Hacker-Projekt Dieser Miniroboter knackt Kombinationsschlösser

Manche Zahlenschlösser lassen sich fast so schnell knacken wie anbringen: Ein kalifornischer Hacker hat einen Miniroboter vorgestellt, der mitunter in 30 Sekunden die richtige Ziffernfolge findet. Eine Bauanleitung steht bereits im Netz.

Der "Combo Breaker" in Aktion: Manches Schloss knackt er in 30 Sekunden
YouTube/ Samy Kamkar

Der "Combo Breaker" in Aktion: Manches Schloss knackt er in 30 Sekunden


"Combo Breaker" - so nennt der kalifornische IT-Sicherheitsexperte und Hacker Samy Kamkar seinen selbstentwickelten Schlossknacker. Die Einzelteile des Maschinchens stammen aus dem 3D-Drucker, das Gerät kann runde Kombinationsschlösser, wie sie etwa für Spinde in Umkleidekabinen weit verbreitet sind, in kurzer Zeit knacken. Damit jeder den "Combo Breaker" testen kann, hat Kamkar am Donnerstag Details zu den benötigten Komponenten online gestellt.

Zum Nachbau des Gadgets braucht man zwei Motörchen, die das Schloss drehen und prüfen, ob es sich schon öffnen lässt, einen optischen Sensor und eine Arduino-Plattform, deren Software die Arbeitsschritte koordiniert. Die restlichen 3D-Teile werden für den Gehäusebau genutzt.

Kamkar nutzt mit seinem Roboter einen Produktionsfehler beim Schlosshersteller Master Lock aus. Für einige von dessen Schlössern kursieren online schon seit geraumer Zeit Anleitungen zum Überwinden der Ziffernkombination.

Eine Sache von Minuten

Samy Kamkar hatte Ende April entdeckt, dass es prinzipiell binnen Minuten möglich ist, die richtige Kombination herausbekommen. Dazu muss der bogenförmige Verschlussbogen oben am Schloss leicht angehoben und das Ziffernrad zum Einstellen der richtigen Zahlen gedreht werden. An bestimmten Stellen soll dabei ein leichter Widerstand zu spüren sein, immer bei den zum Öffnen benötigten Zahlen. Laut dem Tech-Blog "Ars Technica", das den Trick ausprobiert hat, können Master-Lock-Schlösser auf diese Weise leicht geöffnet werden.

Was händisch ein wenig Arbeit macht, kann nun der "Combo Breaker" erledigen. Ist die erste Nummer des Schlosses bereits bekannt, soll das Gerät für die restliche Arbeit gerade mal 30 Sekunden brauchen. Die Materialkosten für das Gerät veranschlagt Kamkar bei unter 100 Dollar. Auf Nachfrage von "Wired" äußerte sich Master Lock zunächst nicht zu dem Projekt.

"Wired" weist allerdings darauf hin, dass das Unternehmen seinen Produkten verschiedene Sicherheitsklassen von 1 bis 10 zuordnet - das kleine Rundschloss erhalte dabei eine 3. "Die Moral ist ziemlich einfach", sagt Kamkar dem Magazin: "Wenn Sie Wertsachen in einem Schließfach schützen wollen, sollten Sie wahrscheinlich ein besseres Schloss verwenden."

Kamkar sagt, von ein wenig Spaß abgesehen, sei sein Projekt der Versuch, den Menschen zu vermitteln, dass einfache Kombinationsschlösser lächerlich unsicher seien. Schon in der Vergangenheit war Kamkar mit verschiedenen Hack-Anleitungen an die Öffentlichkeit getreten. So präsentierte er etwa eine Methode zum Entführen von Flugdrohnen und eine Art Wanze, die als USB-Ladegerät getarnt alle Eingaben auf kabellosen Tastaturen mitschneidet.

meu



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rgom 15.05.2015
1.
Wie man ein Masterlock knackt hat nicht Samy Kamkar vor ein paar Monaten entdeckt, sondern ist seit Jahren bekannt und das Verfahren leicht im Internet zu finden.
Spiegelleserin57 15.05.2015
2. na da freuen sich doch alle!
vor allem die Versicherungen wenn hinterher die Tür wieder ordnungsgemäß verschlossen wird kann man einen Diebstahl gar nicht geltend machen da man keine Beweise hat.
7eggert 15.05.2015
3. Als ich noch jung war
Zu meiner Schulzeit konnte man viele Schlösser noch knacken, in dem man einfach ein bißchen zog und drehte, bis sich das erste, zweite, dritte Rad festhakte. Zu der Zeit gab es auch noch die Speichenschlösser, bei denen man nicht den Schlüssel vom Rad nehmen konnte, wenn man nicht abschloß. Das heißt, man hatte einen zweiten Schlüssel, natürlich ohne Anhänger, den man deswegen gerne verlor, und wenn man nicht daran dachte oder wirklich nur ein Schloß brauchte, konnte jeder das Rad blockieren.
Sueme 15.05.2015
4.
Zitat von 7eggertZu meiner Schulzeit konnte man viele Schlösser noch knacken, in dem man einfach ein bißchen zog und drehte, bis sich das erste, zweite, dritte Rad festhakte. Zu der Zeit gab es auch noch die Speichenschlösser, bei denen man nicht den Schlüssel vom Rad nehmen konnte, wenn man nicht abschloß. Das heißt, man hatte einen zweiten Schlüssel, natürlich ohne Anhänger, den man deswegen gerne verlor, und wenn man nicht daran dachte oder wirklich nur ein Schloß brauchte, konnte jeder das Rad blockieren.
Ja das kennen ich auch noch, was für ein Spaß einfach von zwei/drei Rädern die Schlösser durch zu tauschen. Oder einfach wenn es offen war mal die Spange innen entfernen und die 4 Zahlenringe neu anordnen und das Rad wieder anschließen :-)
deufin 15.05.2015
5. Ein Bolzenschneider...
...ist noch schneller. Ich habe Vorhänge-Schlösser noch nie verstanden, egal ob mit Zahlenschloß oder Schlüssel. Der Bügel aus 5mm Stahl ist mit einem Bolzenschneider innerhalb 5 Sekunden durchgeschnitten. Wertsachen würde ich also niemals mit einem Vorhänge-Schloß sichern.
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