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09. April 2014, 08:31 Uhr

Neue Schriftart

Ersatz für die gehasste Comic Sans

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Pfui, Comic Sans: Bei der runden, krakeligen Kinderschrift wird vielen Designern einfach nur schlecht. Nun gibt es eine kostenlose Alternative. Comic Neue soll den Ruf der weit verbreiteten Schriftart retten.

Comic Sans hat es nicht leicht. Seit 20 Jahren ist die krakelige Schriftart standardmäßig auf Windows-Rechnern installiert, als niedliche Alternative zu ernst wirkenden Schriften wie Arial oder Times New Roman. Seitdem muss sie für Grußbotschaften herhalten, für Hinweisschilder und bei allen Anlässen, die mit einem Augenzwinkern versehen werden sollen.

Weil die verspielte Schrift so allgegenwärtig ist, würden viele Designer wohl lieber auf ihren geliebten Mac verzichten als einen Text in Comic Sans zu setzen. Als die Schrift vor drei Jahren im Netz wieder einmal eine Abrechnung erfuhr, machte sich Craig Rozynski an die Arbeit. Der aus Australien stammende Designer verpasste Comic Sans ein Makeover.

Das Ergebnis ist seine Schriftart Comic Neue, die jetzt zum kostenlosen Download bereitsteht. Die Formen wurden zurechtgezogen, sehen klarer und ordentlicher aus. Zwei verschiedene Versionen hat Rozynski entwickelt, bei einer sind die Ecken und Kanten der Schrift abgerundet. Beide Versionen gibt als regulären und als kursiven Schnitt. Insgesamt stehen zwölf Varianten zur Verfügung. Die Schrift eigne sich gut für Überschriften und sei "perfekt für Kommentare und passiv-aggressive Aushänge im Büro", so Rozynski.

Der Schriftgestalter Tobias Frere-Jones, seit mehr als 25 Jahren im Geschäft, hat sich die Comic Neue für uns angesehen: "Ich bewundere Rozynskis Bemühungen, die Formen für Comic Neue zu verbessern, aber dieses neue Design scheint mir unentschlossen: Der Großbuchstabe E ist vollkommen gerade und aufrecht wie eine technische Zeichnung, während der Kleinbuchstabe c immer noch locker und asymmetrisch ist."

Die Version mit den scharfen Ecken sei noch unstimmiger. Einerseits würden die Kanten Präzision andeuten, die Formen insgesamt aber unberechenbar wirken. "Ich möchte einen jungen Designer wirklich nicht entmutigen, denn die Arbeit ist schon schwierig genug. Aber ich glaube, Rozynski kann seine Idee noch entwickeln und klarer zum Ausdruck bringen."

Trotzdem lässt sich schon mit der ersten Version der Comic Neue etwas anfangen. Bis die Schrift allerdings zum vollwertigen Ersatz taugt, fehlen noch Sonderzeichen und Umlaute. Englische Sätze lassen sich mit der neuen Schrift schon setzen. Für das ö im Beispielbild mussten wir allerdings tricksen, eigentlich gibt es dieses Zeichen noch nicht.

Das ist bei Comic Sans anders, hier existieren alle gebräuchlichen Zeichen. Für die voll ausgebaute Comic Neue mit allen Sonderzeichen, an der Rozynski nun arbeitet, will er vielleicht Geld verlangen. Die nun erhältliche Basisversion soll aber kostenlos bleiben, so Rozynski gegenüber "Creative Review".

Der Designer der echten Comic Sans, Vincent Connare, findet die neue Version seiner Massenschrift übrigens nicht verspielt genug. "Sollte zwangloser aussehen", meldete er sich auf Twitter zu Wort. Rozynski nimmt es sportlich - und integrierte den Tweet gleich auf seiner Website.

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