Rasanter Kursanstieg Erpresser senken Bitcoin-Lösegeldforderung

Auch Verbrecher beachten die Regeln der Marktwirtschaft. Online-Kriminelle, die mit einer Schadsoftware Lösegeld erpressen, indem sie die Computer der Opfer sperren, geben sich jetzt mit weniger Geld zufrieden - weil die Hackerwährung Bitcoin derzeit so enorm viel wert ist.

Cryptolocker (Screenshot): Preisanpassung wegen der Bitcoin-Kursrallye
F-Secure

Cryptolocker (Screenshot): Preisanpassung wegen der Bitcoin-Kursrallye


Der aktuelle Höhenflug der virtuellen Währung Bitcoin treibt seltsame Blüten. Weil der Bitcoin-Wechselkurs seit September dramatisch gestiegen ist, haben Online-Kriminelle jetzt ihre in Bitcoin formulierten Lösegeldforderungen reduziert, meldet der Antivirensoftware-Hersteller F-Secure. Demnach fordern die Unbekannten, die das Schadprogramm Cryptolocker betreiben, von ihren Opfern jetzt nicht mehr zwei, sondern nur noch eine halbe Bitcoin für die Freilassung ihrer Daten. Sogar Polizisten sind schon in diese Falle getappt.

Cryptolocker ist eine ebenso perfide wie erfolgreiche Schadsoftware. Das Programm schleust sich als E-Mail-Anhang scheinbar unverfänglicher Nachrichten oder über manipulierte Webseiten auf die Rechner der Opfer ein. Hat sich die Software dort im Hintergrund installiert, verschlüsselt sie die Festplatte. Besonders hartnäckige Varianten gehen sogar so weit, dass sie auch die mit dem Computer verbundenen Netzwerklaufwerke verschlüsseln.

Den betroffenen Anwendern wird daraufhin eine Lösegeldforderung auf dem Bildschirm angezeigt. In der Regel geben ihnen die Kriminellen 72 Stunden Zeit, um die geforderte Summe in Bitcoin zu bezahlen. Nach dem Ablauf dieser Frist, so die Drohung, werde der Schlüssel-Code der Festplatten zerstört und die gekaperten Daten seien unrettbar verloren. Tatsächlich, so F-Secure, sei das aber nicht der Fall. Auch nach dem Verstreichen dieser Frist könne man noch an seine Daten kommen, nur würde die geforderte Summe dann erhöht.

Genau umgekehrt scheint es nun bei der Standardforderung der Kriminellen zu sein. Doch der Schein trügt. Die Unbekannten haben sich nur den Veränderungen des Marktes angepasst, wie "Ars Technica" erklärt. Der Grund sind schlicht die extremen Kurschwankungen, denen die Bitcoin-Währung derzeit ausgesetzt ist.

Zwischen September und November stieg der Wechselkurs langsam von etwa 200 Dollar bis auf 300 Dollar, um in der Monatsmitte plötzlich dramatisch nach oben zu schießen. Mittlerweile melden Bitcoin-Börsen Preise von teilweise mehr als 700 Dollar pro Bitcoin. Die Opfer des Erpresservirus hätten somit bis zu 1400 Dollar Lösegeld zahlen müssen.

Dieser Entwicklung tragen die Cryptolocker-Erpresser nun Rechnung - aus wirtschaftlichen Gründen. Offenbar fürchten die Erpresser, dass ihre Opfer nicht mehr zur Zahlung bereit wären, wenn die geforderte Summe zu hoch angesetzt wird. "Ars Technica" findet dafür eine feine Erklärung: "Die Cryptolocker-Leute mögen keine Skrupel haben, aber sie haben ein feines Gespür fürs Geschäft".

mak

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insgesamt 17 Beiträge
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bastosboi 22.11.2013
1. Legitime Währung
Eine Währung, in der nicht betrogen wird, ist keine legitime Währung. Bitcoins scheinen wirklich legitim zu sein... wie die Polizei nun hautnah erleben durfte.
David K. 22.11.2013
2. Für 5 Dollar eingestiegen mit 1000 Euro
Das wollte mein Bekannter tun. Zeitlicher Arbeitsstress hat ihn daran gehindert. Er hätte nach eigener Berechnung über EUR 100.000 verdient. Nun darf ich mir jeden Tag das Wehklagen anhören. Fazit: Nichts trifft den aktiven Anleger so hart, wie gute Geschäfte, die er nicht getätigt hat.
sudiso 22.11.2013
3. optional
die sollten lieber mal die regierungscomputer hacken, anstatt sich bei dem Mittelstand zu bedienen. oder die Banken hacken und deren Rücklagen oder gewinne manipulieren. wäre viel interessanter...
geishapunk 22.11.2013
4.
Zitat von sudisodie sollten lieber mal die regierungscomputer hacken, anstatt sich bei dem Mittelstand zu bedienen. oder die Banken hacken und deren Rücklagen oder gewinne manipulieren. wäre viel interessanter...
Die sind Skrupellos und noch ein paar Sachen die ich hier aufgrund der Forumsregeln besser nicht poste, aber die sind nicht dumm! Und genau deswegen attackieren die lieber die kleinen Leute statt sich mit den Großkupferten anzulegen. Weniger Risiko, mehr Ertrag. :-(
Flusher 22.11.2013
5. Hackerwährung
Muss diese reisserische Bezeichnung genutzt werden? Bitcoins sind keine "Hackerwährung" sondern ein legitimies Zahlungsmittel auch für Normalbürger.
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