Crowdfunding Joe Biden soll ein Auto waschen - oben ohne

Eine satirische Geschichte über US-Vizepräsident Joe Biden soll mit Hilfe von Crowdfunding Wirklichkeit werden. Wofür der Schwarm sonst noch sammelt: Das iPhone bekommt einen Kran, Nikola Tesla ein eigenes Museum und die Yes-Men ihren dritten Film.

Von Hakan Tanriverdi


Paid Content: Der neue Film der Yes-Men

Eine Barbie-Puppe, die sagt: "Kein Entkommen für Schuldige! Die Rache ist mein!", und Soldaten-Actionfiguren, die gerne shoppen gehen: Das ist eine der Guerilla-Aktionen der Yes-Men, die seit 1993 die Öffentlichkeit mit ihren Aktionen durcheinanderwirbeln. Mal fälschen die Aktionskünstler eine Ausgabe der "New York Times", in der Ex-Präsident George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt und das Ende des Irak-Kriegs ausgerufen wird (hier das PDF der Ausgabe), mal die Website der Welthandelsorganisation WTO (und zwar so gut, dass selbst große Medienhäuser auf sie hereinfallen).

Für ihren mittlerweile dritten Film sammeln Mike Bonanno und Andy Bichlbaum (beides Künstlernamen) nun Geld auf Kickstarter. "Wir haben den Klimawandel, eine sich verschärfende Ungleichheit und eine Regierung, die nichts dagegen tut", sagt Bonanno in dem Video, in dem sie ihr Projekt vorstellen. Die Proteste, egal ob in Kairo auf dem Tahrir-Platz oder im New Yorker Zuccotti-Park, haben die Krawallmacher inspiriert. Sie glauben an eine weltweite Revolutionsbewegung. Die Dokumentation sei größtenteils fertig, ein paar Szenen müssen aber noch gedreht werden, heißt es.

Ziel: 100.000 Dollar
Aktuell: 40.000 Dollar
Läuft? Läuft.

Gadget: Ein Filmkran für Semi-Profis

Draufsichten aus der Vogelperspektive und rasante Schwenks: Wenn Regisseure für eine Filmszene eine besonderes Einstellung wollen, kann dafür einiges an Equipment nötig werden. Ohne die Hilfe eines Kamerawagens oder Kamerakrans verwackeln sonst die Aufnahmen - wenn man sie überhaupt hinbekommt. Da solche Kräne aber richtig teuer sind, finden sich auf YouTube Dutzende Anleitungsvideos, wie man sich diese Kräne selbst zusammenbauen kann.

Carsten Waldeck hat jetzt auch ein Video hochgeladen. Dazu gibt es eine Seite bei der Crowdfunding-Plattform Startnext. Zu sehen ist aber keine Anleitung für den Kranbau, sondern ein Projekt namens "iCrane". Ein professioneller Kran, der weniger als zwei Kilo wiegen, in zehn Sekunden einsatzbereit und bezahlbar für Hobbyfilmer mit iPhone, einer Spiegelreflex oder kleiner Kamera sein soll.

Das Projekt ist bereits fertig finanziert, läuft aber noch mehr als einen Monat weiter.

Ziel: 20.000 Euro
Aktuell: 54.000 Euro
Läuft? Längst geschafft.

Wette: Joe Biden soll sich ausziehen

Schlagzeilen, die so absurd sind, dass man eigentlich nicht auf sie hereinfallen kann: Das ist der Grundtenor der amerikanischen Satire-Seite "The Onion". Sie ist vergleichbar mit dem deutschen Pendant "Der Postillon" - und wird in aller Regelmäßigkeit ernst genommen (hier dokumentiert).

Zwischen all den absurden Schlagzeilen auf "The Onion" gibt es nun eine, die im Nachhinein wahr werden könnte: "Vizepräsident Joe Biden wäscht seinen TransAm - oben ohne." Ein TransAm, das ist ein Sportwagen, die Story wurde 2009 aufgeschrieben und jetzt, im Wahlkampf 2012, findet sich auf Indiegogo ein Projekt, dessen Initiatoren genau das in die Tat umsetzen wollen: Joe Biden einen TransAm kaufen. Die Unterstützer schreiben, dass Joe Biden ein ganz famoser Vizepräsident und der TransAm als Anerkennung zu verstehen sei.

Um Joe Biden nicht in Gewissenskonflikte zu bringen, wird der Wagen aber Biden nicht geschenkt, sondern gekauft und öffentlich versteigert. Der Gewinn soll gespendet werden. Aber die Projektgründer hoffen, dass Biden den TransAm schon waschen wird, wenn sie ganz nett fragen. Auf die Frage, ob Biden tatsächlich einen TransAm gewaschen hat, antwortete Biden übrigens, dass er eine Corvette fährt.

Ziel: 25.000 Dollar
Aktuell: 14.731 Dollar
Läuft? Sieht gut aus.

Geschafft: Nikola Tesla bekommt ein Museum

Web-Comiczeichner Matthew ist erklärter Fan des Erfinders Nikola Tesla. Den weitaus bekannteren Thomas Edison hält er für einen ruchlosen Nutznießer, der aus Profitgier nicht einmal davor zurückgeschreckt sei, Katzen zu Demonstrationszwecken per Stromschlag umzubringen. Tesla hingegen sei ein nobler Wohltäter gewesen, der unzählige Innovationen wie Wechselstrom und Röntgenstrahlen erdacht habe. Nicht immer korrekt, was die Fakten betrifft, aber enthusiastisch wohl unerreicht in seinem Tesla-Fantum, hat Inman vor zwei Monaten eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Damals wurde bekannt, dass das Gelände, auf dem einst ein Funkturm von Tesla stand, verkauft wurde. Und da es in den Vereinigten Staaten kein Tesla-Museum gibt, rief Inman kurzerhand dazu auf, das zu ändern. Die Kampagne lief über Indiegogo und war angelegt auf üppige 850.000 Dollar. Sie wurde innerhalb von neuen Tagen finanziert und endete bei knapp 1,4 Millionen Dollar. Dazu erhielt Inman noch eine Zusage des Bundesstaats New York über 850.000 Dollar. Insgesamt sind also über zwei Millionen Dollar zusammengekommen.

Das Gelände wurde mittlerweile gekauft, am Bau des Museums wird gearbeitet. Was noch nicht so ganz rund läuft, ist das Versenden der Dankeschön-T-Shirts. Aber laut einer Studie zu Kickstarter passiert das bei drei Viertel aller Projekte, die erfolgreich sind.

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herrrossi 28.10.2012
1. Innovativ! Gibt es in Deutschland schon für Immobilien
In Deutschland kann man mit Crowdfunding jetzt sogar interessante Immobilienprojekte realisieren - kapitalfreunde.de. Weiß aber nicht, ob die auch T-Shirts verschicken....
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