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Cloud Computing: Werbung für, Warnung vor der Wolke

Seit Jahren bewerben Firmen wie Google, Microsoft oder Amazon das sogenannte Cloud Computing als sicher, leistungsstark und kostengünstig. Doch die Skepsis gegen das Konzept sei nicht ohne Grund groß, warnt nun ein IT-Security-Fachblatt: Sicherheit in der Wolke sei "ein wolkiges Versprechen".

Serverpark von Facebook im schwedischen Lulea: Von der Outsourcing-Technik des Cloud Computings erhoffen sich Firmen mit starker IT-Infrastruktur zusätzliche Geschäfte Zur Großansicht
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Serverpark von Facebook im schwedischen Lulea: Von der Outsourcing-Technik des Cloud Computings erhoffen sich Firmen mit starker IT-Infrastruktur zusätzliche Geschäfte

Berlin/Bonn - Fotos, Musik oder ganze Festplatteninhalte ins Internet auslagern und sämtliche Anwendungen Web-basiert durchführen - das klingt verlockend. Privatanwender wollen so ihre persönlichen Medieninhalte und Dokumente vor dem nächsten Virenabschuss oder Rechnerverlust schützen. Richtig interessant aber wird Cloud Computing erst in der Unternehmenswelt: Cloud-Anbieter versprechen Firmen, immer nur die Infrastruktur und Leistung bezahlen zu müssen, die gerade wirklich gebraucht wird. Mehr Flexibilität und Skalierbarkeit biete die Datenwolke also, ohne ständig die eigene Infrastruktur an die Auftragslagen anpassen zu müssen, dazu aber natürlich Sicherheit.

Unter dem Strich ist Cloud Computing - auch wenn das keiner so deutlich sagen möchte - also vor allem eine Outsourcing-Technik, bei der bisher typischerweise firmenintern erledigte Aufgaben an ein externes Unternehmen vergeben werden.

Unter den Anbietern finden sich spezialisierte Daten-Hoster, aber auch bekannte Unternehmen wie Amazon, die so aus ihren Serverparks Zusatzgeschäfte kitzeln wollen. Ein Geschäft wittern auch die großen Webhoster, die bisher vor allem mit dem Parken von Websites ihr Geld machten, aber auch Telekommunikationsunternehmen, die beim Datenverschieben per Netzwerk gleich zweifach verdienen können.

Die ganz Großen spielen mit

An vorderster Front aber stehen die üblichen Verdächtigen - und hier wie so oft Google und Microsoft. Der Betriebssystem-Marktführer hat seit Anfang Februar die erste Vollversion seiner nun kostenpflichtigen, sogenannten Windows-Azure-Plattform in 21 Nationen inklusive Deutschland im Angebot. Der Konzern sorgt so mit Software und Dienstleistungen für eine veränderte Unternehmenswelt vor, in der der stationäre Rechner an Wichtigkeit verlieren mag. Um hier von Anfang an einen Fuß in der Tür zu haben, sorgte Microsoft für die Etablierung seiner Plattform durch Verbreitung: Dem offiziellen Start am 5. Februar ging eine lange Betaphase voraus, in der potentielle Partner den Dienst kostenfrei nutzen konnten.

Das wird zumindest für die Wissenschaftler der National Science Foundation (NSF) in den USA auch so bleiben. Auch das ist Teil von Microsofts Erfolgskonzept: Die Nutzung in Firmen, Behörden und Institutionen - im Arbeitsleben also - sicherte schon DOS und später Windows den Spitzenplatz unter den Betriebssystemen.

Die Nase vorn im Cloud-Geschäft hat aber Microsofts Internet-Angstgegner Google. Unternehmenschef Eric Schmidt sorgte vor vier Jahren mit geschickt platzierten Erwähnungen in Interviews gezielt für die Popularisierung des Schlagwortes Cloud Computing, seitdem gehört es zu seinen Dauerthemen. Zuletzt rührte er auf der Mobilfunkmesse in Barcelona kräftig die Werbetrommel für Googles Cloud-Visionen, die weit über Datenparken und -abrufe hinausgehen. Google schwebt die Schaffung von Unternehmensinfrastrukturen vor, die keinen echten Ort mehr haben, sondern überall on demand verfügbar sind.

Sicherheit "ein wolkiges Versprechen"

Cloud Computing ist dabei alles andere als ein neues Konzept, gilt aber erst seit Beginn der flächendeckenden Breitbandversorgung Anfang des neuen Millenniums als realistische Option und wurde auf dem Endverbrauchermarkt erst seit circa 2006 werblich bekannt gemacht. Seitdem grüßt auch auf der Cebit in Hannover alljährlich das Murmeltier: Wie in den vergangenen Jahren wird Cloud Computing dort auch in diesem Jahr einer der Themenschwerpunkte sein.

Doch die bedenkenlose Nutzung des Cloud Computing ruft auch Kritiker auf den Plan. So warnt der IT-Sicherheitsinformationsdienst " mIT Sicherheit" in seiner aktuellen Ausgabe im Internet: "Dass Daten dort vor unbefugtem Zugriff sicher gespeichert und verwaltet werden können, ist ein wolkiges Versprechen." Der Dienst sieht "schwere Sicherheitsprobleme".

Für Unternehmen etwa bedeuteten Cloud-Dienste gegenüber lokalen Rechnern oder eigenen Rechenzentren zwar die kostengünstigere Alternative, doch die Standorte für "sensible Unternehmensdaten" seien häufig unbekannt. Unnötige Betriebsrisiken entstünden auch dadurch, dass Anbieter von Cloud-Diensten ihre Dienstleistungen oft nur unzureichend definierten. "Für den Privatnutzer bestehen ähnlich gelagerte Risiken", heißt es.

Firmen wird geraten, zunächst zu klären, ob die Auslagerung von Daten rechtlich statthaft sei. Auch sei darauf zu achten, dass dem Benutzer ein Backup ermöglicht werde. Von Cloud-Dienstleistern, die keine Auskunft über Server-Standort und Sicherungsmechanismen geben, sei abzuraten. Beim Thema Datenschutz sieht "mIT Sicherheit" ein oft nicht auszuräumendes Problem: Trotz vertraglicher Garantien sei die Einhaltung des vertraulichen Umgangs kaum nachprüfbar.

pat/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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1. Sicherheit?
hajoschneider 22.02.2010
Zitat von sysopSeit Jahren bewerben Firmen wie Google, Microsoft oder Amazon das so genannte Cloud Computing als sicher, leistungsstark und kostengünstig. Doch die Skepsis gegen das Konzept sei nicht ohne Grund groß, warnt nun ein IT-Security-Fachblatt: Sicherheit in der Wolke sei "ein wolkiges Versprechen". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,679424,00.html
Gerade dem zweiten Aspekt, nämlich dem des Sicherheitsrisikos, hätte man sicher ein paar tieferschürfende Aspekte abgewinnen könnnen. So bleibt es bei einer reinen Erwähnung. Das ist nicht gerade journalistische Fleißarbeit.
2. Erst testen - dann urteilen!
EiligerVater 22.02.2010
Zitat von sysopSeit Jahren bewerben Firmen wie Google, Microsoft oder Amazon das so genannte Cloud Computing als sicher, leistungsstark und kostengünstig. Doch die Skepsis gegen das Konzept sei nicht ohne Grund groß, warnt nun ein IT-Security-Fachblatt: Sicherheit in der Wolke sei "ein wolkiges Versprechen". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,679424,00.html
Hey, ich hatte bis vor einigen Tagen auch nicht mehr Ahnung von "Cloud Computing" als die SPON-Redaktion. Dann testete ich aber DROPBOX und war sofort begeistert. Für Ich-schreib-mir-selbst-ne-Mail-Schreiber und USB-Stick-Boys unbedingt zu empfehlen! Die ersten 2 GB kosten nichts, mit diesem Link gibt zusaätzliche 250 MB: https://www.dropbox.com/referrals/NTQzODgwMDQ5 Sicherheit ist sicherlich ein Problem in der Wolke. Aber ich lege "da oben" ja auch keine Kontodaten ab...
3. Cloud Computing
Faust007 22.02.2010
Cloud Computing ohne ausreichende Upload-Geschwindigkeit wird keinem User Spaß machen. Hierzu ist VDSL oder SDSL nötig.
4. Cloud ist nicht nur ein Outsourcing-Modell
Gerdd 23.02.2010
Die Essenz des Cloud-Konzepts liegt ja eigentlich darin, daß man Computer-Infrasturktur aus einem großen Pool in standardisierten virtuellen Paketen verfügbar macht. Wer wie wem diese Infrastruktur anbietet, und wozu, bleibt dabei offen. Bei größeren Organisationen kann das durchaus auch firmenintern stattfinden: "Ich muß die Kapazität meines Online-Bestellsystems rechtzeitig vor Weihnachten verdreifachen. Dazu brauche ich zwei zusätzliche virtuelle Anwendunsggserver aus der Cloud." - Einer dieser zwei virtuellen Server könnte durchaus die letzten sechs Wochen damit verbracht haben, bei einem internen Audit die Rechenkapazität aufzustocken. Zum Beispiel. Den anderen könnte sich die Firma auch durchaus bei Google oder IBM anmieten. Dabei können durchaus auch Sicherheitsbedürfnisse berücksichtigt werden. Das im Artikel hauptsächlich dargestellte Modell - virtuelle Webserver an kleine Kunden zu vermieten - kann durchaus auch in einer Cloud realisiert werden. Dabei bleibt es zunächst offen, inwieweit dieses Modell einen nennenswerten Anteil an der zu erwartenden Cloud-Kapazität haben wird. Eine große Motivation für eine firmeninterne Cloud bei Großnutzern blieb im Artikel völlig unerwähnt: Die Kosolidierung einer gewissen Vefügungsmasse an hausinterner Rechenkapazität für temporäre Bedarfsspitzen auf vergleichsweise geringer tatsächlicher Kapazität - bei reduzierten Kosten für Hardware, Platz, Energieverbrauch und so weiter. Dazu kommt, daß der Prozeß der Bereitstellung von virtuellen Servern automatisiert und beschleunigt wird, was diese Lösung noch kostengünstiger macht. Flexibilität als Sparmodell. Das kann auch für eine Großbank oder Behörde attraktiv sein. Gerade Behörden könnten ihre Rechenkapazität in einer ressort-übergreifenden Wolke wesentlich effizienter nutzen als nach dem bisherigen Modell. Dabei bleibt es unbenommen, eine gewisse Grundlast auf konventionelle Weise weiterzubetreiben und lediglich den dynamischen Bedarfsanteil aus der Cloud zu bedienen. Cloud ist zuerst ein technisches Modell, auch wenn gewisse Anbieter den Klang des neuen Namen für ein ganz bestimmtes Geschäftsmodell nutzen wollen, wie im Artikel beschrieben. Für welche Kunden dieses Modell attraktiv ist, wird sich zeigen.
5. Verzweigte Zugangsmöglichkeit
Rikardio 23.02.2010
Als Dienstleister zwar nicht im Bereich Cloud Computing aber im Aufbau der Mitarbeiter Vernetzung wird seit etwa 1,5 Jahren immer mehr der Zugriff auf gemeinsame Datenbestände gewünscht. Hier bietet Cloud Computing eine Serverartige Möglichkeit für kleinere Firmen Zugang auf gleiche Daten ohne Serverwartung und –pflege zu realisieren. Seit fast alle Kunden Zugang zu gleichem Status ihrer Mail im Büro, auf dem iPhone, Laptop und zu Hause wollen, (und DSL Flat die Infrastruktur gibt) ist das plötzlich ein Wunschthema. Sicherheit: Da das Sicherheitsleck meist der Mitarbeiter ist, ist schon die Verwaltung von Passworten, deren regelmäßiger Wechsel und Verbreitungskontrolle ein gern übersehenes Thema.
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