Von Konrad Lischka
1978 gründeten der britische Ingenieur Chris Curry und Hermann Hauser, Erbe einer Tiroler Weinhändler-Dynastie und Physik-Doktorand in Cambridge, ein Computer-Start-up. Sie entwickelten Steuerungs-Hardware für Spielautomaten und allerlei Auftragsarbeiten, bis sie den Heimcomputer-Markt aufmischten. Ihr erster Heimrechner, der Atom, war ein kleiner Erfolg, ihr zweiter eine Sensation: Der BBC Micro entstand infolge einer von der Regierung unterstützten Kampagne zur Informatik-Weiterbildung. Die BBC-Fernsehserie "Wie man das meiste aus dem Mikro-Computer herausholt" demonstrierte anhand des BBC Micro, was man mit Heimrechnern alles machen kann. 1981 erschien der Heimrechner (eigentlich Acorn A getauft), bis 1983 hatten Hauser und Curry 240.000 Stück verkauft. Als die Firma im September 1983 an die Börse ging, waren Hauser und Curry auf dem Papier Multimillionäre.
Der Erfolg war allerdings recht bald wieder vorbei - beim Nachfolgemodell Electron verrechnete sich das Unternehmen: Acorn hatte bei Zulieferern auf lange Zeit nicht anpassbare Mindestabnahmemengen garantiert, technische Probleme führten zu Lieferverzögerungen, im wichtigen Weihnachtsgeschäft 1983 konnte die Firma nur einen Bruchteil der bestellten Rechner verkaufen. 1984 brach die Nachfrage ein, und Acorn hatte einen Lagerbestand von angeblich einer Viertelmillion nicht verkaufter, aber beim Lieferanten bezahlter Rechner.
1985 übernahm Olivetti die Firma. In den neunziger Jahren scheiterte Acorn mit Versuchen, ein großes Geschäft mit Set-Top-Boxen zu machen. Da damals niemand für Video-on-Demand bezahlen wollte, wurde die Hardware nicht gebraucht. Nach einigen arg komplizierten Finanzmark-Transaktionen ist das heute bekannteste Überbleibsel von Acorn die Firma ARM Holdings. ARM ist die Abkürzung für "Acorn-RISC-Machine", ein Prozessor-Design, das Acorn von 1983 an entwickelte.
Diese Chips sind einigermaßen schnell und sehr sparsam. ARM Holdings verkauft Lizenzen für die Fertigung von Chips mit dieser Technik. In den meisten Mobiltelefonen und PDAs arbeiten heute noch ARM-Chips. So zum Beispiel in Apples iPhone, in Amazons Kindle und in sehr vielen Nokia-Handys. Allein 2008 sollen 2,5 Milliarden Prozessoren auf ARM-Basis hergestellt worden sein.
Das Apple-Mobiltelefon arbeitet also mit dem Chip-Design einer britischen Firma - die dort schon seit vielen Jahren "the British Apple" genannt wird.
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