Dagestan: 110.000 Mails für einen Entführten

Von Holger Kulick

Der Entführungsfall eines holländischen Ärztehelfers in der Kaukasusrepublik Dagestan hat eine ungewöhnliche Solidaritätswelle im Web ausgelöst. Per Mail fordern mehr als 110.000 Menschen die Aufklärung des Falls. Denn noch immer gibt es von dem Opfer keine Spur.

Vermisst: Peter-Arjan Erkel auf einem Poster, ausgehängt in Dagestan
AP

Vermisst: Peter-Arjan Erkel auf einem Poster, ausgehängt in Dagestan

Berlin/Moskau - Es geschah am 12. August des vergangenen Jahres gegen 22 Uhr. Peter-Arjan Erkel, der Koordinator der internationalen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" in Dagestan, befand sich in Machatschkala, der Hauptstadt Dagestans, auf dem Weg nach Hause, als sein Fahrzeug von einem Auto mit einheimischem Kennzeichen gestoppt wurde. Drei Männer, von denen zwei bewaffnet waren, zwangen ihn auszusteigen, und stießen ihn in ein weiteres Fahrzeug.

Seitdem sind sechs Monate vergangen und von dem 32-jährigen Niederländer fehlt jede Spur. Auch Lösegeldforderungen von möglichen Erpressern wurden nicht bekannt. Nachforschungen der russischen Behörden und Versuche, seine Freilassung zu bewirken, blieben bislang ohne Erfolg. Somit ist immer noch unklar, wo Arjan Erkel gefangen gehalten wird, ob er noch lebt und wie sein Gesundheitszustand ist.

Erkel hat seit 1994 für "Ärzte ohne Grenzen" als logistischer Koordinator gearbeitet, unter anderem in Tadschikistan, Usbekistan, Russland und Sierra Leone. Seit April 2002 ist er als Dagestan-Koordinator der Hilfsorganisation in Machatschkala tätig.

Der Vermisstenfall wurde Mitte Januar auch im Europäischen Parlament erörtert. Doch folgenlos verabschiedeten die Abgeordneten eine Resolution, in der die russische Regierung aufgefordert wird, "mit allen erdenklichen Mitteln die sofortige Freilassung" des medizinischen Helfers sicherzustellen. Vergeblich mahnten die EU-Mitglieds- und Beitrittsländer sowie die Europäische Freihandelsorganisation (EFTA) die unbekannten Kidnapper an, dass "die Entführung von Mitarbeitern von Hilfsorganisationen die humanitäre Lage im Nord-Kaukasus nur verschlimmern kann".

Nun hat "Ärzte ohne Grenzen" nun eine Internet-Petition zur Unterstützung ihres gekidnappten Mitarbeiters gestartet. Adressaten sind der russische Präsident Wladimir Putin und der Vorsitzenden des Staatsrats der Republik Dagestan, Magomedali Magomedov, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, "damit Erkel unversehrt freigelassen wird und zu seiner Familie, zu seinen Freunden und Kollegen zurückkehren kann."

Nach eigenen Angaben der Hilfsorganisation haben diesen Aufruf bis heute über 110.000 Menschen unterzeichnet. Die Aktion soll zunächst bis zum 9. März 2003, dem Geburtstag von Peter-Arjan Erkels fortgesetzt werden.

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