Datenschutz-Flop Facebook sperrt Zugang zu Telefonnummern und Adressen wieder

Nach heftigen Protesten stellt Facebook den umstrittenen Zugang zu Telefonnummern und Adressen von Mitgliedern wieder ein. Der Service war als Dienstleistung für externe Entwickler gedacht, aber vor allem als Service für Adresshändler und Trickbetrüger wahrgenommen worden.


San Francisco - Facebook bleibt sich treu: Das Social Network nahm nach heftigen, weltweiten Protesten von Datenschützern ein Feature wieder zurück, das der Social-Network-Betreiber erst vor Tagen freigeschaltet hatte. Einmal mehr erscheint Facebooks Umgang mit gemeinhin als vertraulich gesehenen Daten dabei als eine Trial-and-Error-Verfahren - man lässt Versuchsballons los und wartet ab, ob die steigen.

Im Falle des automatisierten Zugangs zu Telefonnummern und Adressen von Mitgliedern für externe Entwickler stieg gar nichts. Selbst im in Sachen Datenschutz und Privatsphäre eher unsensiblen Amerika stieß der Service umgehend auf Kritik. Das Online-Netzwerk hatte erst am Wochenende angekündigt, Software-Entwickler und Website-Betreiber könnten auch auf die Telefonnummern und Adressen der Nutzer zugreifen, wenn die diese Informationen in ihren Profilen freigegeben haben.

Datenschützer kritisierten umgehend, viele Nutzer könnten einer solchen Datenweitergabe unbedacht zustimmen. Nun kündigte Facebook an, es solle noch klarer angezeigt werden, wenn jemand nach Zugriff auf Adresse oder Telefonnummer fragt. Bis dahin werde die Funktion ausgesetzt.

Facebook bekräftigte am Dienstag zugleich, die Weitergabe könne auch bequem für einen Nutzer sein, weil er damit etwa auf Shopping-Websites nicht noch einmal seine kompletten Informationen eintippen müsste. Sicherheitsexperten hatten aber auch vor Programmen gewarnt, die extra darauf ausgerichtet sind, Nutzer-Informationen abzugreifen: Ein Missbrauchsrisiko wird in den USA unter anderem im Bereich des dort inzwischen weit verbreiteten Identitätsdiebstahls gesehen.

Erst am Montag war der Fall eines jungen Mannes bekannt geworden, der sich mit Social-Hacking-Methoden und bei Facebook zusammengesuchten, unbedarft dort veröffentlichten persönlichen Informationen die Mail- und Facebook-Konten mehrerer Hundert junger Frauen übernommen hatte.

pat/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.