Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Datenschutz kontra Sicherheit: "Innenminister haben Gesellschaft erschüttert"

Von

Der Ton zwischen Datenschützern und Innenpolitikern wird rauer. Die Wächter der Privatsphäre beklagen die immer umfassendere Überwachung der Bürger und sehen den Rechtsstaat in Gefahr. Innenminister Otto Schily fährt Kritikern eines starken Staates lautstark in die Parade.

Videoüberwachung in Mannheim: Den Bürger im Blick
DDP

Videoüberwachung in Mannheim: Den Bürger im Blick

Ab heute versammeln sich Deutschlands IT-Sicherheits- und Datenschutz-Experten für zwei Tage in Bad Godesberg. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) lädt ein zum 9. IT-Sicherheitskongress. Der Dresdner Informatikprofessor Andreas Pfitzmann wurde allerdings kurzfristig wieder ausgeladen - zumindest als Referent. Er wollte über die Risiken von Biometrie-Anwendungen sprechen, doch das BSI ersetzte seinen Vortrag durch einen anderen.

Für Pfitzmann, der als einer der härtesten Kritiker von Otto Schilys Linie eines starken Staates gilt, war schnell klar, wer hinter der Ausladung stand: Schilys Innenministerium. Schließlich sei das BSI dem Ministerium unterstellt. Dutzende Beamte aus BSI und Innenministerium hätten ihm hinter vorgehaltener Hand bestätigt, er sei wegen seiner kritischen Äußerungen ausgeladen worden, erklärte Pfitzmann gegenüber SPIEGEL ONLINE. Schily wolle derartige Kritik wegen der geplanten Einführung biometrischer Pässe nicht hören.

Beim BSI weist man Pfitzmanns Vorwürfe zurück. Behördensprecher Michael Dickopf sagte: "Es gab keine Weisung aus dem Innenministerium". Man habe sich entschlossen, einen wichtigen Vortrag aus dem Bereich der Kryptographie ins Programm aufzunehmen, dafür hätte ein anderer weichen müssen. Dahinter stecke keine böse Absicht oder gezieltes Vorgehen gegen Pfitzmann.

Wie dem auch sei, die Stimmung ist gereizt zwischen Datenschützern und Innenpolitikern. Das zeigte zuletzt auch Minister Schily als er den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar öffentlich maßregelte. Schaar habe "nicht die Aufgabe, die technischen Fragen zu beurteilen, dafür haben wir andere Institutionen", hatte Schily erklärt.

Vorausgegangen war die Empfehlung Schaars, mit der Einführung von Biometrie-Pässen doch noch etwas zu warten, bis die Technik sicher sei. Schaar solle sich auf seinen Aufgabenbereich besinnen, sagte der Innenminister. Dass ein Bundesdatenschutzbeauftragter sehr wohl auch technische Fragen beurteilt und dafür sogar eine eigene Abteilung hat, war Schily offenbar nicht bekannt.

Gegen Politiker vom Schlage Schilys fährt Pfitzmann große Geschütze auf: "Die Terroristen haben versucht, unsere Gesellschaft zu erschüttern", meint er. "Die Innenminister haben es geschafft."


Nach seiner Beobachtung bauen deutsche Ermittlungsbehörden ihre Überwachungsmöglichkeiten immer weiter aus - und zwar äußerst geschickt auf Kosten der Telekommunikationsfirmen. Für den Informatik-Professor eine ganz logische Entwicklung: Polizei und Geheimdienste wollten wachsen, obwohl sie dazu gar keine Mittel hätten. "Die bauen eine Überwachungsinfrastruktur auf, die sie nicht selbst bezahlen müssen - siehe Toll Collect oder die Überwachungsinstrumente in der Telekommunikation."

Nach derzeitiger Planung will die Bundesregierung schon bald eine 12-monatige Vorratsdatenspeicherung einführen. Finanzieren sollen die Mammutdatenerfassung die Telekomanbieter. Diese müssten dann sämtliche Verbindungsdaten von Handys, Festnetzanschlüssen und E-Mails ein Jahr lang aufheben.

Toll Collect bietet sich ebenfalls als vielversprechende Datenquelle an. Das Konsortium beobachtet sämtliche deutsche Autobahnen mit Digitalkameras, um Mautpreller herauszufischen. Kennzeichen werden gescannt und automatisch in einer Datenbank erfasst. Was für Lkws geht, lässt sich auch für Pkws verwenden. Derzeit haben die Behörden offiziell zwar noch keinen Zugriff auf die Daten. Doch das werde bald passieren, meint Pfitzmann. "Die Geschichte ist voll von angelegten Datensammlungen, die nicht für Fahndungszwecke genutzt werden sollten. Erst war es ein Einzelfall, dann waren es fünf, dann gab es eine Regel für den Datenzugriff."

Datenschutz - wen interessiert's noch?

Widerstand gegen die immer umfassendere Überwachung unbescholtener Bürger regt sich in Deutschland kaum. Die Grünen, traditionell eher kritisch gegenüber einem neugierigen Staat eingestellt, haben die Anti-Terror-Gesetze nach dem 11. September mitgetragen. Ihre einzige Duftmarke: eine Befristung der Gültigkeit. Doch die will Schily nun möglichst auch abschaffen.

Ursprünglich war die Rot-Grüne Bundesregierung 1998 angetreten, den Datenschutz zu reformieren und zu verbessern. Die für Laien kaum verständlichen Gesetze und Zuständigkeitsregelungen sollten radikal vereinfacht werden. Doch daraus wurde nichts.

Innenminister Schily: Faible für starken Staat
AP

Innenminister Schily: Faible für starken Staat

2001 überreichten drei Datenschutz-Koryphäen dem Innenministerium ein eigens angefertigtes Gutachten - auf eine Reform das Datenschutzrechts warten die Autoren, darunter der Dresdner Informatiker Pfitzmann, bis heute. "Möglicherweise hätte sich mehr bewegt", sagt Pfitzmann, "wenn wir einen anderen Innenminister gehabt hätten, der das Thema zu seiner Herzenssache gemacht hätte."

Die FDP ist gerade dabei, das Thema Bürgerrechte und Datenschutz für sich neu zu entdecken. Sie wolle dafür sorgen, dass "große Teile des zweiten Anti-Terror-Pakets von Bundesinnenminister Otto Schily wieder im Papierkorb verschwinden", sagte Generalsekretär Dirk Niebel letzte Woche auf dem Parteitag. Zudem wolle die Partei das in Deutschland faktisch nicht mehr existente Bankgeheimnis wieder einführen.

Ottos Auferstehung

So recht glauben mag man das der FDP nicht. Schließlich hat sie in den neunziger Jahren, als sie selbst in der Bundesregierung regierte, den Ermittlern großzügig neue Schnüffelmöglichkeiten eröffnet. Der große Lauschangriff wurde 1998 mit den Stimmen der Liberalen beschlossen, einzig die vormalige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war 1995 aus Protest dagegen von ihrem Amt zurückgetreten.

Der umstrittene Lauschangriff verschaffte Otto Schily sogar ein unverhofftes Comeback. Die politische Karriere des ehemaligen RAF-Verteidigers in der SPD schien schon beendet. Nach seinem Wechsel von den Grünen zur SPD im Jahr 1989 war er zu einer politischen Randfigur geworden, ein Hinterbänkler ohne Macht und Einfluss.

Mautvorrichtung von Toll Collect: Autokennzeichen automatisch gescannt
DDP

Mautvorrichtung von Toll Collect: Autokennzeichen automatisch gescannt

Schily verhalf der umstrittenen Gesetzesänderung als SPD-Verhandlungsführer zur notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag. Sein Faible für einen starken Staat verschreckte schon damals viele seiner Parteigenossen. Der Lauschangriff wurde beschlossen, nach der Bundestagswahl 1998 machte Schröder den Rechtsanwalt zum Bundesinnenminister.

Dass die zunehmende Überwachung der Bürger schon lange vor den Anschlägen vom 11. September einsetzte, zeigt auch das Beispiel der Videoüberwachung. Ausgerechnet die Stadt Leipzig, in der 1989 die Bürger mit einer friedlichen Revolution das Ende von SED-Diktatur und Stasi-Überwachung einläuteten, begann 1996 mit der Aufstellung von Überwachungskameras. Im Herbst 1989 filmte die Stasi die Demonstranten noch in Schwarz-Weiß, einige Jahre später saßen sächsische Polizisten hinter Farbmonitoren - stets die Plätze und Straßen rund um den Hauptbahnhof im Blick.

Schlupfloch Kryptographie

Mancher Ermittler aus den alten Bundesländern schaute damals interessiert nach Leipzig. An dauerhaft installierte Polizeikameras auf öffentlichen Plätzen war zu dieser Zeit im Westen kaum zu denken. In Leipzig schon - der Sächsische Datenschutzbeauftragte gab sein Ok und die Überwachung konnte starten. Inzwischen wurde die Videoüberwachung von vielen Bundesländern in Datenschutzgesetzen verankert. Kameras laufen nun auch in Bielefeld, Düsseldorf, Mannheim, München, Regensburg und anderswo. Der Osten als Avantgarde - zumindest beim Aufbau neuer Überwachungsinstrumente.

Videoüberwachung in Leipzig: Der Osten als Avantgarde
DDP

Videoüberwachung in Leipzig: Der Osten als Avantgarde

Dabei wissen die Beamten von Polizei und Geheimdiensten nur zu genau, dass man mit immer mehr Überwachung eigentlich nur die Dummen fängt, die nicht wissen, wie man sich davor schützt. Wer nicht abgehört werden will, greift zu Krypto-Handys oder Verschlüsselungssoftware für E-Mails und Internettelefonate.

Noch schwerer zu kontrollieren sind geheime Botschaften in Blogs oder Foren, die sich hinter harmlosen Äußerungen verstecken, oder Nachrichten, die unsichtbar in Fotos integriert werden - Stichwort Steganographie. Um als Forumsbesucher unerkannt zu bleiben, genügt ein Anonymisierserver wie der von der TU Dresden betriebene Dienst JAP. JAP baut die Verbindung zwischen Surfer und gewünschter Website nicht direkt auf, sondern über mehrere Zwischenstationen, so dass eine Rückverfolgung kaum möglich ist.

Über kurz oder lang wird man in Deutschland wohl erneut über ein Verbot von Kryptographie diskutieren. Unbeobachtete Kommunikation wäre dann endgültig passé.

Diesen Artikel...
Forum - DNS-Tests und mehr - Wie neugierig darf ein Staat sein?
insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
elbgucker, 13.04.2005
---Zitat von sysop--- Der 11. September 2001 leitete weltweit einen Trend zu mehr Überwachung ein. DNS-Tests, Lauschangriff, Pässe mit Fingerabdrücken: Der Staat begründet die Einschränkung seine Neugier mit Sicherheitsinteressen - doch wie viel Neugier ist noch sicher für den Staat? Gilt es noch, dass Gelegenheit Diebe macht? Bedeutet die Möglichkeit zum Missbrauch nicht auch die Gefahr, dass dies früher oder später geschieht? Was ist wichtiger: das Recht auf informationelle Selbstbestimmung - oder ein mehr an Sicherheit? ---Zitatende--- Klar.....Sicherheitsinteressen....dazu passt: Müntefering: Die SPD braucht die Lufthoheit über den Kinderbetten...... Abhören und überwachen von Personen, denen ein Verbrechen ZUGETRAUT wird...... (Niedersachsen) Gläsernes Konto...... DNS Test NACHTRÄGLICH für verurteilte "Missetäter".... ....... O weih, ich erinnere mich noch an den Aufschrei der durch das Land hallte, nachdem die Satsiakten öffentlich wurden....PFUI!....wie kurz doch unser Erinnern ist; das, was der Staat gedenkt an Daten zu sammeln hilft NICHTS gegen den Terror, wird nicht helfen Verbrechen zu vermeiden und ist letzendlich der Ausverkauf unserer Freiheit. Missbrauch der Daten: Wo werden die Daten gesammelt? In einem Rechenzentrum! Wo gibt es ein sicheres rechenzentrum? Im Traum! Dem Missbrauch sind Tür und Tor geöffnet, sowohl durch Verbrecher als auch durch den Staat selbst. BIG BROTHER IS WATCHING YOU Und DAS genau wollen die Politiker......ob wir das wollen interessiert nicht.... Die Terroristen haben ihr Ziel erreicht, die ehemals "freien" Demokratien leben nunmehr in zunehmender Unfreiheit....und Schily und Konsorten arbeiten ihnen in die Arme (aber Schily hat ja auch schon während der RAF Prozesse gut mit dem Pack zusammengearbeitet).....
2.
Rainer Helmbrecht 13.04.2005
Wir (Demokraten) beugen uns unter echtem und unechtem Terror freiwillig mehr, als die Terroristen uns je angetan hätten. Jede Möglichkeit die sich anbietet wird genutzt, die Freiheit des Einzelnen einzu schränken. Die Unsummen, die wir zur Verhinderung von Attentaten ausgeben, würden mit Sicherheit genügen, die Armen dieser Welt komplett zu ernähren. Es ist einfach nicht mehr einsehbar, für 1 Std. Flug 2-3 Std. Wartezeit in Kauf zu nehmen. Aus lauter Angst, bezahlen wir mit unserer Freiheit und mit zuviel Geld. Die eigentlichen Terroristen sitzen in den Sicherheitszentralen, in der Politik und in den Medien. Die Opfer sind Bürger, denen man mittlerweile ALLES einreden kann. Der Mist kann garnicht groß genug sein, er wird auf jeden Fall wichtig. Sowie jemand was von Terror sagt, macht der Bürger das Portemonnaie auf und schaltet das Gehirn ab.
3. Nutzen des DNA-Fingerprints
Robert Boehm, 14.04.2005
Man sollte vielleicht zunächst noch einmal rekapitulieren, was der "genetische Fingerabdruck" eigentlich ist: Aus Hautschuppen, Haaren, Speichelresten, Blut, Sperma usw. läßt sich DNA extrahieren, die auf bestimmte, individuell eindeutige Merkmale hin analysiert werden kann. Die Merkmale, die forensisch ausgewertet werden, sind Variationen einer bestimmten Klasse sich vielfach wiederholender, einfacher genetischer Muster von wenigen Basen Länge. Die für forensische Untersuchungen herangezogenen DNA-Sequenzen sind bekannt, entsprechende molekulare Bausteine, die für die Analyse herangezogen werden, sind kommerziell erhältlich. Ebenso wie Straftäter heute durch Handschuhe dem Hinterlassen von Fingerabdrücken vorbeugen, werden sie in Zukunft Mittel und Wege finden, den DNA-Fingerprint zu täuschen. Möglichkeiten gibt es genug. Während es sehr schwierig ist, sich die Fingerabdrücke anderer Menschen zu besorgen und sie an einem Tatort zu platzieren, ist das für die Spuren, die zur Gewinnung eines genetischen Fingerabdrucks herangezogen werden, kein Problem. Jeder Straftäter, der seine Spuren verwischen möchte, kann sich den Staub aus einem öffentlichen Gebäude (Staubsaugerbeutel) oder einer medizinischen Fußpflege besorgen und diesen am Tatort verteilen. Er kann sich auch Haare aus dem nächsten Friseursalon besorgen und diese als falsche Spuren ausstreuen. Seine eigenen Spuren gehen dann mit größter Wahrscheinlichkeit im Grundrauschen unter, auch wenn die Tatortspuren von Kriminalbeamten unter dem Mikroskop vorsortiert werden. Da wie oben beschrieben nur ein sehr einfach gebautes Mekmal des Erbguts für den DNA-Fingerprint herangezogen wird, kann ein technisch versierter Straftäter sogar den Tatort mit synthetischen DNA-Fragmenten kontaminieren und damit sämtliche natürlichen Spuren überdecken. Es ist fraglich, ob die Kontrolltechniken, mit denen sich diese Fehlerquellen erkennen bzw. korrigieren lassen, in einem Routinelabor zur Anwendung kommen. Der Aufwand wächst exponentiell mit jeder Täuschungsmöglichkeit, auf die findige Straftäter kommen werden. Selbst bei Spuren von Körperflüssigkeiten wären kritisches Hinterfragen jedes Fundes und eingehende Plausibilitätsprüfung immer erforderlich, wenn es sich um ein möglicherweise geplantes und vorbereitetes Verbrechen handelt. Der Wert des neuen Verfahrens wird sich spätestens dann relativieren, wenn die Unwägbarkeiten der Probengewinnung in Gerichtsverfahren relevant werden. Das heißt nicht, daß der DNA-Fingerprint für die Polizei kein wertvolles Hilfsmittel wäre. Es soll lediglich klarstellen, daß das Verfahren den Nimbus der Unfehlbarkeit nicht verdient. Erst im Kontext mit anderen Hinweisen kann der DNA-Fingerprint vielleicht entscheidende Informationen liefern. Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten das Verfahren zu täuschen halte ich etwas mehr kritische Distanz für angebracht. Vor allem frage ich mich, zu welchem Zweck die DNA-Fingerprints eines immer weiter gesteckten Personenkreises in Datenbanken gesammelt werden. Um sich im konkreten Fall Klarheit zu verschaffen, reicht es, (nach meinem zugegebenermaßen ausschließlich technischen Verständnis) einen mehr oder weniger großen Kreis Tatverdächtiger zu testen. Für einen Schuß ins Blaue halte ich das Verfahren für ungeeignet, weil die auswertbaren Spuren am Tatort (Hautschuppen, Haare, Speichelreste, selbst kleine Mengen Blut) auf sehr unterschiedliche Art dorthin gelangt sein können und dort über Jahre liegenbleiben können. Jeder der irgendwann an diesem Ort war, kann so zum Verdächtigen werden. Wenn der DNA-Fingerprint von immer mehr Menschen in Datenbanken erfaßt werden, wird sich also zunächst der Kreis der identifizierbaren Peronen mit Bezug zum Tatort ausweiten. Es würde zunehmend schwierig, relevante Spuren von irrelevanten zu unterscheiden. Denkbar wäre, daß die gespeicherten DNA-Fingerprints als unabhängiges Autentifizierungsmerkmal verwendet werden sollen. Um den DNA-Fingerprint wie einen normalen Fingerabdruck als biometrisches Merkmal zur Identitätsfeststellung oder -verifizierung einzusetzen, fehlen (noch?) die technischen Voraussetzungen. Er läßt sich vprläufig nur in einer Laboruntersuchung ermitteln. Der wahrscheinlichste Einsatz wäre m.E. demnach wohl der zum Gegencheck des Fingerabdruck im Ausweis bei der Identitätsfestellung. Erst die Kombination zweier unveränderlicher biometrischer Merkmale würde es ermöglichen, Benutzer gefälschter Pässe zweifelsfrei zu identifizieren und Identitätsklau praktisch auszuschließen. Sollte ich mit dieser Vermutung richtig liegen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alle unseren DNA-Fingerprint abgeben müssen. Im Moment würde somit an der politischen Durchsetzbarkeit einer vollständigen Erfassung gearbeitet. Welches Menschenbild hinter einer derartigen Kontrollwut steht, frage ich mich besser nicht. Um die Frage im Forumstitel zu beantworten: Nach dem Super-GAU mit den Holerith-Maschinen sollte gerade in Deutschland klar sein, daß sich die Neugier auf das Notwendigste beschränken sollte. Die Verwendung biometrischer Verfahren geht über dieses Maß eindeutig weit hinaus. Besonders problematisch ist dabei, daß nicht einmal theoretisch die Möglichkeit vorgesehen ist, daß Betroffene ihre Daten jemals zur Einsicht, Verifizierung und Korrektur vorgelegt bekommen. Robert Boehm
4.
elbgucker, 14.04.2005
[QUOTE/]Welches Menschenbild hinter einer derartigen Kontrollwut steht, frage ich mich besser nicht.[/QUOTE] Das sollten Sie vielleicht besser tun, aber Vorsicht, das Ergebnis ist nicht sehr schön..... Ich erlaube mir kurz meine Gedanken schweifen zu lassen: Die Politik wird maßgeblich von der Wirtschaft und obskuren "Tink tanks" beeinflußt ...... Gläsernes Konto + Zahlung per Kreditkarte + eventuell Rabattkarten = Ideeales Kundenprofil Personalausweis mit biometrischen Daten + Offenlegung sämtlicher "sicherheitsrelevanten" Personendaten beim Fliegen + Bahnfahrkarten mit Namesnennung + Autos mit GPS + Handyortung = Bewegungsprofil vom Bürger Gesundheitskarte mit medizinischen Daten Irgendwann kommt der Tag, da meldet sich wer bei einem und sagt: Sie, lieber XYZ müssen, damit unsere Demokratie und Gesellschaft am Leben erhalten werden kann: 1. Weniger rauchen (Gesundheitskarte) 2. Mehr arbeiten und weniger Geld für sinnlose Sachen ausgeben (Kreditkarte, Rabattkarte) 3. Weniger Autofahren (GPS) Zudem halten Sie sich bitte von ABC fern (Handyortung) und überhaupt, warum haben Sie am ..... um .... in .... Betrag X von Ihrem Konto abgehoben, was haben Sie mit dem Geld gemacht? Aus der DDR und anderen totalitären Staaten, die wissen, dass die Mehrheit der Bevölkerung unzufrieden mit den Lebensumständen ist, wissen wir, dass die Regime ein großes Interesse daran haben, möglichst komplette Datensätze über Regimekritiker zu generieren, um einer Aktion dieser Personenkreise vorzubeugen. Warum aber hat unsere Regierung ein solch großes Interesse daran Datensätze über ALLE Bundesbürger zu sammeln? Weil sie (die Regierung) weiß, das wir mehrheitlich unzufrieden sind? Wenn sie das schon blickt, warum handelt sie nicht gemäß dem Schwur der Minister Schaden vom Deutsche Volke abzuwenden? Oder ist es kein Schaden, wenn die Bevölkerung mehrheitlich unzufrieden ist????
5. populäre Politiker
Ealasaid, 15.04.2005
Bei allem, was man in den letzten Wochen und Monaten gehört und gelesen hat (siehe auch immer wieder Heise-online) habe ich heute nur noch den Kopf geschüttelt, als ich gelesen habe, daß der Minister für Staatssich... ähm des Inneren, der nach dem Niedersachsen Wulff (zur Erinnerung: Niedersachsen ist das Bundesland, wo einer abgehört werden kann, dem zugetraut wird, eine Straftat zu begehen...) populärster Politiker sein soll! Ist die Masse in diesem Land der ehemaligen Dichter und Denker wirklich schon wieder so verblödet, wirklich so oberflächlich und desinteressiert an der Realität, wie "Emil Pelle in seiner Gartenland-Parzelle", so einen Menschen so zu bewerten? Gläserne Konten, Gesundheitskarte, Videoüberwachung, Abhören, GPS im Auto, Vorratsdatenspeicherung sämtlicher Verkehrsdaten. Das letzte Mal, als man so einen Aufwand betrieb hieß das Volkszählung und man kam dadurch an viele Menschen, die bei Religionszugehörigkeit "jüdisch" angekreutzt hatten und das ist gottlob lange her. In den 80ern tobte die Straße bei dem Versuch einer erneuten Volkszählung und jetzt? Nein, ich glaube die Terroristen haben bereits gewonnen. Wir geben unsere bürgerlichen Grundrechte mehr und mehr ab, werden wahrscheinlich sogar noch dafür bezahlen (Datenspeicherung über die Provider und Netzbetreiber, biometrische Pässe und Ausweise - kostet ja alles Geld) und unsere gewonnene Demokratie verfällt im Namen einer angeblich so gewollten Sicherheit ("mir gefällt es, ich hab ja nichts zu verbergen" - ich schon, nämlich meine ganze persönliche Privatsphäre! Die geht niemanden etwas an!) zum Totalitarismus vielleicht zum Neo-Feudalismus. War es B. Franklin, der einmal sagte, wer die Sicherheit über die Freiheit stellt, ist beides nicht wert! Recht hat er. www.stop1984.org - macht mit! Ealasaid
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: