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04. Mai 2012, 12:12 Uhr

Netz-Kriminalität

Lockheed soll Cyber Crime Center des Pentagon betreiben

Vor gut einem Jahr wurde Lockheed-Martin selbst zum Ziel von Cyber-Attacken. Nun erhält der Konzern einen Auftrag über Hunderte Millionen Dollar, um das US-Verteidigungsministerium in Fragen der Online-Sicherheit umfassend zu unterstützen.

Washington - Der Kontrakt ist 454 Millionen Dollar wert und sieht vor, dass der Rüstungskonzern die amerikanische Militäreinrichtung zur Erforschung und Bekämpfung von Online-Gefahren unterstützt. Auch das Verteidigungsministerium sei zunehmend von Angriffen aus dem Netz betroffen, das Cyber Crime Center hat unter anderem die Aufgabe, solche Gefahren abzuwehren. "Wegen seiner Größe und Bedeutung ist es das Ziel von Cyber-Kriminellen, von Terroristen über Geheimdienste bis zu Identitätsdieben", erklärte Lockheed gegen über Reuters.

Eigentlich hatte Lockheed den Zuschlag für den Regierungsauftrag bereits im Januar erhalten und den bisherigen Auftragnehmer, den Rüstungskonzern General Dynamics, aus dem Rennen geworfen. General Dynamics zeigte sich dann aber als schlechter Verlierer und legte zunächst beim amerikanischen Rechnungshof Protest gegen die Entscheidung ein. Allerdings sei die Beschwerde wieder zurückgezogen worden, nachdem der Konzern von Lockheed einen Vertrag als Subunternehmer erhalten hatte. Lockheed habe dies nicht näher kommentieren wollen, so Reuters.

Während das Unternehmen in Pentagon-Diensten auf seine Expertise in Sachen IT-Sicherheit und Cyber-Analyse verweist, erinnern manche daran, dass diese Referenzen bei genauerem Hinsehen nicht mehr ganz so überzeugend wirken. So war Lockheed vor Jahresfrist selbst das Ziel einer Attacke von Cyber-Kriminellen geworden. Die Online-Gauner hatten es bei einem vorangegangenen Angriff im März 2011 auf das weit verbreitete Authentifizierungssystem "SecurID" der US-Sicherheitsfirma RSA abgesehen. Als Folge des RSA-Hacks gab es auch einen Cyber-Einbruch bei Lockheed-Martin.

Angreifer waren ins Unternehmensnetzwerk eingedrungen, ob sie dabei sensible Daten mitnehmen konnten, blieb jedoch unklar. Zuvor, im Jahr 2009, konnten sich unbekannte Datendiebe in die Pentagon-Rechner hacken und Terabyte-weise Daten entwenden. Darunter hatten sich auch Detailpläne für das neue Kampfflugzeug F-35 befunden. Ganz grundsätzlich ist also klar, dass Großunternehmen gleich welcher Branche heute begehrte Ziele für Online-Attacken darstellen. Dabei haben sich die Übeltäter längst massiv professionalisiert - nicht nur Regierungsbehörden müssen in Sachen IT-Sicherheit nachrüsten.

meu

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