Anklage gegen New Yorker Zelle: Cyber-Bankräuber erbeuten weltweit 45 Millionen Dollar

Cyber-Bankraub: Der Riesen-Coup Fotos
DPA

Eine international operierende Bande von Cyber-Kriminellen hat binnen Stunden 45 Millionen Dollar geklaut. Allein in Manhattan zogen die Diebe 2,8 Millionen Dollar aus Geldautomaten - nachdem sie Bankdaten manipuliert hatten. Jetzt stehen sieben Verdächtige vor Gericht. Die Fahndung geht weiter.

New York - Statt Pistolen und Masken nutzten sie Laptops und das Internet. Sie manipulierten Kreditkarten und Konten. Blitzschnell wurden die Daten aus internationalen Banken übertragen. Mit einfachen Plastikkarten, etwa mit Hotelkarten, mussten die Räuber das Geld dann nur noch an Geldautomaten abheben. In New York. Und weltweit. So beschrieb die New Yorker Staatsanwältin Loretta Lynch am Donnerstag einen der größten Bankraube der US-Geschichte. Die Polizei und der Secret Service fasste sieben Männer, die sich jetzt vor Gericht verantworten müssen.

Die Männer sollen binnen weniger Stunden widerrechtlich 2,8 Millionen Dollar in Manhattan abgehoben haben. Laut Anklage handle es sich um die New Yorker Zelle einer international agierenden Organisation. Insgesamt soll die Bande in zwei Aktionen im Dezember 2012 und Februar 2013 Kreditkarten und Konten manipuliert und so weltweit 45 Millionen Dollar (34 Millionen Euro) erbeutet haben.

"Virtueller krimineller Flashmob" in 26 Ländern

Dafür hackten die Cyber-Kriminellen die Daten von Prepaid-Kreditkarten, wie sie etwa von Hilfsorganisationen eingesetzt werden. Dann hoben sie die Grenze für Barabhebungen auf. Schließlich wurden die gestohlenen Daten auf beliebige Magnetkarten geladen, mit denen dann innerhalb kurzer Zeit Millionen von Dollar in insgesamt 26 Ländern abgehoben wurden. Lynch nannte es einen "virtuellen kriminellen Flashmob".

Einer der Verdächtigen ist auf zahlreichen Überwachungskameras in Manhattan zu sehen - mit einem Rucksack, der vor Bargeld überquillt. Andere Beschuldigte haben sich selbst mit Packen von Dollar fotografiert, als sie auf ihrem Diebeszug in Downtown unterwegs waren.

Nach ihrem Beutezug machte sich die New Yorker Zelle schnell ans Geldwaschen: Laut Anklageschrift eröffneten die Verdächtigen ein Konto bei einer Bank in Miami und kauften sich Luxuslimousinen sowie Rolex-Uhren.

Zweitgrößter Diebstahl in der Geschichte New Yorks

Ein achter Verdächtiger, der mutmaßliche Kopf der New Yorker Zelle, sei vor seiner Festnahme in der Dominikanischen Republik ermordet worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die sieben Verdächtigen seien US-Bürger, die ursprünglich aus der Dominikanischen Republik kämen, so die Anklage weiter.

Die Verhaftungen begannen bereits im März. Ermittlungsbehörden von 16 weiteren Ländern seien an den Untersuchungen zu dem Cyber-Diebstahl beteiligt gewesen, darunter auch deutsche Behörden. Die Kreditkartendaten sollen von der National Bank of Ras Al-Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Bank of Muscat im Oman stammen. Zu dem Fall werde weiter international ermittelt, es soll bereits weitere Festnahmen gegeben haben, zu denen die New Yorker Staatsanwaltschaft jedoch keine Angaben machte.

Anklägerin Lynch sprachen von einem "massiven Raubzug im Stile des 21. Jahrhunderts" und verglich ihn mit dem Diebstahl von rund sechs Millionen US-Dollar aus dem Frachtraum einer Lufthansa-Maschine am JFK-Airport in den siebziger Jahren. Der Coup wurde von US-Regisseur Martin Scorsese in dem Mafiaepos "Good Fellas" verfilmt. Laut Lynch ist der Cyber-Diebstahl der zweitgrößte in der Geschichte der Stadt.

sun/AP/Reuters/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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1. was is das für deutsch
paulpeterp 09.05.2013
Blitzschnell wurden die Daten aus internationalen Banken übertragen werden..... ohne weitere Beispiele zu nennen...
2. Die Tore wagenweit offen
george2013 10.05.2013
Und wann werden die wichtigsten - und derzeit noch verlaesslichsten - Antiviren-Systeme geknackt? Zunaechst auf ganz subtile Weise, schoen unauffaellig? Die Tore stehen wagenweit offen, und es ist wie bei den meisten Straftaten: Die Kriminellen haben stets einen Vorsprung - melden ihr Tun nicht vorher an. Das macht Angst, irgendwie...
3.
vaiiu 10.05.2013
Zitat von sysopEine international operierende Bande von Cyberkriminellen hat binnen Stunden 45 Millionen Dollar geklaut. Allein in Manhattan zogen die Diebe 2,8 Millionen Dollar aus Geldautomaten - nachdem sie Bankdaten manipuliert hatten. Jetzt stehen sieben Verdächtige vor Gericht. Die Fahndung geht weiter. Cyber-Bankräuber stehlen weltweit 45 Millionen Dollar - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/cyber-bankraeuber-stehlen-weltweit-45-millionen-dollar-a-899000.html)
Dieser Artikel strotzt ja nur so von Fehlern....
4. Ackermann und Co sagten: Peanuts
Veterano48 10.05.2013
und haben recht. Was soll die künstliche Aufregung. 50 Millionen Dollar. Das sind doch Trinkgelder. Die wirklichen Betrüger sitzen in den Aufsichtsräten von Banken und Hedgefondsfirmen. Die lächeln auf ihren Yachten über diese lächerlichen Summen.
5. Kriminelle schrecken vor nichts zurück
Pat-Riot 10.05.2013
Zitat von sysopBlitzschnell wurden die Daten aus internationalen Banken übertragen werden. Cyber-Bankräuber erbeuten weltweit 45 Millionen Dolla - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/cyber-bankraeuber-stehlen-weltweit-45-millionen-dollar-a-899000.html)
Hier haben Cyber-Kriminelle sogar den Text manipuliert. Ist keine 45 Cent wert. Wird immer dolla.
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