Cyber-Angriff Hacker brüsten sich mit Attacke auf CIA-Website

Für mehrere Stunden ließ sich die Internetseite der CIA nicht richtig aufrufen - der US-Auslandsgeheimdienst war offenbar Ziel einer Website-Blockade der inzwischen berühmt-berüchtigten Hackergruppe LulzSec. Geheime Daten sollen aber nicht betroffen sein.

Screenshot der CIA-Website: Wunschhotline für mögliche Angriffsziele
Reuters

Screenshot der CIA-Website: Wunschhotline für mögliche Angriffsziele


Washington - Hat die Hackergruppe Lulz Security wieder zugeschlagen? In einer Twitter-Botschaft rühmt sich die kurz LulzSec genannte Gruppe, die Website des US-Geheimdienstes CIA zum Absturz gebracht zu haben - offenbar mit massenhaften Abfragen. Den Mittwochnachmittag über bis hinein in den Abend (Ortszeit) war www.cia.gov nur sporadisch zu erreichen. Die CIA äußerte sich zunächst nicht zu den Gründen für den Aussetzer.

"Tango down - CIA.gov" twitterte die Gruppe, die erst kürzlich in das Computersystem des US-Senats eingedrungen war. Der Angriff schien auf die öffentliche Website des Geheimdienstes abzuzielen. Dort befinden sich keine geheimen Daten, und sie hat keinen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit der CIA. Ob eine Website gehackt wurde, lässt sich manchmal schwer feststellen: Zuweilen führt allein eine entsprechende Behauptung zu einem solchen Ansturm auf eine Seite, dass sie zusammenbricht.

Massenabfragen und klassische Hacks

Die Hackergruppe ist erst seit kurzem öffentlich hervorgetreten. Bisherige Aktionen waren ein Angriff auf die Website des konservativen Fernsehsenders Fox, eine Attacke auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunksender PBS aus Protest gegen eine Dokumentation über den mutmaßlichen Informanten der Enthüllungsplattform WikiLeaks, der Diebstahl von Nutzerdaten von Sony Pictures Entertainment und ein Vorstoß auf Computer des US-Senats.

Am Mittwoch machte die Gruppe mit neuen Dateneinbrüchen von sich reden, als sie die Account-Daten von 26.000 Kunden einer Porno-Website ins Netz stellte und dazu aufrief, die Familien der betroffenen via Facebook zu informieren. Ebenso meldete LulzSec, man sei in Server des US-Senats eingedrungen und habe auch von dort Daten mitgehen lassen, allerdings nur einen kleinen Teil dessen, was man vorgefunden habe.

Außerdem waren die Hacker in Server der Spielefirma Bethesda vorgestoßen und haben dort nach eigenen Angaben de Zugangsdaten von gut 200.000 Nutzern des Shooters "Brink" erbeutet. Das Unternehmen dementiert und sprach davon, es seien wohl nur einige Datensätze mit E-Mail-Adresse, Nutzerkennungen und Passwörtern entwendet worden. Trotzdem sollen alle Kunden ihre Zugangsdaten ändern.

LulzSec schaltet Hack-Hotline

Die Hacker verfügen vermutlich über ein sogenanntes Botnet mit vielen infizierten Computern, die ferngesteuert werden und ihre Angriffsziele mit einer Flut von Datenanfragen lahmlegen. Bei einem Angriff auf das Spieleportal "The Escapist" seien nur 0,4 Prozent der für solche DDoS-Attacken verfügbaren Kapazität eingesetzt worden, erklärte die Gruppe.

Reichlich selbstbewusst rief LulzSec seine Unterstützer schließlich per Twitter dazu auf, telefonisch Vorschläge für weitere Angriffsziele zu nennen - und richtete dafür eigens eine Telefonhotline ein. Dort gingen "pro Sekunde zwischen fünf und 20 Anrufen" ein, hieß es. Die US-Vorwahl der Hotline deutet auf einen Standort im US-Bundesstaat Ohio hin, Anrufe werden aber vermutlich zu einem anderen Ort umgeleitet.

Laut BBC begrüßt die Anrufer unter der Nummer eine englisch sprechende Person mit einem starken französischen Akzent, die sich selbst Pierre Dubois nennt. Allerdings muss auch das bezweifelt werden. Möglich, dass dem Mann hinter der Stimme bloß die Person hinter dem Namen gefiel: Pierre Dubois galt als "erster Verfechter der Europa-Idee" und träumte von einem dauerhaften Frieden in Europa.

Er starb ungefähr 1321.

amz/mak/ore/dapd/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
taggert 16.06.2011
1.
Meine Meinung: Was für Idioten! Diese "grundlosen" und teilweise sinnfreien Angriffe auf zum Beispiel Spielehersteller, "legale" Pornoseiten (also keine Kinderpornoseiten) und oder "unbedeutende" Regierungswebseiten werden genau der Grund dafür sein, warum das Internet einestages eben doch gefiltert und reguliert wird...
Riemen 16.06.2011
2. Dumme Kiddies
Wenn sie die CIA wenigstens wirklich hacken würden... Und alle gefundenen Daten dann zu Wikileaks. Die haben bekanntermaßen soviel Dreck am stecken, das würd für Jahre reichen. So wie das im Moment läuft, machen sie sich durch diese sinnlosen Angriffe nur unnötig Feinde und sind damit Wasser auf den Mühlen all derer, die eine stärkere Reglementierung des Internets fordern.
Almoehi 16.06.2011
3. .
Zitat von taggertMeine Meinung: Was für Idioten! Diese "grundlosen" und teilweise sinnfreien Angriffe auf zum Beispiel Spielehersteller, "legale" Pornoseiten (also keine Kinderpornoseiten) und oder "unbedeutende" Regierungswebseiten werden genau der Grund dafür sein, warum das Internet einestages eben doch gefiltert und reguliert wird...
Vielleicht steckt ja die Regierung (EUSA) dahinter, mit genau diesem Zweck, also eine Filterung/Regulierung schmackhaft zu machen? Wer weiss das schon so genau?
anon11 16.06.2011
4. .
Zitat von AlmoehiVielleicht steckt ja die Regierung (EUSA) dahinter, mit genau diesem Zweck, also eine Filterung/Regulierung schmackhaft zu machen? Wer weiss das schon so genau?
Nach den erfundenen Chemiewaffen im Irak ist das sogar gut denkbar. Gründe werden einfach erfunden um die Interessen durchzusetzen.
mistertengu 16.06.2011
5. Bitte?
"Laut BBC werden begrüßt unter der Nummer eine englisch sprechende Person mit einem starken französischen Akzent, die sich selbst Pierre Dubois nennt, die Anrufer. "
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