Datenschutz-Panik Warum interessiert Google mein Katzenfutter?

Google plant eine Onlinebörse, in der Werbenetzwerke Anzeigenplätze verkaufen und Nutzungsprofile auswerten können. Beobachter fürchten ein Datenschutz-Debakel. Doch die Realität ist komplizierter.

Katze in Blumenfeld: Wer Katzenblogs liest, sieht auf anderen Seiten Tierfutterwerbung
DPA

Katze in Blumenfeld: Wer Katzenblogs liest, sieht auf anderen Seiten Tierfutterwerbung


Hamburg - Wenn es ums Netz, Google und Anzeigenvermarktung geht, ist Aufregung garantiert. Eine Meldung des US-Fachmagazins "AdAge" hat in Deutschland einen Sturm der Aufregung provoziert. "AdAge" berichtet über ein Projekt namens DDP, an dem Google mit einigen anderen Unternehmen arbeite. Das Ziel: Eine Anzeigenbörse für Onlinewerbung, auf der Kunden Anzeigenplätze bei verschiedenen Werbenetzwerken buchen können.

Das interessanteste Detail: Google will bei DDP nicht nur die Anzeigenplätze der unterschiedlichen Werbevermarkter zusammenführen, sondern auch die Systeme zum Zuschneiden der Werbung auf bestimmte Nutzergruppen. Fast jedes Werbenetzwerk hat für diese Platzierung von Anzeigen basierend auf demografischen und anderen Daten ein eigenes System - Google arbeitet bei DDP laut " AdAge" an einer Standardisierung dieser Verfahren. Sprich: Wenn ein Katzenfutterproduzent seine Anzeigen nur Besuchern von Katzen-Websites zeigen will, könnte er über DDP diese Vorgabe zentral für alle angeschlossenen Werbenetzwerke eingeben.

So weit die bislang bekannten Fakten. Die Aufregung in Deutschland entstand, nachdem die " Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf den "AdAge"-Artikel meldete: "Künftig sollen Werber bei Google Daten von Verbrauchern kaufen können, mit Name, Adresse und, vor allem, nach Interessen sortiert." Unter der Überschrift "Google will Nutzerprofile direkt verkaufen" berichtete Zeit Online.

Ein Google-Sprecher bestritt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass das Unternehmen Nutzerdaten- oder -Profile verkaufe. Inzwischen haben "SZ" und Zeit Online ihre Texte online entschärft, der Vorwurf des Verkaufs von Nutzerdaten fällt nicht mehr. Doch die Deutung der Geschichte hält sich, obgleich nichts Konkretes zu DDP bekannt ist. Der Branchendienst "Kress" meldet: "Die Werbeindustrie wird jubeln, Datenschützer werden demonstrieren."

Das dürfte stimmen. Denn völlig unabhängig davon, wie Googles neue Anzeigenbörse im Detail funktionieren wird, dürfte die Vorstellung, dass jemand Onlinewerbung einfach so auf Katzenfutterfreunde zuschneiden kann, viele Menschen erschrecken. Der erste Gedanke ist: Die wissen, dass ICH Katzen habe! Tatsächlich weiß der Anzeigenvermarkter wahrscheinlich nur, dass an dem gerade verwendeten Rechner schon recht oft Katzen-Websites aufgerufen wurden. Und dann sieht man eben auch auf anderen Seiten Reklame für Katzenfutter.

Targeting, Nutzungsprofile, verhaltensbasierte Werbung - SPIEGEL ONLINE erklärt, wie die Online-Reklame funktioniert.

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
rachel_lindenbaum 14.07.2011
1. und?
1. mir wäre es lieber, wenn dank ddp beim lesen und kommentieren dieses artikels nicht eine nervig blinkende flashwerbung erschiene, sondern ein niedliches katzentier. 2. dass ich eine katze habe, weiß amazon, weiß google - und wissen 1600 follower bei twitter. 3. marketing auf diese weise ist die logische konsequenz aus dem, was google, facebook und andere tun. auf _meinem_ rechner wird mir auf _meine_ interessen zugeschnittene werbung präsentiert. so what? das netz kennt nur die fakten, die ich dem netz gebe. 4. um dem zu entgehen, schalten Sie SOFORT den rechner aus und nie wieder an. oder gehen Sie ins internetcafé. aber loggen Sie sich dort auf keinen fall in soziale netzwerke ein. panik, auweia, zu hülf: wenns wirklich mal schlimm wird, hört keiner mehr zu, weil wir alle überfüttert sind von diesen ganzen panikmachen. warum können wir nicht einmal positiv und neugierig auf das schauen, was da kommt? natürlich ist datenschutz wichtig, aber er liegt VOR ALLEM in der verantwortlichkeit des nutzers. wenn der nutzer jedem hinz und kunz im netz seinen klarnamen, geburtstag, adresse, kreditkartennummer etc. gibt, muss er sich nicht wundern, wenn diese daten unter umständen irgendwann gegen ihn arbeiten. und bevor sich alle über die datenkraken aufregen: es gibt genügend möglichkeiten, sich zu informieren. ja, das kostet zeit. aber soviel sollten Ihre daten Ihnen ja wohl wert sein.
stacheldraht07 14.07.2011
2. Werbung?
Seit Adblock (Plus) und NoScript macht sich Werbung rah im Netz. Cookies sind aus, Gegoogelt wird per Proxie und im Zweifel gibts noch das Tornetz. Das es diese Googledebatte überhaupt gibt (auch wegen "Streetview") ist ein Zeichen für Politikversagen. Das Google überhaupt erlaubt wird, mit Autos durch Deutschland zu fahren und hemmungslos zu fotografieren, zeigt doch, wie herzlich egal deutschen Politikern der Datenschutz ist, sofern sie nicht selbst betroffen sind.
sverris 14.07.2011
3. qwer
Zitat von rachel_lindenbaum1. mir wäre es lieber, wenn dank ddp beim lesen und kommentieren dieses artikels nicht eine nervig blinkende flashwerbung erschiene, sondern ein niedliches katzentier. 2. dass ich eine katze habe, weiß amazon, weiß google - und wissen 1600 follower bei twitter. 3. marketing auf diese weise ist die logische konsequenz aus dem, was google, facebook und andere tun. auf _meinem_ rechner wird mir auf _meine_ interessen zugeschnittene werbung präsentiert. so what? das netz kennt nur die fakten, die ich dem netz gebe. 4. um dem zu entgehen, schalten Sie SOFORT den rechner aus und nie wieder an. oder gehen Sie ins internetcafé. aber loggen Sie sich dort auf keinen fall in soziale netzwerke ein. panik, auweia, zu hülf: wenns wirklich mal schlimm wird, hört keiner mehr zu, weil wir alle überfüttert sind von diesen ganzen panikmachen. warum können wir nicht einmal positiv und neugierig auf das schauen, was da kommt? natürlich ist datenschutz wichtig, aber er liegt VOR ALLEM in der verantwortlichkeit des nutzers. wenn der nutzer jedem hinz und kunz im netz seinen klarnamen, geburtstag, adresse, kreditkartennummer etc. gibt, muss er sich nicht wundern, wenn diese daten unter umständen irgendwann gegen ihn arbeiten. und bevor sich alle über die datenkraken aufregen: es gibt genügend möglichkeiten, sich zu informieren. ja, das kostet zeit. aber soviel sollten Ihre daten Ihnen ja wohl wert sein.
Sie gehen von einem mündigen Nutzer aus, und den gibt es nicht. Zudem ist die technologische Entwicklung allenfalls durch ausgeprochene Experten noch zu überschauen. Daher ist die Prämisse des Datenschutzes, nicht anzunehmen, jeder könne sich über Risiken selbst ausreichend informieren. Datenschutz MUSS 'weiter unten' angreifen! Ich selbst empfehle die einschlägigen Browsererweiterungen, mit denen Tracking, Werbeeinblendung etc. unmöglich werden...
Kartenhaus 14.07.2011
4. Manchmal geht gezielte Werbung aber auch nach hinten los
Mit Addblock+ und Better Privacy hält man sich nervige Werbung vom Leibe, hat damit einen großen Teil des Problems erschlagen und freut sich über die bessere Lesbarkeit von Netzseiten. Anders (bezüglich nervender Werbung) sieht es natürlich aus, wenn man irgendwo etwas bestellt hat - z.B. bei Amazon. Da hat man für alle möglichen Familienmitglieder, Freunde und eventuel auch für Bekannte etwas bestellt und bekommt dann permanent Werbung zu den jeweiligen Themen zugeschickt. Eine feine Idee, denn ich wette, dass nicht nur ich genervt jetzt jedwede Werbung von Amazon in den Orkus schicke. Meine Gratulation, Amazon!
unsinkbar2 14.07.2011
5.
Zitat von rachel_lindenbaum1. mir wäre es lieber, wenn dank ddp beim lesen und kommentieren dieses artikels nicht eine nervig blinkende flashwerbung erschiene, sondern ein niedliches katzentier. 2. dass ich eine katze habe, weiß amazon, weiß google - und wissen 1600 follower bei twitter. 3. marketing auf diese weise ist die logische konsequenz aus dem, was google, facebook und andere tun. auf _meinem_ rechner wird mir auf _meine_ interessen zugeschnittene werbung präsentiert. so what? das netz kennt nur die fakten, die ich dem netz gebe. 4. um dem zu entgehen, schalten Sie SOFORT den rechner aus und nie wieder an. oder gehen Sie ins internetcafé. aber loggen Sie sich dort auf keinen fall in soziale netzwerke ein. panik, auweia, zu hülf: wenns wirklich mal schlimm wird, hört keiner mehr zu, weil wir alle überfüttert sind von diesen ganzen panikmachen. warum können wir nicht einmal positiv und neugierig auf das schauen, was da kommt? natürlich ist datenschutz wichtig, aber er liegt VOR ALLEM in der verantwortlichkeit des nutzers. wenn der nutzer jedem hinz und kunz im netz seinen klarnamen, geburtstag, adresse, kreditkartennummer etc. gibt, muss er sich nicht wundern, wenn diese daten unter umständen irgendwann gegen ihn arbeiten. und bevor sich alle über die datenkraken aufregen: es gibt genügend möglichkeiten, sich zu informieren. ja, das kostet zeit. aber soviel sollten Ihre daten Ihnen ja wohl wert sein.
Oh Mann, schon wieder einer von der tumben ich-hab-ja-nix- zu-verbergen-Fraktion! Denk doch mal etwas weitsichtiger. Lösche wenigstens mit Schliessen des Browsers alle Cookies. Ich empfehle Firefox mit folgenden Addons (gibts wahrscheinlich auch anders genannt für andere Browser): Cookie Safe Better Privacy Flashblock NoScript Ghostery und eventuell noch HTTPS-Everwhere Adblock Plus Element Hiding Helper for Adblock Plus
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