple eingekaufte Musik steht künftig über "iTunes in the Cloud" automatisch auf allen registrierten Geräten bereit. US-Nutzer können für eine Jahresgebühr von rund 25 Dollar außerdem über das Netzwerk auf Musikstücke zugreifen, die sie als Datei auf ihrem Rechner liegen haben, ohne sie bei Apple (oder anderswo) gekauft zu haben. Vorausgesetzt, der iTunes Store führt das Lied im Angebot.
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Im Mai hat Google auf einer Konferenz einen eigenen Online-Musikdienst vorgestellt - zunächst aber nur als Beta-Version und nur für US-Nutzer. Die können ihre eigene Musiksammlung auf die Google-Server laden, einen eigenen Online-Musikladen bietet Google bisher nicht an.
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Über Werbung und kostenpflichtige Premium-Angebote finanziert sich der Streaming-Dienst Simfy - bisher stehen im deutschsprachigen Raum rund acht Millionen Lieder zur Verfügung. Bisher ist die iPad-App des Unternehmens nicht von Apple genehmigt worden.
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Bisher in sieben Ländern nutzbar ist der Musik-Streamingdienst Spotify. Deutschland und die USA fehlen allerdings. Für die mobile Spotify-App wird eine Gebühr fällig. Für Aufsehen sorgten Meldungen, wonach eine enge Integration in Facebook geplant sein soll.

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