Daten-Leak Staatsanwälte ermittelten schon dreimal gegen Tatverdächtigen

Johannes S., der Daten von Politikern und Prominenten veröffentlicht haben soll, war der Justiz nach SPIEGEL-Informationen schon mehrmals aufgefallen. Zudem hat er im Netz offenbar rechtsextreme Positionen verbreitet.

Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung Schwere und organisierte Kriminalität beim BKA, und Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk
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Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung Schwere und organisierte Kriminalität beim BKA, und Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk

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Ist er eine Art Serientäter? Johannes S., der beschuldigt wird, Daten wie Handynummern und Privatadressen von rund tausend Politikern und Medienschaffenden mindestens teilweise auf illegalem Wege beschafft und im Internet verbreitet zu haben, war der Justiz vor seiner Festnahme schon mehrfach aufgefallen.

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Heft 3/2019
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Nach SPIEGEL-Informationen hatte die Staatsanwaltschaft Gießen in den vergangenen Jahren bereits drei Ermittlungsverfahren gegen Johannes S. eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten - eine Straftat nach Paragraf 202a des Strafgesetzbuchs - und der Fälschung beweiserheblicher Daten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt

Keines der drei Verfahren ist abgeschlossen. Die Gießener Strafverfolger übergaben die Fälle nun der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, die in dem aktuellen Fall gegen S. ermittelt.

Unterdessen verdichtet sich der Eindruck, dass Johannes S. nicht nur aus "Ärger" über einzelne Aussagen von Politikern und Prominenten deren Daten beschafft und veröffentlicht hat, wie zunächst berichtet wurde. Nach Recherchen des SPIEGEL gibt es zahlreiche Indizien dafür, dass der Schüler im Netz rechtsextreme Positionen verbreitet und sich im Umfeld rechter "Hacktivisten" bewegt hat.

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Unter einem der ihm zuzuordnenden Pseudonyme (r00taccess) wurden in einschlägigen Foren vor allem islamfeindliche und rechtsextreme Kommentare gepostet, wie: "islam ist dreck (: wir leben nicht im 6. Jahrhundert" oder "so leute jetzt wisst ihr wieso die NSDAP wiederkommen wird". Zudem beschimpfte r00taccess "linksversiffte Gutmenschen" und schrieb: "die AfD wird die ganzen Clans nicht wegkriegen, da braucht man die NPD um ordentlich aufzuräumen".

Ideologisch beeinflusst wurde S. offenbar unter anderem von YouTube-Kanälen wie "Die Vulgäre Analyse", die in ihren Hassvideos mehrere der späteren Opfer des Daten-Leaks ins Visier genommen haben.

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insgesamt 28 Beiträge
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dr.eldontyrell 11.01.2019
1. Ups,
da werden wohl einige Freunde der AfD, die hier gestern fleißig kommentiert haben, dass der Täter ja nicht unbedingt aus dem rechten Spektrum kommen müsse, weil grade die AfD bei den Leaks ausgelassen wurde, zurückschwimmen müssen. Oder sie sind mausgerutscht. Aber zurückschwimmen können die von der AfD. Ich sag nur Kantholz.
klaus.rode 11.01.2019
2. das war doch klar
Schon die Auswahl seiner Opfer allein belegt die rechtsradikale Einstellung von unserem kleinen Kevin allein zu Hause. Ober der wirklich so klein und allein war, wird sich hoffentlich noch herausstellen.
Andraax 11.01.2019
3.
Wie kommt wohl so ein mental wenig gefestigter, junger Mann auf rechtsextreme Positionen? Warum fühlen sich solche junge Männer aufgefordert den Rechtsstaat mit Füßen zu treten? Gibt wahrscheinlich einen ganz einfachen Zusammenhang - ich komme grad nur nicht drauf welcher das sein könnte.
Leser161 11.01.2019
4. Sehr schade
Sehr schade das der Täter solche Thesen vertritt. Anderseits macht das den Kohl auch nicht mehr fett. Kriminell war die ganze Sache schon vorher. Ein wichtiger Weckruf ist es trotzdem, wenn man sieht wie leicht Kriminelle ohne besondere Hackkenntnisse an Daten kommen können.
mentor54 11.01.2019
5.
Zitat von dr.eldontyrellda werden wohl einige Freunde der AfD, die hier gestern fleißig kommentiert haben, dass der Täter ja nicht unbedingt aus dem rechten Spektrum kommen müsse, weil grade die AfD bei den Leaks ausgelassen wurde, zurückschwimmen müssen. Oder sie sind mausgerutscht. Aber zurückschwimmen können die von der AfD. Ich sag nur Kantholz.
Die Fakten sind der AfD doch egal. Was nicht ins monokausale Weltbild passt, wird ignoriert. Die bisherigen kriminalpolizeilichen Erkenntnisse im Fall Magnitz werden doch auch schon bezweifelt.
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