Datenschutz-Kosmetik: Studentennetz StudiVZ verzichtet auf Schnüffel-Passus

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Nach heftigen Protesten ändert das Netzwerk StudiVZ wieder seine Regeln. Allerdings bleibt es dabei: Die personalisierte Werbung kommt - nur nicht per SMS. An Behörden will das Unternehmen Daten weitergeben, verkauft werden sollen sie nicht.

Hamburg - Zum zweiten Mal in dieser Woche verschickt das deutsche Studentennetzwerk StudiVZ seit heute Nachmittag neue Mitmach-Regeln an seine Mitglieder.

StudiVZ-Logo: "Wertvolles Feedback der Mitglieder"

StudiVZ-Logo: "Wertvolles Feedback der Mitglieder"

Erst wollte sich StudiVZ am Donnerstag per Änderungen der Geschäftbedingungen und Datenschutz-Bestimmungen eine massive Nutzung der Mitgliederdaten für Werbung erlauben lassen und provozierte mit Gummi-Formulierungen den Zorn seiner Mitglieder über die Schnüffel-Reklame. Auch Datenschutz-Experten kritisierten die Pläne.

Datenschützer und Politiker warnten vor einem "Daten-Supergau" (FDP-Innenexpertin Gisela Piltz), StudiVZ-Mitglieder schickten Protest-Nachrichten an das Netzwerk. Das Unternehmen teilt mit, "viele" Mitglieder hätten sich gemeldet und "wertvolles Feedback gegeben".

Jetzt rudert StudiVZ zurück – ein wenig zumindest. Ein paar Patzer hat man aus dem Paragraphen-Werk beseitigt, doch der Grundsatz bleibt: Wer seine Nutzerdaten (Ort, Geschlecht, Lieblingsfilme, -bücher, -songs) nicht für personalisierte Werbung hergibt, kann das StudiVZ-Netzwerk ab 9. Januar nicht mehr nutzen.

SPIEGEL ONLINE erklärt die Änderungen im Überblick:

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Forum - Personalisierte Werbung - schnüffeln pur oder gute Geldquelle?
insgesamt 143 Beiträge
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1.
DJ Doena 14.12.2007
Typisch: Alles für umme haben wollen, dann aber nicht mal die Werbung schlucken wollen.
2.
petenicker 14.12.2007
Hat irgendjemand ernsthaft daran geglaubt, Holtzbrinck hätte StudiVZ aus Jux und Dollerei gekauft?! Aber ich mache mir wenig Sorgen, die deutschen StudiVZ-Nutzer werden das im Gegensatz zu ihren Facebook-Kollegen schlucken.
3. Wozu denn auch verstecken?
maurison07 14.12.2007
Die Panik vor dem Missbrauch von persönlichen Daten ist sehr künstlich. Wir wollen alle alles im netz finden und mir sind personalisierte = auf mich zugeschnittene Spam-mails genau so egal wie unpersonalisierte, die lande sowieso alle im Filter. Die Sache ist doch die, dass der Wert, den die Communities schaffen z.Bsp. für mich höher ist, als mein Aufwand. Bei XING (www.xing.com) zahle ich für die Dienste, die mir auch nützen, bei Communities die ohne Beiträge laufen, ist Werbung doch ein gutes Refinanzierungsinstrument. Und neben kaioo, das als beta irgendwie immer noch schleppend läuft, gibt es auch schon communities, die Werbegeld wieder an user ausschütten (www.dshini.net) und laufen.
4. Lösung: Adblock Plus benutzen
chili_con_carne 14.12.2007
Da hilft nur der konsequente Einsatz von Werbeblockern. Für den Firefox gibt es die Erweiterung "Adblock Plus", damit ist werbung schnee von gestern.
5. Studi VZ hat Protestierer rausgeschmissen
Winston Smith 14.12.2007
"Doch bislang sind die Proteste ausgeblieben - obwohl StudiVZ sein Vorhaben schon vor Monaten angekündigt hat." Hallo Spiegel Online. Meines Wissens nach hat Studi VZ einer Gruppe, die sich gegen die komerzielle Erfassung ihres Privatlebens und den Missbrauch ihrer Daten wehren wollte, die Mitgliedschaft gekündigt. Die Kündigungen erfolgten dabei sehr geschickt über einen Zeitraum von mehreren Wochen verteilt, so dass die Gruppe nicht insgesamt angegriffen wurde. Außerdem ist es seit ein paar Monaten verboten, ein Foto einzustellen, auf dem das Gesicht des Nutzers nicht vernünftig zu erkennen ist (!). Auch wenn jemand sich nicht mit seinem richtigen Namen anmeldet, sondern nur mit Spitznamen oder Spaßadressen (Malediven, Hawaii etc.) angezeigt wird, droht der Rausschmiss. Da könnte es sich lohnen, sich mal umzuhören. Werbung meinetwegen, aber diese Totalerfassung geht zu weit! Vor allem kann jeder Terrorist oder finstere Lobbyist/Politiker auch bei den Adresshändlern (oder besser: privaten Geheimdiensten) einkaufen.
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