Copyright-Prozess Viacom verklagt YouTube auf eine Milliarde Dollar

Der US-Mediengigant Viacom verklagt das Videoportal YouTube wegen Copyright-Verstößen. Der Konzern fordert eine Milliarde Dollar Schadenersatz für geklaute Filme - es dürfte ein Musterprozess zu Recht und Ordnung im Mitmach-Internet werden.


Mehr als 160.000 Videos aus dem Fundus von Viacom-Sendern wie Comedy Central, VH1 und MTV seien bei YouTube aufgetaucht, teilten die Anwälte von Viacom mit. Deshalb müsse YouTube nun zahlen. Mehr als eine Milliarde US-Dollar (760 Millionen Euro) will Viacom eigenen Angaben zufolge erstreiten.

YouTube, Google: Teurer Einkauf?
DPA

YouTube, Google: Teurer Einkauf?

Google hat mehr als 1,6 Milliarden Dollar für YouTube bezahlt – sollte die Viacom-Klage Erfolg haben, würde der Einkauf plötzlich deutlich teurer.

Zwischen Viacom und YouTube schwelt seit längerem ein Streit um geschützte Inhalte, die auf der Videoplattform von Nutzern eingestellt werden. Im vergangenen Monat hatte Viacom die Entfernung von 100.000 Clips von den YouTube-Seiten gefordert, nachdem die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen ergebnislos verlaufen waren.

In einer Presseerklärung wählten die Kläger nun deutliche Worte: YouTube habe "ein lukratives Geschäft darauf aufgebaut, die Hingabe von Fans an die kreativen Werke anderer auszubeuten, um sich selbst und das Mutterunternehmen Google zu bereichern." YouTubes Geschäftsmodell baue auf "das Generieren von Traffic und das Verkaufen von Werbung mit Hilfe unlizensierter Inhalte", und das sei "eindeutig illegal" und stehe "in offensichtlichem Widerspruch zu bestehenden Urheberrechts-Gesetzen".

Besonders im Fall von tagesaktuellen Sendungen wie der Polit-Satire "The Daily Show" koste die sofortige Platzierung im Internet Viacom Einnahmen aus der Zweitverwertung, argumentiert Viacom in der fast dreißigseitigen Klageschrift.

Ein YouTube-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, man habe die Klage noch nicht erhalten, gehe aber davon aus, dass die berichtete Größenordnung korrekt sei. Die Klage werde aber keinen Erfolg haben: "Wir sind überzeugt, die Rechte der Rechteinhaber gewahrt zu haben", so der Sprecher, und das gelte auch für Viacom. "Wir sind überzeugt, dass die Gerichte dieser Auffassung folgen werden." Die im Februar beanstandeten 100.000 Clips habe man umgehend entfernt. Youtube sei "eine fantastische Plattform für die Nutzer" und biete "ebenso großartige Möglichkeiten für Rechtehinhaber", etwa die, ein junges Publikum auf die eigenen Inhalte aufmerksam zu machen.

Andere Inhalte-Anbieter haben sich mit YouTube geeinigt, darunter CBS und NBC Universal. Diese Unternehmen haben Lizenzvereinbarungen mit der Videoplattform geschlossen. Viacom setzt dagegen auf Joost, ein Unternehmen, das Videos in höherer Qualität als bei YouTube üblich ins Netz bringen will. Die Universal Music Group hatte zunächst ebenfalls mit einer Klage gedroht, sich dann aber ebenfalls auf ein Lizensierungsmodell verständigt.

Beim deutschen YouTube-Konkurrenten Sevenload macht man sich trotz der Milliardenklage keine Sorgen, selbst zum Ziel solcher juristischen Attacken zu werden. "Wir suchen den Kontakt mit den Produzenten", sagte Geschäftsführer Ibrahim Evsan auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Ein neunköpfiges Support-Team stehe jederzeit zur Verfügung, um geschützte Inhalte zu identifizieren und zu löschen, außerdem baue man auf die Mitarbeit der Community: Per "melden"-Button können geschützte Inhalte von den Nutzern markiert werden und werden dann umgehend aus dem System entfernt.

Man arbeite außerdem an Filtersoftware, die entsprechende Inhalte automatisch erkennt und das Hochladen auf die Plattform verhindern könnte. Eine solche technische Lösung hatte auch YouTube schon vor vielen Monaten angekündigt - bis heute hat sie aber keine konkreten Formen angenommen. Viacom beklagt denn auch, man habe bei YouTube keine "proaktiven Maßnahmen" für den Urheberrechtsschutz ergriffen.

Auch bei Sevenload findet man Clips von MTV und aus anderen Quellen. Evsan setzt auf den Kontakt mit den Rechteinhabern und auf deren Wohlwollen: "Man muss sich mit den großen Unternehmen verständigen." Eben das hat YouTube eigentlich versucht - aber mit Viacom ist die Verständigung augenscheinlich gescheitert.

cis/rtr/dpa

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