Datenschutz-Debakel Facebook entfernt erste kopierte Telefon-Datensätze

Monatelang hat Facebook iPhone-Telefonbücher von Nutzern ausgelesen. Betroffene protestierten, Verbraucherschützer drohten mit Beschwerden bei US-Behörden - nun reagiert Facebook: Die ersten Datensätze verschwinden aus der Facebook-Datenbank.


Das hat gedauert: Im Februar fiel Facebook-Nutzern auf, dass private Kontaktinformationen aus ihren iPhone-Telefonbüchern auf den Facebook-Seiten auftauchen und nicht gelöscht werden können. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar - Facebooks deutsche Niederlassung sitzt in der Stadt - nannte gegenüber SPIEGEL ONLINE das Verfahren "klar unzulässig" und "untragbar."

Auf Fragen zu der Angelegenheit von SPIEGEL ONLINE antwortete Facebook nicht. Offenbar entfernt der Dienst nun einige der Datensätze. Bei mehreren Facebook-Mitgliedern, die nach der Anleitung von SPIEGEL ONLINE der Nutzung ihrer Telefonbuch-Daten widersprochen und unter Berufung auf das Bundesdatenschutz- und Telemediengesetz eine Löschung verlangt haben, werden die Telefonbuchdaten nicht mehr angezeigt.

Gelöst ist das Datenschutz-Problem damit aber nicht. Diese Fragen sind weiterhin offen:

  • Was ist eigentlich mit den Daten passiert? Außer Facebook-Insidern weiß niemand, wie das Unternehmen die Telefonbuchdaten genutzt und ausgewertet hat. Zur Nutzung der Daten erklärte eine Facebook-Sprecherin, das Unternehmen verwende die ausgelesenen Telefonnummern, Namen und E-Mail-Adressen, um mögliche Freunde des Facebook-Mitglieds zu finden, mit denen er auf Facebook noch nicht verbunden ist. Ob die Telefonbuch-Informationen mit anderen Datensätzen abgeglichen und angereichert wurden, ist nicht bekannt.
  • Sind die Daten wirklich gelöscht? Die Telefonbuch-Informationen werden einigen betroffenen Facebook-Mitgliedern nicht mehr angezeigt. Ob die Daten wirklich gelöscht wurden, ist unklar.
  • Wird weitergespeichert? Es kann sein, dass Facebook nur die Datensätze von Betroffenen löscht, die schriftlich der Nutzung widersprochen haben. Eine Option zum automatischen Löschen fehlt bislang.
  • Warum klärt Facebook Nutzer nicht auf? Am Montag arbeitete Facebooks iPhone-Anwendung nach dem alten, intransparenten Muster: Wer in der iPhone-Anwendung des Unternehmens einmal auf "Synchronisieren" klickt, lädt sein komplettes Adressbuch hoch. Facebook speichert Telefonnummern, Namen und E-Mail-Adressen aller Telefonbuchkontakte. Der eingeblendete Text (siehe Fotostrecke oben) gibt nicht hinreichend Auskunft über diese Art der Datennutzung.
  • Wie können betroffene Dritte ihre Daten löschen lassen? Facebook lässt seine Nutzer personenbezogene Informationen über Dritte hochladen, ohne dass die Betroffenen widersprechen können. Wie Facebook die Daten unbeteiligter Dritter schützt, hat das Unternehmen bislang nicht beantwortet.

lis

Forum - Verletzt das Netzwerk Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer?
insgesamt 258 Beiträge
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Seite 1
Thomas Hutter 31.05.2010
1. Privatsphäre bei Facebook
Die Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten bei Facebook sind gigantisch und bietet gute Schutzmöglichkeiten. Das Problem mit der Privatsphäre auf Facebook liegt darin, dass Facebook grundsätzlich zu offene Privatsphäre-Einstellungen vorschlägt. Auf Grund der sehr vielen Funktionen, welche Facebook seinen Benutzern bietet, kann die Tragweite von einem ungeübten oder weniger erfahrenen Benutzer nicht wirklich abgeschätzt werden. Aus diesem Grund habe ich einen sehr umfassenden Privatsphäre-Leitfaden erstellt: http://www.thomashutter.com/index.php/2010/05/facebook-der-ultimative-facebook-privatsphaere-leitfaden-30052010/
Jettenbacher 31.05.2010
2.
Zitat von sysopFacebook-Nutzer wollen sich mitteilen und darstellen. Aber sie wollen auch die Entscheidungsfreiheit behalten, wer was von ihnen wissen darf. Leistet Facebook dies? Oder verletzt das Netzwerk die Privatsphäre seiner Nutzer?
Nein. Die Nutzer verletzen ihre Privatsphäre selbst.
frigenium 31.05.2010
3. ... derer von Dummsdorf
---Zitat--- "Je mehr Informationen Du teilst, desto *sozialer* ist das Nutzerelebnis" http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,bild-93050-697392,00.html ---Zitatende--- Jooooh - genau ! Alle sind gleich und die Partei weiss alles !
nrw_waehler2010 31.05.2010
4.
Die Einstellungen bei Facebook sind spätestens jetzt genügen, um die Privatsphäre zu schützen. Das wohl größere Problem ist die Einstellung der User. Die Leute scheinen einfach nicht zu begreifen, dass alles, was einmal im Internet ist praktisch nie wieder zu entfernen ist. Doch immer mehr scheint das nicht zu interessieren. Also sind es nicht die Unternehmen oder die Politik, die unsere Privatsphäre "verkauft", sondern wir selbst. Wer sich bei Facebook anmeldet, bei Google oder Yahoo, oder irgendeinem anderen amerikanischen Unternehmen sollte sich immer bewusst sein, dass die US-Geheimdienste mitlesen. Doch den meisten scheint das wohl egal zu sein!
utuvien 31.05.2010
5.
Ich verweigere mich solchen zur Selbstdarstellung verkommenen "Social Networks", denn mit sozial hat das Ganze wenig zu tun. Und wenn man dann noch den Fehler begeht, sich nackt bei 4chan zu präsentieren, wird man schnell zur nächsten allseits "beliebten" "Facebook Whore". Da kann Facebook nichts für, sie bieten lediglich die Plattform. Naja, wers braucht.
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