Darknet-Handelsplatz Millionenvermögen des mutmaßlichen AlphaBay-Gründers beschlagnahmt

Sportwagen, ein großes Haus und Millionenwerte in Bitcoin: In Thailand ist das Vermögen von Alexandre C. eingezogen worden. Der mutmaßliche Darknet-Geschäftsmann hatte in seiner Zelle offenbar Suizid begangen.

Das Haus des Beschuldigten in Bangkok
AP

Das Haus des Beschuldigten in Bangkok


Die Behörden in Thailand beschlagnahmten das Millionenvermögen eines Darknet-Unternehmers, der in einem Gefängnis in Bangkok gestorben ist. Das Vermögen des mutmaßlichen Betreibers der geschlossenen Darknet-Plattform AlphaBay beziffern die Behörden auf bis zu 21 Millionen Dollar.

"Wir haben bereits seinen Lamborghini, seinen Porsche und sein Haus beschlagnahmt", sagte der stellvertretende Polizeichef Chalermkiat Srivorakan der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Der Rest werde folgen. Demnach bestehe ein Großteil des Vermögens des Mannes aus der Internetwährung Bitcoin.

Der 25-jährige Kanadier war am 5. Juli in Thailand festgenommen worden. Eine Woche später wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Den Behörden zufolge soll er Suizid begangen haben. Das Motiv für die Tat sei noch unklar, sagte Srivorakan. Berichte, wonach sich der Kanadier erhängt habe, um einer Auslieferung in die USA zu entgehen, bestätigte er nicht.

Was ist das Darknet?
Was ist mit Darknet gemeint?
Wer im Internet surft, öffnet seinen Browser und kann dann Webseiten wie www.spiegel.de besuchen - oder er googelt Inhalte. Das Darknet, das "dunkle Netz", kann man sich demgegenüber als virtuellen Hinterraum vorstellen, der schwerer zu erreichen und anders gebaut ist als das offene Internet.

Dort gibt es keine zentralen Server. Stattdessen verbinden sich viele einzelne Computer zu Netzwerken. So entstehen exklusive Kreise, die Nutzer nicht einfach per Google-Suche finden. Es gibt also nicht nur ein Darknet, sondern viele solcher Netzwerke. Sie arbeiten unterschiedlich, aber das Ziel ist immer: Die Nutzer sollen anonym bleiben können. Die Daten in den Darknets werden in der Regel verschlüsselt übertragen, deshalb ist das Darknet schwer zu überwachen.

Doch auch dort gibt es Dinge, die Nutzer des World Wide Web (WWW) kennen dürften: Chaträume, soziale Netzwerke und Online-Shops voll illegaler Angebote, die zum schlechten Ruf beitragen.

Wie komme ich ins Darknet?
Wer in ein Darknet gelangen möchte, kann das nicht mit einem herkömmlichen Browser. Der dunkle Teil des Netzes ist nur über spezielle Software zu erreichen. Je nach Darknet ist der Zugang unterschiedlich kompliziert.

Das wohl bekannteste Darknet ist über den sogenannten Tor-Browser erreichbar. Viele nutzen ihn, um auch beim Surfen im WWW anonym zu bleiben. Tor nutzt dafür eine Technik namens "Onion Routing".

Anfragen werden dabei auf wechselnden Routen über verschiedene Server umgeleitet, die jeweils nicht das eigentliche Ziel kennen. Nach dem Passieren verschiedener Stationen gelangt die Kommunikation über einen Exit-Knoten wieder ins Netz. Sender und Empfänger sollen so anonym bleiben. In der Vergangenheit sind dennoch immer wieder Tor-Nutzer enttarnt worden.

Vom WWW abgesehen, kann man mit den Tor-Browser Seiten aufrufen, auf die man mit normalen Browsern keinen Zugriff hat. Im Darknet existieren nämlich sogenannte Hidden Services. Das sind in der Regel anonym betriebene Webseiten und Server, die nicht über die IP-Adresse oder eine klassische Adresse wie google.de oder spiegel.de angesteuert werden. Hidden-Service-Adressen enden auf .onion und bestehen aus langen Zahlen- und Buchstabenkombinationen. Derzeit gibt es über 50.000 .onion-Adressen. Um sich zurechtzufinden, gibt es für Interessenten an den Seiten unter anderem eine Art Wikipedia zur Übersicht.

Wer benutzt das Darknet?
Das per Tor erreichbare Darknet hat einen ziemlich schlechten Ruf als Ort für Kriminelle. Dabei ist der vermeintlich dunkle Teil des Netzes nicht illegal - zumindest solange nicht, bis man dort etwas Illegales tut.

Auf großen Darknet-Markplätzen werden allerdings viele illegale Geschäfte abgewickelt. Die 2013 geschlossene Silk Road war so ein Ort. Waffen- und Drogenhändler und auch Pädophile nutzen die technischen Möglichkeiten durchaus für ihre Zwecke.

In den Online-Shops können Kunden und Händler nur schwer belangt werden, bezahlt wird auf Darknet-Marktplätzen oft mit der Krypto-Währung Bitcoin. Um Bitcoin zu bekommen, gibt es gesonderte Onlinebörsen, wo man sein Geld in die Krypto-Währung umtauschen kann.

Doch die Anonymität, die ein Darknet bietet, ist auch ein Segen für Menschen in autoritär regierten Ländern, die sich vor Überwachung durch das Regime schützen wollen. Chinesische Dissidenten benutzen Darknet-Netzwerke genauso wie Journalisten oder Whistleblower. Auch viele ganz normale Webseiten haben Tor-Adressen, Facebook zum Beispiel ist unter https://facebookcorewwwi.onion/ zu erreichen.

Ist das Darknet das Gleiche wie das Deep Web?
Die Begriffe Darknet und Deep Web werden häufig synonym verwendet. Streng genommen gibt es zwischen Dark- und Deep Web aber einen Unterschied: den Zugangsweg. Deep-Web-Seiten lassen sich über einen normalen Browser aufrufen, Darknet-Seiten nicht.

Wenn man sich einen Eisberg vorstellt, ist das WWW die sichtbare Spitze über Wasser. Unter Wasser gibt es aber noch einen großen anderen Bereich: das Deep Web. Man findet es, wenn man weiß, wie man hinkommt.

Auch das Deep Web wird nicht nur für illegale Sachen genutzt: Große Teile des Deep Webs sind sogar unspektakulär und bestehen zum Beispiel aus riesigen Informationsdatenbanken, passwortgeschützten Seiten und solchen, die nicht für Suchmaschinen gelistet sind und die bei einer Suche folglich nicht angezeigt werden.

Kann man eine Seite also mit einem normalen Browser und ohne Zusatzsoftware öffnen, liegt sie vielleicht im Deep Web, aber nicht im Darknet.

Der 25-Jährige soll die Darknet-Plattform AlphaBay mit rund 200.000 Nutzern betrieben haben. Sie wurde in der vergangenen Woche im Rahmen einer koordinierten Aktion von Ermittlungsbehörden verschiedener Länder zerschlagen und vom Netz genommen. Der Aktion sei monatelang vorbereitet und koordiniert worden, heißt es in einer Pressemitteilung des amerikanischen Justizministeriums. An der Aktion waren demnach unter anderem das FBI, die US-Antidrogenbehörde DEA und die niederländische Dutch National Police beteiligt.

Meldung des US-Justizministeriums auf der ehemaligen Internet-Präsenz von AlphaBay
REUTERS

Meldung des US-Justizministeriums auf der ehemaligen Internet-Präsenz von AlphaBay

Mit AlphaBay sei die größte bisher bekannte Darknet-Vertriebsstruktur ausgehoben worden, sagte US-Justizminister Jeff Sessions. Über AlphaBay sollen unter anderem illegale Drogen, giftige Chemikalien, Malware, gefälschte Ausweisdokumente und Waffen gehandelt worden sein. Mehr als 40.000 Anbieter boten ihre illegalen Waren und Dienstleistungen dort feil.

Laut Polizei hatte der Kanadier rund sieben Jahre lang als Programmierer unter falschem Namen mit seiner thailändischen Freundin in dem südostasiatischen Land gelebt. Die US-Behörden warfen ihm unter anderem Drogenhandel, Identitätsbetrug und Geldwäsche vor.

mak/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
susuki 25.07.2017
1. Überschrift
Eine Marktplatz in der .onion Domain zu betreiben, ist ungefähr so schwierig wie eine Website bei Strato aufzusetzen. Das Problem ist, die vielen Dinge welche trackbar sind, zu unterlassen. In der Regel fliegen die Betreiber dadurch auf, dass sie den .onion Marktplatz im www bewerben. Ein anderer hat ein unverschlüsseltes Update des Marktplatzes über einen TOR entry Server laufen lassen, der von den US-Diensten betrieben wurde. Der kleinste Fehler und die Handschellen klicken. Ich rate aber jedem seine Website in .onion zu verlegen. Gegen Impressum/Urheberrecht-Abmahnabzocker bietet .onion einen wirksamen Schutz.
mk1964 25.07.2017
2. #1
" 1. Nützt nichts... Wird eine Seite lahmgelegt ist die nächste schon wieder in den Startlöchern und die 40.000 Anbieter der illegalen Waren werden weiter verkaufen. Die Nachfrage ist da, also wird es auch immer Händler geben die diverse Dienstleistungen anbieten." Klaro. Warum Mord verbieten, wenn es trotzdem immer wieder vorkommt? Wäre ja noch schöner, wenn man jungen, aufstrebenden Talenten ihren Weg zum Reichtum verbauen würde. /Ironie off/
tliesenf 25.07.2017
3. Täter: Kanadier. Tatort: Thailand. Wie kommen USA ins Spiel?
Weiss jemand, warum der Mann nach USA überführt werden sollte? Wo ist der Gerichtsstand bei Geschäften im Internet ("Darknet")? Welches Recht gilt?
sotomajor 25.07.2017
4. Werbung
Das ist ja geradezu Werbung wenn da Millionen zu verdienen sind. Obwohl ich da gerne einmal hineinschauen würde in dieses Darknet, ist mir die Gefahr einer Verdächtigung schon Grund genug es eben nicht zu tun. Ich brauche auch keine Millionen, mir reicht eine und die will ich ehrlich verdient haben.
koolaid 25.07.2017
5. #3
"Klaro. Warum Mord verbieten, wenn es trotzdem immer wieder vorkommt? Wäre ja noch schöner, wenn man jungen, aufstrebenden Talenten ihren Weg zum Reichtum verbauen würde. /Ironie off/ " Würden Sie ihren Kopf zum Denken benutzen und nicht nur als Hutständer, würden sie sehr schnell merken, dass aus dem Artikel in keinsterweise hervogeht, dass der 25 jährige Programmierer des Mordes beschuldigt wurde. Sie könnten genauso den Programierer von eBay Kleinanzeigen beschuldigen sobald die Platform für illegalen Handel durch die NUTZER abused wird. Der Programmierer hat weder auf seiner Platform illegale Waren verkauft noch gekauft. Er hat AlphaBay einfach bereitgestellt als Marketplace in einem anonymen Hidden-Web. Schauen Sie doch mal nach Berlin in den Görlitzer Park dort wurde ja praktisch durch den Staat ein weitestgehend rechtsfreier Raum geschaffen. Die Stadt, die diesen Park anlegte wird dafür ja auch nicht bestraft wenn dort Straftaten begangen werden (z.B. Rauschgifthandel).
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