Computerspiele-Hersteller Hacker dringen in Sega-Netzwerk ein

Jetzt auch noch Sega: Kriminelle sind in die Server des Computerspiele-Herstellers eingedrungen und haben Kundendaten gestohlen. Wer die Täter sind, ist unbekannt. Hilfe wird dem Unternehmen jetzt von ungewohnter Seite angeboten.

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Vorstellung des Sega-Spieles "Binary Domain": Datendiebe griffen Kundendaten ab
REUTERS

Vorstellung des Sega-Spieles "Binary Domain": Datendiebe griffen Kundendaten ab


Keiner wird verschont. Nachdem in den letzten Wochen bereits Unbekannte in die Spieler-Netzwerke von Sony und Nintendo eingedrungen waren, gesellt sich jetzt auch der Videospiele-Hersteller Sega in die Riege der Opfer ein. Per E-Mail informierte das Unternehmen die Anwender seines Sega-Pass-Systems darüber, dass Unbekannte Zugriff auf das System gehabt haben.

Das Unternehmen habe festgestellt, dass dabei persönliche Daten, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und die verschlüsselten Passworte von einem Teil der Sega-Pass-Mitglieder geraubt wurden. Bankdaten hätten die Eindringlinge jedoch nicht erbeuten können. Der Grund dafür sind allerdings nicht besondere Sicherheitsvorkehrungen bei Sega, sondern schlicht die Tatsache, dass Sega die Abrechnung an einen externen Dienstleister ausgelagert hat. Der japanische Konzern nutzt das System, um Kunden mit kostenlosen Demoversionen neuer Spiele und Nachrichten über neue Spiele und Aktionen zu versorgen.

Kunden, die ihr Sega-Passwort auch für andere Dienste und Online-Angebote nutzen, rät das Unternehmen, diese Passworte umgehend zu ändern. Dieser Rat sollte von allen Betroffenen sofort beherzigt werden. Ohnehin ist es ausgesprochen leichtsinnig, ein und dasselbe Passwort für verschiedene Angebote zu verwenden. Hinweise und Tipps zum sicheren Umgang mit Zugangsdaten finden Sie in diesem Artikel.

Hacker wollen helfen

Der Angriff auf Sega reiht sich nahtlos in eine Serie anderer Hacks ein, welche die Branche in den vergangenen Wochen verunsichert haben. Mitte April waren Unbekannte in die Sony-Netzwerke eingebrochen. Dabei wurden möglicherweise die Daten von mehr als 100 Millionen Kundenkonten gestohlen. Das Unternehmen schloss nicht aus, dass darunter auch Kreditkarten-Informationen waren. Anfang Juni folgte dann ein Angriff auf Server des Konsolenherstellers Nintendo. Jemand habe sich unrechtmäßigen Zugang zu dem Server verschafft, berichtete das Unternehmen. Einzelheiten wurden aber nicht genannt. Ein Schaden sei jedoch nicht entstanden. Weder persönliche Daten noch Firmendaten seien verlorengegangen. Wer hinter den Angriffen steckt, ist unbekannt.

Sicher ist allerdings, dass es nicht die unter dem Namen LulzSec (Lulz Security) agierende Hackergruppe ist. Zwar haben die Hacker in den letzten Tagen mit spektakulären Aktionen gegen das Spielestudio Bethesda, ein Porno-Website, die CIA und das Webforum 4chan von sich reden gemacht, mit der Attacke gegen Sega will man jedoch nichts zu tun haben.

Im Gegenteil bietet die Gruppe, die jüngst sogar eine Telefon-Hotline eingerichtet hat, über die man ihr neue Angriffsziele vorschlagen kann, Sega ihre Hilfe an. Über ihren Twitter-Account erklärten die Hacker: "Sega, kontaktiert uns. Wir wollen euch helfen, die Hacker zu zerstören, die euch angegriffen haben. Wir lieben die Dreamcast, diese Leute werden plattgemacht."

"Wir werden in Kürze wieder für Sie da sein"

Auf Segas Web-Seite werden die Störungen und die Abschaltung von Sega Pass nach dem Online-Angriff dagegen nicht erwähnt. Stattdessen erhält man bei dem Versuch, auf das System zuzugreifen, die lapidare Meldung, das System werde gerade um neue Funktionen erweitert. Deshalb sei es "zurzeit nicht möglich, neue Mitgliedskonten zu erstellen oder die persönlichen Daten bereits bestehender Mitgliedskonten zu verändern", heißt es weiter.

Aber schlechte Laune will Sega bei seinen Kunden deshalb nicht aufkommen lassen und schließt mit dem Hinweis: "Wir werden in Kürze wieder für Sie da sein. Vielen Dank für Ihre Geduld".



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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
mark anton, 18.06.2011
1. Schaut nach China, dort sitzen die Hacker
Zitat von sysopJetzt auch noch Sega: Kriminelle sind in die Server des Computerspiele-Herstellers eingedrungen und haben Kundendaten gestohlen. Wer die Täter sind, ist unbekannt. Hilfe wird dem Unternehmen jetzt von ungewohnter Seite angeboten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,769199,00.html
die auf Copieren der Computerspielgestaltung aus sind, um diese in ihren Land selbst, natuerlich zu unschlagbar guenstigen Preisen, auszufuehren. Die Volksrepublik laesst gruessen.
carranza 18.06.2011
2. Einfache Lösung
Zitat von sysopJetzt auch noch Sega: Kriminelle sind in die Server des Computerspiele-Herstellers eingedrungen und haben Kundendaten gestohlen. Wer die Täter sind, ist unbekannt. Hilfe wird dem Unternehmen jetzt von ungewohnter Seite angeboten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,769199,00.html
Nun, es ist doch eine Binsenweisheit, sich nach dem Kauf nicht noch auf den Webseiten der Abieter zu registrieren. Nach Möglichkeit im Laden kaufen und nicht auf den Herstellerwebseiten. Die bekommen das Geld und unsereins die Software, Spiele, Hardware, oder was auch immer und aus der Deal. Wer dann noch meinen Namen braucht, außer vielleicht im Garantiefall, galt mir immer schon ein bischen suspekt und datensammelwütig.
weltbetrachter 18.06.2011
3. Datendiebstahl
Wenn ich meine Daten nicht bekanntgebe, können die auch nicht entwendet werden. . Und wenn ich schon bei einem "Spielehersteller" etwas mitteilen muß, so halte ich "erfundene" Angaben für zulssig.
betaknight 18.06.2011
4. Wie gütig
So LulzSec will also plötzlich helfen. Oh die noblen Ritter der eignen Willkür. Klingt für mich eher so als ob sie so viele verärgert haben und jetzt einen auf lieb machen wollen oder dass diese eine merkwürdige Vorstellung von guten und schlechten Konzernen haben. Abgesehen davon bezweifel ich das eine Gruppe Hacker die allenfalls mit Injections und DoS attacken glänzt irgendwie hilfreich sein kann. Allenfalls ein plumper Versuch weiterhin beachtet zu werden. So in der Art 'Ah LulzSec hilft Sega die sind cool'. Deerzeit treibt sich wiklich einiges fragwürdiges im Internet herum und es wundert mich nicht wenn wir bald freiwillig für schärfere Internetgesetze sind.
arg0 18.06.2011
5. Videogames aus China?
China hat schon diverse Entwicklungsstudios die angesehen sind und auch sehr gute Spiele für den westlichen Markt produzieren. Alice Madness Returns ist da eines der aktuellsten Beispiele. Davon abgesehen kann man bei Videogames nicht viel stehlen. Die gehören genauso zur Kunst wie Filme, Bücher oder Bilder. Und bei Filmen kommt auch keiner in China auf die Idee den nächsten Fluch der Karibik selbst zu drehen. Das würde sich keiner anschauen. Man kann sich zwar ein paar technische Gerüste aneignen aber kein Spiel wird deswegen gekauft. Da kommt es auf Inszenierung, Story, Inovatives Gameplay oder ähnliches an. Die Meldung von LulzSec fand ich da fast wieder lustig. Da merkt man schon, dass da irgendwelche naiven Nerds dahinter stecken. Das macht sie schon ein bisschen sympatisch^^
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