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Datenschutz-Problem bei IPv6: Smartphones übertragen Hardware-Kennung ins Internet

Weil die Internetadressen langsam knapp werden, werden viele Provider in diesem Jahr auf das Protokoll IPv6 umsteigen. Beim Surfen mit modernen Handys wie dem iPhone oder Android-Geräten ist dann jedoch der Datenschutz gefährdet, warnt ein Computermagazin.

Android-Handy (links) und iPhone (rechts): Privatsphäre beim Surfen im W-Lan in Gefahr Zur Großansicht
AFP

Android-Handy (links) und iPhone (rechts): Privatsphäre beim Surfen im W-Lan in Gefahr

Damit Datenpakete im Internet ihren Empfänger erreichen, brauchen Computer und Smartphones eine IP-Adresse. Das bislang verwendete Internetprotokoll IPv4 erlaubt mehr als vier Milliarden verschiedene IP-Adressen. Weil jedoch weltweit immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden werden, reichen diese Adressen schon bald nicht mehr aus. Das neue Protokoll IPv6 soll dieses Problem lösen.

Das Computermagazin "c't" warnt nun jedoch vor einem Datenschutzproblem bei dem neuen Adresssystem. Viele moderne Smartphones würden unter IPv6 unnötigerweise ihre Hardware-Kennung ins Internet übertragen. Damit könne man ihre Besitzer im Netz wiedererkennen, berichtet das Magazin in der aktuellen Ausgabe 3/11. Betroffen seien Android-Geräte und iPhones.

Die Einführung von IPv6 ist unvermeidlich, weil dem Internet ansonsten wohl noch in diesem Jahr die Adressen ausgehen. "IPv6 hingegen könnte jedem Sandkorn auf der Erde eine eigene Online-Adresse zuweisen", sagt "c't"-Redakteur Johannes Endres. In Deutschland wollten neben T-Online viele andere Provider in diesem Jahr IPv6 einführen. Der verfügbare Adressraum wird sich dann von 4,3·109 auf 3,4·1038 vergrößern.

Vermeidbares Problem

Eigentlich sollten die Anwender die Umstellung von Webseiten und Internet-Zugang gar nicht mitbekommen. Natürlich haben Apple und Google in ihre aktuellen Handy-Betriebssysteme die IPv6-Technik bereits eingebaut. Beim Erstellen der neue IP-Adressen hätten sie sich jedoch keine Mühe gegeben, kritisiert Endres. Die Geräte fabrizierten die Adresse großenteils aus der Gerätenummer (MAC-Adresse). Infolgedessen meldeten sich die Smartphones, sofern sie sich aus einem W-Lan verbinden, bei jedem IPv6-tauglichen Server mit einer weltweit eindeutigen Kennung.

Somit sei die Privatsphäre der Anwender dieser Geräte nach der Umstellung auf IPv6 gefährdet. Datensammler könnten registrieren, wie häufig und wie lange jemand auf bestimmten Webseiten unterwegs war und was er dort getan hat. "Smartphones sind persönliche Geräte, deshalb kann man das beobachtete Surfverhalten auf eine konkrete Person beziehen", warnt c't-Experte Endres.

Das Datenschutzproblem ist eigentlich unnötig, denn in IPv6 gibt es Privacy Extensions, die eigens zum Schutz der Nutzer konzipiert wurden. Wird diese Option genutzt, ist die Identifizierung einzelner Geräte anhand der IPv6-Adresse unmöglich. So wird es unter Windows 7 gemacht, unter Mac OS kann man es einschalten. Apple und Google hätten sich jedoch aus unerfindlichen Gründen entschieden, die Privacy Extensions in iPhones und Android-Geräten nicht zu aktivieren, moniert das Magazin.

hda

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