Community-Portal MySpace-Filmer bekommt Profi-Vertrag

Ein Student aus dem US-Staat Michigan hat mit einer Parodie auf die MySpace-Generation einen Überraschungserfolg erzielt. Der Film, der die seltsamen Rituale der Nutzer des Community-Portals karikiert, brachte ihm den Einstieg in eine Filmkarriere.


"MySpace: The Movie" heißt das kurze Filmchen schlicht, dass der 21-jährige David Lehre gemeinsam mit einigen Freunden bastelte. Der Film beschreibt in einigen kurzen Szenen auf satirische Weise die Auswirkungen, die das Community-Portal MySpace auf das tägliche Leben junger US-Amerikaner hat.

"MySpace: The Movie": Überraschungserfolg bringt Profi-Vertrag

"MySpace: The Movie": Überraschungserfolg bringt Profi-Vertrag

Am 28. Januar stellte Lehre den Film auf seine private Homepage, drei Tage später hatte es ein Unbekannter auf das Video-Portal YouTube.com gepackt. "MySpace: The Movie" wurde allein dort bereits fast dreieinhalb Millionen Mal angesehen und ist damit das derzeit am häufigsten abgerufene Video bei YouTube. Inzwischen zeigt auch der Fernsehsender Current TV, der sich speziell an die Internetgeneration wendet, den Film. Insgesamt soll er bereits über sechs Millionen mal angesehen worden sein.

MySpace hat nach eigenen Angaben über 50 Millionen registrierte Nutzer und bietet diesen die Möglichkeit, eine eigene Seite mit Fotos, Videos, Musik und Texten einzurichten und mit anderen Nutzern Kontakt aufzunehmen. Das Portal wird zum Kontakthalten mit alten Freunden ebenso genutzt wie zum Flirten oder für Party-Verabredungen. Es hat in letzter Zeit immer wieder auch Negativschlagzeilen gemacht, wegen angeblicher Kontaktaufnahmen zwischen Minderjährigen und Pädophilen und wegen Fotos, die ein Teenager auf seiner Seite platziert hatte. Er posierte darin mit Waffen und bezeichnete sich selbst als "Todesengel", was Mitschüler und Eltern in Sorge versetzte. Der Jugendliche wurde verhaftet.

In der ersten Sequenz des Films von Lehre sieht man einen jungen Mann, der sich selbst im Bad in immer merkwürdigeren Posen für das Profil seiner MySpace-Seite fotografiert - bis seine Mutter ihn dabei erwischt, wie er sich mit der Kamera zwischen den Beinen in Unterwäsche auf dem Waschtisch räkelt. Später wird ein grauenhaft schiefgegangenes Blind Date auf ziemlich herkömmliche Weise abgehandelt, eine Freundin fordert vom Freund das Passwort für die privaten Bereiche seiner Seite und findet (natürlich) Inkriminierendes, am Ende wird ein Partygast dabei fotografiert, wie er sich auf der Toilette übergibt.

David Lehre hat gemeinsam mit seinen Freunden schon einige Filme gedreht, angeblich, weil er einst bei einer Schulaufführung keine Rolle bekam. Nun zahlt sich der private Drang zum Unterhalten beruflich aus: MTVs College-Spartensender MTVU bot Lehre einen Vertrag an. Es gehe darum sein Talent "auszubrüten und noch weiter zu entwickeln", sagte der MTVU-Programmchef. Neben dem Vertrag bekam Lehre auch Anrufe von einigen Hollywood-Managern - und eine lobende E-Mail von Tom Anderson, einem der MySpace-Gründer.

Der wird sich, trotz der wenig schmeichelhaften Darstellung, sehr über die kostenlose Publicity gefreut haben. Allein ist Lehre mit seiner Idee übrigens nicht: Im Augenblick liefert das Suchwort MySpace bei YouTube.com weit über 4000 Treffer.

cis/AP



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