Cyber-Angriff Hacker attackieren amerikanische und südkoreanische Web-Seiten

Das Weiße Haus, das Pentagon, die Heimatschutzbehörde: Seit Tagen versuchen Hacker, die Internet-Seiten von US-Behörden durch einen Dauerbeschuss mit Anfragen zu überlasten und lahmzulegen. Auch Server in Südkorea ächzen. Geheimdienste vermuten, dass Nordkorea hinter den Angriffen steckt.


Seoul, Washington - Mehrere Web-Seiten der US-Regierung werden seit mehreren Tagen von Hackern angegriffen, darunter die Seite des Weißen Hauses. Die Angriffe richten sich auch gegen südkoreanische Internet-Seiten. Teilweise gelingt es den Hackern, die Seiten vorübergehend lahmzulegen.

Auch das südkoreanische Fernsehen spekuliert: Steckt Nordkorea hinter den Attacken?
REUTERS

Auch das südkoreanische Fernsehen spekuliert: Steckt Nordkorea hinter den Attacken?

Einem Bericht des US-Senders Fox News zufolge steckt hinter den massiven Attacken Nordkorea. Der Sender beruft sich auf einen Beamten des US-Verteidigungsministeriums.

In den USA seien unter anderem das Weiße Haus, das Pentagon, das Außenministerium und die New Yorker Börse betroffen gewesen. Jedoch seien die Attacken weitgehend wirkungslos geblieben, hieß es. Den Hackern sei es nicht gelungen, die Sicherheitsvorkehrungen der Seiten zu überwinden. Die Angriffe hätten bereits vor einer Woche begonnen.

Ziel der Attacken war es dem Sender zufolge, die Web-Seiten durch eine riesige Zahl von Besuchen durch "Zombie-Computer" exakt zur selben Zeit zu überlasten. Dabei gehe es nicht um den Diebstahl von Informationen oder darum, Daten zu beschädigen. In den USA seien auch die Web-Auftritte des Geheimdienstes National Security Agency, das Ministerium für Heimatschutz, aber auch die Zeitung "Washington Post" von den Attacken betroffen gewesen, hieß es.

Südkoreanische Geheimdienst: Der Norden steckt dahinter

In Südkorea wurden Abgeordnete in Seoul am Mittwoch vom Geheimdienst darüber informiert, dass das kommunistische Nachbarland hinter den Angriffen stecken könnte, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die südkoreanische Kommunikationskommission teilte mit, dass seit Dienstag unter anderem die Internet-Angebote des Präsidialamts, des Verteidigungsministeriums und des Parlaments Ziel der Angriffe gewesen seien. Immer wieder sei der Zugang zu den Seiten verweigert worden.

"Die Angriffe scheinen auf der Ebene einer Gruppe oder eines Staates sorgfältig geplant und ausgeführt worden zu sein", hieß es in einer Erklärung des staatlichen Geheimdienstes (NIS). Der Name eines Staates oder einer Gruppe wurde dabei zunächst nicht genannt.

Angeblich beschäftigt Nordkorea 100 Hacker

Rund 12.000 Computer in Südkorea und 8000 Computer im Ausland seien als Vehikel genutzt worden, um die Angriffe zu starten. Dabei sollen sie mit einem Virusprogramm infiziert worden seien, das sie zum Aufruf bestimmter Web-Auftritte in Südkorea und den USA auffordert. Während der Attacken gelangten jedoch den Angaben des NIS zufolge keine geheimen Informationen der Regierung nach draußen.

Im Mai hatten südkoreanische Medien unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtet, das Militär in Nordkorea beschäftige etwa hundert Hacker, die es besonders auf die Computernetze der Streitkräfte Südkoreas und der USA abgesehen hätten.

In den Vereinigten Staaten sind Computer und Web-Auftritte von Regierungsstellen immer wieder das Ziel von Hackern. Im vergangenen Jahr zählten Bundesbehörden mehr als 16.000 Vorfälle oder bedrohliche Situationen, ungefähr dreimal mehr als noch 2007. Nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums drangen Hacker im vergangenen Jahr rund 5500-mal in Regierungscomputer ein, im Jahr davor wurden nur knapp 4000 solcher Zwischenfälle gezählt.

Ungewöhnlich raffinierte Attacken

Aus Ermittlerkreisen verlautete jetzt, die Tatsache, dass die Internet-Seiten nach dem aktuellen Angriff noch nach drei Tagen betroffen seien, deute auf eine ungewöhnlich raffinierte Attacke. Sogenannte Denial-of-Service-Attacken sind bei Hackern beliebt. Bei einem derartigen Angriff wird ein Server mit Anfragen überflutet, so dass die Website nicht mehr erreichbar ist. Das passierte etwa im vergangenen Jahr während des Krieges zwischen Russland und Georgien mit Regierungs- und Firmenseiten des kleinen Landes.

otr/dpa/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.