Cyber-Spionage: Forscher entdecken chinesisches Schattennetzwerk

Zu den Zielen gehörten die indische Regierung und der Dalai Lama: Chinesische Hacker sollen systematisch fremde Netze ausgekundschaftet und geheime Dokumente gestohlen haben, berichten amerikanische Wissenschaftler. Auch die Uno soll ein Ziel der Angriffe gewesen sein.

Taiwanesischer Nutzer zeigt ein Webseiten-Defacement chinesischer Hacker (Archivbild von 1999): Dass sich Hacker verschiedener Nationen gegenseitig angreifen, hat eine lange Tradition Zur Großansicht
AP

Taiwanesischer Nutzer zeigt ein Webseiten-Defacement chinesischer Hacker (Archivbild von 1999): Dass sich Hacker verschiedener Nationen gegenseitig angreifen, hat eine lange Tradition

Toronto/Peking - Die Cyber-Attacken sollen ihren Ursprung in Chengdu in Südwestchina haben. Das schreiben amerikanische und kanadische Mitglieder der Forschungsgruppe Information Warfare Monitor an der Universität von Toronto und internationale Sicherheitsexperten der Stiftung Shadowserver in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht " Shadows in the Cloud" (Schatten in der Wolke).

Über ein großangelegtes Spionagenetz sollen demnach vor allem Indiens Regierung und Sicherheitsorgane sowie das Büro des Dalai Lama ausspioniert worden sein. Betroffen seien aber auch andere Länder und die Vereinten Nationen, berichten die Forscher.

In ihrer achtmonatigen Untersuchung seien die Fachleute auf ein "komplexes System von Cyber-Spionage" gestoßen, das als "Schattennetzwerk" bezeichnet wurde. Aus dem Büro des Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, seien 1500 E-Mails aus der Zeit zwischen Januar und November 2009 ausgekundschaftet worden.

Die chinesische Regierung wies den Vorwurf einer möglichen Verwicklung umgehend zurück. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, sagte vor der Presse in Peking, China lehne Cyber- Verbrechen entschieden ab und gehe gegen Hacker vor. Solche Attacken seien ein internationales Problem.

Indische Geheimdokumente ausgespäht

Außerdem entdeckten die Forscher bei ihrer Suche nach den Spionen Dokumente der indischen Regierung, die als "geheim" oder "vertraulich" eingestuft waren. Darin sei es um geheime Einschätzungen der Sicherheitslage in indischen Bundesstaaten und die Beziehungen Indiens zu anderen Ländern gegangen. Zudem seien auch Visaanträge gefunden worden, die von Ausländern an die indische diplomatische Vertretung in Afghanistan gerichtet waren.

Als Ausgangspunkt der Spionageaktionen sehen die Forscher chinesische Hacker. Zwei solcher Hacker, die in einer Hacker-Community im chinesischen Chengdu aktiv sind, will man eindeutig identifiziert haben.

Die Forscher bauten auf ihren Untersuchungen auf, die im März 2009 zur Enthüllung eines "Ghostnet" (Geisternetz) genannten Spionagerings geführt hatten. Von den damaligen Angriffen, die vor allem auf die exiltibetische Gemeinde abzielten, waren Computer von Behörden und Organisationen in 103 Ländern betroffen.

mak/dpa

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insgesamt 47 Beiträge
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1. So sind sie, die totalitären Systeme
dborrmann 06.04.2010
spionieren, misstrauen... Und es hilft so wenig. Die Wahrheit kommt immer ans Licht.
2. jamei!
promedico 06.04.2010
Zitat von sysopZu den Zielen gehörten die indische Regierung und der Dalai Lama: Chinesische Hacker sollen systematisch fremde Netze ausgekundschaftet und geheime Dokumente gestohlen haben, berichten amerikanische Wissenschaftler. Auch die Uno soll ein Ziel der Angriffe gewesen sein. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,687361,00.html
Ratschlag an diese "amerikanischen Wissenschaftler": mal bei der CIA nachfragen, ob es weltweit eine einzige Institution gibt, die sie nicht versucht hat, "auszuspionieren". Schon "Sommertheater"?, ist doch erst April!
3. Big Brother
logyal 06.04.2010
Dass die Chinesische Regierung nichts von dem Schattennetz gewusst haben will, können die Ihrem Friseur erzählen...
4. holistic analysis
harrold 06.04.2010
Zitat von sysopZu den Zielen gehörten die indische Regierung und der Dalai Lama: Chinesische Hacker sollen systematisch fremde Netze ausgekundschaftet und geheime Dokumente gestohlen haben, berichten amerikanische Wissenschaftler. Auch die Uno soll ein Ziel der Angriffe gewesen sein. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,687361,00.html
Jetzt hört doch mal auf, das chinesische Volk zu bedrohen und zu versuchen, es auseinanderzutreiben durch diese postmoderne Form der Provokationen! Ich hege den Verdacht, dass es bestimmten Kreise darum geht, unter Missbrauch der Träume und Ideale der US-Bevölkerung einen Keil zwischen beide Völker zu treiben, und dass es nur vordergründig unter dem Vorwand der Internetfreiheit und Demokratie um eine Zerbröselung des chinesischen Staates und Auseinanderbrechen in seine einzelnen Völker geht, mit dem Ziel, keine Neben-Schatten-Supermacht neben sich zu haben, die es wagt, mit der "Dollargeisel" (soviel Geld, um die Politik der USA beeinflussen zu können, da bei dem Abstossen der 2 Bio. chinesischen Devisen der Dollar schwanken würde) eine Art Mächtegleichgewicht herzustellen. Ich als freier Bürger falle jedenfalls nicht darauf herein, so berechtigt die Kritik an Formen des Totalitarismus ist. Chinas in Jahrhunderten entwickelten Empfindlichkeiten gegenüber Kolonialmächten an seinen Rändern werden gezielt gegen bestimmte Urängste der USA in Stellung gebracht.
5. selber Schuld
Beteigueze 06.04.2010
geheime und vertrauliche Dokumente gehören nicht auf einen Rechner, der via IP erreichbar ist. Solche Computer gehören in ein geschlossenes Netz, daß nur von Arbeitsstationen innerhalb dieses Netz erreichbar ist.
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