Crash im Flash Die depperte Frau im BMW-Shop

Der Münchner Autobauer lässt eine junge Frau mit voller Wucht gegen eine Scheibe knallen, so dass sie sofort zu Boden geht. Der derbe Scherz auf der BMW-Homepage ist pure Absicht und ganz ohne Hintergedanken, versichert eine Firmensprecherin.

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BMW-Animation: "Keinerlei Hintergedanken"

BMW-Animation: "Keinerlei Hintergedanken"

"Easter Egg" - zu deutsch Osterei - nennt man in Computerspiele eingebaute Gags, die der normale Gamer übersieht. In den Spieleanfängen teilten sich nur wenige Eingeweihte das Wissen über versteckte Räume und geheime Funktionen. Inzwischen dienen "Easter Eggs" immer mehr als Marketinginstrument von Spieleherstellern und werden alle Nase lang in den einschlägigen Gamer-Gazetten beschrieben.

Scherze mit den geheimen Funktionen treibt man inzwischen auch in der Marketingabteilung von BMW. In einer Flash-Animation für das 3er-Modell - beliebt bei Männern mit eher kleinerem Geldbeutel und Hang zu Größerem - findet sich ebenfalls ein solches Osterei.

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Ostereier: Gegen die Wand

In einem virtuellen Showroom betrachtet eine Frau interessiert die 3er-Modelle - gemeinsam mit anderen Männern und Frauen. Wenn man ihr jedoch zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Maus auf den Fuß klickt, verschwindet ihr Interesse für die Autos plötzlich und sie schreitet zielstrebig auf den Betrachter zu.

Doch sie kommt nicht weit: Plötzlich weicht sie zurück, als wäre sie gegen eine Scheibe geknallt, wirft die Arme hoch und geht zu Boden. Das ist dann aber auch schon alles. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Ist das nur ein kleiner Scherz der Programmierer, von dem die BMW-Leute nichts wussten? Oder passen depperte Frauen gut zum Image der männlichen Zielgruppe? Braucht die Frau vielleicht ein Pflaster oder sogar einen Arzt?

"Das ist Absicht", sagt BMW-Sprecherin Martina Wimmer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir wollen die Seite durch virales Marketing ins Gespräch bringen." Auf deutsch: Die Leute sollen die Sache per Mundpropaganda weitertragen. Dass die Surfer ausgerechnet einer Frau übel mitspielen, sei "reiner Zufall". "Da gibt es keinerlei Hintergedanken", versichert Frau Wimmer.

Noch am heutigen Freitag soll auch bei einem der Männer, die in dem Showroom herumstehen, eine versteckte Animation eingebaut werden, verspricht sie. Das sei auch von Anfang an so vorgesehen gewesen. "Der Mann wird wahrscheinlich auf die Nase fallen", so Wimmer. Da ist sie wohl gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen.

Die härtere Gangart im Marketing scheint Methode zu haben. Der schwächelnde Absatz lässt die Hersteller zu immer derberen Scherzen greifen. Zuletzt sorgte ein Werbespot für den Ford Ka für heftige Proteste von Taubenzüchtern. Unter dem Motto "Der will nur spielen" hatte ein Ka mit seiner Motorhaube eine Taube erschlagen, die auf dem Auto Platz nehmen wollte. Ford versicherte, dass im Film keinem Tier Schaden zugefügt wurde. Beim Dreh sei ein mechanisches Modell einer Taube eingesetzt worden.



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