Datenschutz: Google droht mit Schließung des deutschen E-Mail-Portals

Der Internet-Suchmaschinenanbieter Google gibt die Rolle des Datenschützers. Das Unternehmen drohte jetzt mit der Schließung seines deutschen E-Mail-Portals, sollte die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Internet-Überwachung verabschieden.

Berlin - Die Pläne seien ein "schwerwiegender Schlag gegen die Privatsphäre", sagte der oberste Datenschützer des Internet- Konzerns, Peter Fleischer, der "Wirtschaftswoche" einem heute veröffentlichten Vorabbericht zufolge. Das geplante Gesetz verstoße gegen Googles Grundsatz, auch anonyme E-Mail-Konten anzubieten. Diese Konten würden weltweit von Menschen genutzt, um sich unter anderem vor staatlicher Repression zu schützen. "Im Notfall schalten wir Google Mail in Deutschland wieder ab", sagte Fleischer.

Google-Zentrale in Mountain View: Anonyme E-Mail-Konten für Dissidenten
AP

Google-Zentrale in Mountain View: Anonyme E-Mail-Konten für Dissidenten

Wegen der umfassenden Sammlung personenbezogener Daten hatte Google selbst noch vor kurzem die Kritik von Datenschützern provoziert. Mitte Juni hat die in London ansässige Menschenrechtsorganisation Privacy International eine Untersuchung über die Datenschutzpraktiken großer Internetfirmen - darunter Amazon, Apple, BBC, Ebay, Microsoft, Myspace, Skype, Wikipedia und Yahoo - angekündigt. In dieser Untersuchung soll Google nach ersten Meldungen besonders schlecht abschneiden. Die Firma sei eine Bedrohung für die Privatsphäre der Menschen.

Am 16. Mai hatten sich die Datenschutzbeauftragten der EU-Länder in einem Brief an das Unternehmen gewandt und die Beachtung europäischen Datenschutzrechte eingefordert. Die Firma solle erklären, warum sie glaubt, dass Cookies eine Lebensdauer von 30 Jahren zusteht und die Log-Informationen erst nach 18 bis 24 Monaten anonymisiert werden müssen.

Fleischer antwortete in einem offenen Brief. Er beteuerte, dass die Datenschutzpraxis der kalifornischen Firma europäischen Prinzipien gerecht werde. Trotzdem kündigte er an, dass man die in den Server-Logs gespeicherten Informationen bereits nach 18 Monaten anonymisieren werde.

mik/Reuters

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