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Datenschutz-Ärger: Facebook-Anwendungen reichen unerlaubt Nutzerdaten weiter

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Undichte Stelle im größten Social Network: Einige Facebook-Anwendungen haben Werbefirmen und Adresshändlern Facebook-Nummern von Anwendern weitergereicht, meldet das "Wall Street Journal". Facebook räumt ein, man habe Probleme bei der technischen Umsetzung der eigenen Datenschutzregeln.

Facebook-Logo: Das Netzwerk hat technische Probleme beim Datenschutz Zur Großansicht
AFP

Facebook-Logo: Das Netzwerk hat technische Probleme beim Datenschutz

Beunruhigend an dieser Nachricht ist nicht so sehr die Gefährlichkeit der Lücke als vielmehr die Tatsache, dass Facebook seine Technik nicht im Griff hat: Das US-Wirtschaftsblatt " Wall Street Journal" berichtet, dass von Drittanbietern entwickelte Facebook-Anwendungen Informationen über Nutzer an Anzeigenkunden oder Adresssammler weitergegeben haben sollen.

Das "Wall Street Journal" hat mehrere Anwendungen untersucht, einige leiteten Informationen über Anwender an mindestens 25 Werbevermarkter und Adresssammler weiter. Weitergegeben wurde laut "WSJ" die sogenannte User-ID. Das ist eine Nummer, die für jedes Facebook-Profil einmalig vergeben wird.

Was kann ein Werbevermarkter mit dieser ID anfangen? Facebook beschwichtigt, Entwickler Mike Vernal erklärt im offiziellen Firmenkommentar zu dem Fall: "Die Kenntnis einer UID erlaubt es nicht, auf private Informationen eines Nutzer zuzugreifen, ohne dessen Zustimmung einzuholen."

Das stimmt einerseits. Andererseits behandelt Facebook einige Informationen als "öffentlich zugänglich". Das bedeutet: Eine Zustimmung zum Auswerten dieser Daten ist nicht erforderlich. So steht es in Facebooks Datenschutzrichtlinie:

"Für 'Jedermann' zugänglich gemachte Informationen sind allgemein verfügbare Daten wie zum Beispiel dein Name, dein Profilbild, und Verbindungen. Auf derartige Informationen kann beispielsweise jedermann im Internet zugreifen (auch Personen, die nicht bei Facebook eingeloggt sind), und außerdem können diese Daten von Suchmaschinen Dritter indiziert sowie von uns und anderen ohne datenschutzbezogene Einschränkungen importiert, exportiert, weitergegeben und sonst weitergeleitet werden."

Facebook liefert den Namen zur Nummer

Konkret bedeutet das: Wer User-IDs von Facebook-Mitgliedern hat, kann ohne Probleme die Namen zuordnen. Man kann das selbst über die Seite https://graph.facebook.com ausprobieren: Einfach die User-ID hinten anhängen, schon kann man Namen abrufen - zum Beispiel die der Menschen mit den niedrigsten Facebook-Identifikationsnummern: Mark Zuckerberg ist Nummer 4, die Mitglieder 1 bis 3 sind nicht aktiv. Nummer 5 ist Chris Hughes (Facebook-Mitgründer), Nummer 6 Dustin Moskovitz (Facebook-Mitgründer), Nummer 7 ist Arie Hasit (ein Ex-Mitbewohner von Mark Zuckerberg).

Diese Spielerei ist ganz nett - brisante Informationen erhält man über diesen Umweg jedoch nicht. Wer seinen wahren Namen bei Facebook verwendet (das schreiben die Geschäftsbedingungen vor), muss bei der Datenschutzpolitik des Unternehmens davon ausgehen, dass sein Name, seine Kontakte und sein Profilbild von Facebook als freie Verfügungsmasse behandelt werden.

Facebook konnte sein Weitergabe-Verbot nicht durchsetzen

Allerdings - und das ist das eigentlich Beunruhigende an dem Fall - verbietet Facebook den Entwicklern von Anwendungen ausdrücklich die Weitergabe von Daten an Adresshändler. So steht es in Facebooks Geschäftsbedingungen:

"Du wirst die von uns erhaltenen Daten weder direkt noch indirekt an ein Werbenetzwerk, einen Werbeaustauschdienst, einen Datenvermittler oder ein sonstiges werberelevantes Toolset übertragen (oder diese Daten in Verbindung mit den Vorgenannten verwenden), selbst wenn ein Nutzer dieser Übertragung oder Verwendung zustimmt."

Dieser Passus schützt natürlich die Daten der Mitglieder, aber eben auch Facebooks wichtigstes Gut: Das Wissen über seine Mitglieder, mit dem Werbekunden ihre Anzeigen auf bestimmte Zielgruppen zuschneiden können. Dass Facebook die Weitergabe dieser Daten an konkurrierende Werbvermarkter verbietet, liegt natürlich im ureigensten Interesse der Firma. Dass es Facebook bislang nicht schafft, dieses Weitergabe-Verbot durchzusetzen, ist beunruhigend.

Facebook-Mitarbeiter Mike Vernal räumt in der offiziellen Stellungnahme zum Fall Probleme ein: "Wir haben festgestellt, dass einige Anwendungen die User ID in einer Art weitergegeben haben, die gegen unsere Bestimmungen verstößt. In den meisten Fällen haben die Entwickler nicht beabsichtigt, diese Informationen weiterzugeben, dies ist aufgrund der technischen Grundlagen vom Internet-Browser geschehen." Dennoch arbeite man an dem Problem.

Laut dem "Wall Street Journal" sind einige der besonders auskunftsfreudigen Facebook-Anwendungen, die Daten ihrer Nutzer an gut 25 Vermarkter weitergaben, inzwischen nicht mehr über Facebook nutzbar.

Selbstschutz: Datenschutz-Einstellungen überarbeiten

Facebook-Nutzer können den Zugriff von Werbetreibenden und Vermarktern mit ein paar Einstellungen einschränken. Vor allem sollte man so wenige Anwendungen wie möglich bei Facebook installieren. Einen Überblick darüber, was man für Programme von Drittanbietern eigentlich installiert hat, gibt auf der Facebook-Privatsphäre-Seite der Link unten links ("Anwendungen und Webseiten").

Unbedingt sollte man auch die Datenweitergabe durch Freunde verbieten, und zwar im Anwendungs-Menü unter dem Punkt " Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind." Hier erlaubt die Standardeinstellung bei Facebook es Programmen von Drittanbietern, auf persönliche Daten zuzugreifen, auch wenn man diese Anwendungen selber gar nicht installiert hat. Es genügt, wenn ein Facebook-Kontakt eine Erweiterung nutzt.

Dass Facebook Nutzer standardmäßig der Weitergabe ihrer Daten durch Freunde zustimmen lässt, ist mit deutschem Datenschutzrecht kaum vereinbar. Nutzer werden bei ihrer Registrierung kaum davon ausgehen, dass damit Daten, auf die Ihre Freunde zurückgreifen können, auch allen Anbietern offenstehen, deren Anwendungen diese Freunde installieren.

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Forum - Verletzt das Netzwerk Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer?
insgesamt 258 Beiträge
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1. Privatsphäre bei Facebook
Thomas Hutter 31.05.2010
Die Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten bei Facebook sind gigantisch und bietet gute Schutzmöglichkeiten. Das Problem mit der Privatsphäre auf Facebook liegt darin, dass Facebook grundsätzlich zu offene Privatsphäre-Einstellungen vorschlägt. Auf Grund der sehr vielen Funktionen, welche Facebook seinen Benutzern bietet, kann die Tragweite von einem ungeübten oder weniger erfahrenen Benutzer nicht wirklich abgeschätzt werden. Aus diesem Grund habe ich einen sehr umfassenden Privatsphäre-Leitfaden erstellt: http://www.thomashutter.com/index.php/2010/05/facebook-der-ultimative-facebook-privatsphaere-leitfaden-30052010/
2.
Jettenbacher 31.05.2010
Zitat von sysopFacebook-Nutzer wollen sich mitteilen und darstellen. Aber sie wollen auch die Entscheidungsfreiheit behalten, wer was von ihnen wissen darf. Leistet Facebook dies? Oder verletzt das Netzwerk die Privatsphäre seiner Nutzer?
Nein. Die Nutzer verletzen ihre Privatsphäre selbst.
3. ... derer von Dummsdorf
frigenium 31.05.2010
---Zitat--- "Je mehr Informationen Du teilst, desto *sozialer* ist das Nutzerelebnis" http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,bild-93050-697392,00.html ---Zitatende--- Jooooh - genau ! Alle sind gleich und die Partei weiss alles !
4.
nrw_waehler2010 31.05.2010
Die Einstellungen bei Facebook sind spätestens jetzt genügen, um die Privatsphäre zu schützen. Das wohl größere Problem ist die Einstellung der User. Die Leute scheinen einfach nicht zu begreifen, dass alles, was einmal im Internet ist praktisch nie wieder zu entfernen ist. Doch immer mehr scheint das nicht zu interessieren. Also sind es nicht die Unternehmen oder die Politik, die unsere Privatsphäre "verkauft", sondern wir selbst. Wer sich bei Facebook anmeldet, bei Google oder Yahoo, oder irgendeinem anderen amerikanischen Unternehmen sollte sich immer bewusst sein, dass die US-Geheimdienste mitlesen. Doch den meisten scheint das wohl egal zu sein!
5.
utuvien 31.05.2010
Ich verweigere mich solchen zur Selbstdarstellung verkommenen "Social Networks", denn mit sozial hat das Ganze wenig zu tun. Und wenn man dann noch den Fehler begeht, sich nackt bei 4chan zu präsentieren, wird man schnell zur nächsten allseits "beliebten" "Facebook Whore". Da kann Facebook nichts für, sie bieten lediglich die Plattform. Naja, wers braucht.
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Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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