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Terrorbekämpfung: Cameron will verschlüsselte Chats abhören - oder gleich ganz verbieten

Premierminister Cameron: "Terroristen keinen sicheren Raum zur Kommunikation einräumen" Zur Großansicht
AFP

Premierminister Cameron: "Terroristen keinen sicheren Raum zur Kommunikation einräumen"

Großbritanniens Premier David Cameron will, dass seine Geheimdienste alle Kommunikationskanäle abhören können. Zur Not müssten verschlüsselte Chats eben per Gesetz untersagt werden.

London - Der britische Premierminister David Cameron hat sich zu einer weitreichenden Überwachung zum Schutz vor Terroristen bekannt. "Wenn ich Premierminister bleibe, werde ich für umfassende Rechtsvorschriften sorgen, die gewährleisten, dass wir Terroristen keinen sicheren Raum zur Kommunikation einräumen", sagte er in einer Rede.

Um das technisch zu ermöglichen, müssten die Behörden die verschlüsselte Kommunikation von Chatprogrammen wie WhatsApp oder Apples iMessage abhören können. Eine Maßnahme, für die Cameron sich starkmachen will, zur Not indem er verschlüsselte Chat-Protokolle in seinem Land verbietet. Cameron betonte, es gehe ihm nicht nur um die Kommunikationsmetadaten, sondern vor allem um die Inhalte.

Die Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris zeigten deutlich, dass solche Maßnahmen zwar ein Eindringen in die Privatsphäre darstellten, aber gerechtfertigt seien, sagte Cameron.

Solche Aussagen sind natürlich auch im Zusammenhang mit dem aktuellen Wahlkampf zu sehen: Am 7. Mai 2015 stehen in Großbritannien die landesweiten Wahlen an. Cameron wird sich erneut für die Einführung des Data Communications Bill einsetzen: Der Entwurf des von Kritikern sogenannten Schnüffelgesetzes sieht unter anderem eine zwölfmonatige Vorratsdatenspeicherung und das Umgehen von SSL-verschlüsselter Kommunikation vor. Der Entwurf war von den Liberaldemokraten 2013 blockiert worden.

Dabei sind die Gesetze in Großbritannien schon jetzt rigoros: Ein Student, der sich weigerte, seine Passwörter herauszugeben, muss für sechs Monate ins Gefängnis. Mit seiner Verweigerung blockierte er die Ermittlungen zu einem eher kleinen Hackerangriff, den er selbst begangen hatte - das war ein Verstoß gegen das RIPA-Gesetz (Regulation of Investigatory Powers Act), welches die Überwachung der Telekommunikation in Großbritannien regelt.

Schon im Sommer 2011 forderte Cameron anlässlich der Massenunruhen in London, mutmaßliche Kriminelle über Twitter und andere Online-Kanäle verfolgen und abhören zu können.

abr

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insgesamt 106 Beiträge
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1. Die Spinnen die Briten
larry_lustig 13.01.2015
(frei nach Obelix) Ein Angeklagter in GB muss sich also selbst belasten? Keine Unschuldsvermutung? Kein Recht auf eine private Kommunikation?
2.
_stordyr_ 13.01.2015
"Wenn ich Premierminister bleibe, werde ich für umfassende Rechtsvorschriften sorgen, die gewährleisten, dass wir Terroristen keinen sicheren Raum zur Kommunikation einräumen" nice, und der Bevölkung natürlich aucn icht mehr. How is this democracy Mr. Premierminister?
3. Vorstufe zur Diktatur
caligus 13.01.2015
Es fehlt nicht mehr viel, und die Demokratien dieser Welt fallen ihrem eigenen Absicherungswahn zum Opfer. Man stelle sich das mal vor: Es gab einmal eine Zeit, in der es selbstverständlich war, dass eine Abhörung nur nach gerichtlichem Beschluss, nach konkretem Tatverdacht, vorgenommen werden durfte. Diese ganz wesentliche Einschränkung eines Rechtsstaates, zum Schutze der Demokratie, somit zum Schutz des Einzelnen und seiner Privatsphäre, soll nun völlig in die Tonne gekippt werden? Man mache sich bitte nichts vor: Erfasste Daten werden nicht nur zur Terrorbekämpfung genutzt werden. Die nächste Stufe wird sein festzustellen, wer gegen eine amtierende Regierung ist - und wer dafür. Und entsprechende Maßnahmen werden eingeleitet werden. Das ist kein Horror-Szenario; das ist Logik!
4. Perfide
humble_opinion 13.01.2015
So langsam dürften die Terroristen damit große Teile ihrer Ziele erreichen. Teile des Westens drohen zu Überwachungsstaaten zu werden (resp. sind es schon). Die Menschen müssen überlegen, was sie kommunizieren. Wieviele und welche Teile der Presse bereits die 'Schere im Kopf' haben ist schwer abzuschätzen. Das Perfide dabei: sie spielen genau den Leuten im Westen in die Hände, die aus Macht- und Geldgier genau dasselbe wollen.
5. Ein Alptraum...
berock 13.01.2015
... und wer überwacht die Überwacher? Und was hätte das alles gebracht?
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Zum Autor
  • Andreas Brohme
    Gadgets, Apps, neue Technologien - der Hamburger Andreas Brohme schreibt seit über 20 Jahren über Neues aus Digitalien. In seiner Freizeit spielt er - ganz analog - vor allem Gitarre.

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