Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Fotograf gegen Wikipedia: Wikimedia weigert sich, Affen-Selfie offline zu nehmen

Affen-Selfie (auf einer Wikipedia-Seite): Streit ums Copyright Zur Großansicht

Affen-Selfie (auf einer Wikipedia-Seite): Streit ums Copyright

Wem gehört das Bild, wenn ein Affe den Auslöser betätigt? Über diese Frage wird seit einigen Jahren diskutiert, jetzt will ein Fotograf vor Gericht ziehen. Wikimedia hatte sich geweigert, ein entsprechendes Tierfoto offline zu nehmen.

Die Wikimedia Foundation sieht keinen Grund, ein Affen-Selfie aus dem Netz zu nehmen - das ist die kurioseste Erkenntnis aus einem Transparenzbericht, den die Förderorganisation der Online-Enzyklopädie Wikipedia am Mittwoch veröffentlicht hat. Konkret geht es um eine Serie von Aufnahmen, die mit der Kamera des englischen Tierfotografen David Slater entstand.

"Wir machten gerade eine Pause, als sich ein Affe meinem Stativ mit der Kamera näherte. Er war fasziniert von diesem Ding", erzählte Slater vor drei Jahren dem Magazin Dein SPIEGEL. "Dann fand er den Auslöser und schoss Hunderte von Bildern. Nach einiger Zeit verlor er die Lust, da konnte ich mir die Kamera zurückholen."

Die ungewöhnlichen Affenbilder gingen 2011 um die Welt, außer in vielen Online-Magazinen landeten sie schließlich auch in der Bildersammlung Wikimedia Commons. Deren Inhalte dürfen zu bestimmten Zwecken frei verwendet werden. David Slater scheint das nicht gefallen zu haben: Er forderte Wikimedia auf, die Bilder zu löschen. Zwischenzeitlich verschwanden die Motive laut dem britischen "Telegraph" mehrfach aus Commons, sie wurden dort jedoch immer wieder neu hochgeladen. Darüber, wer das Copyright bei Tier-Selbstaufnahmen hält, war schon 2011 im Netz debattiert worden.

Slater will jetzt vor Gericht ziehen

Wie jetzt aus dem Transparenzbericht hervorgeht, hält es Wikimedia grundsätzlich wohl für zulässig, die Affenbilder zu zeigen. Ein Fotograf habe behauptet, er besitze das Urheberrecht an den Bildern, heißt es mit der Zeitangabe "Januar 2014": "Wir haben das anders gesehen, also haben wir die Anfrage abgelehnt."

Für Fotograf Slater scheint der Kampf um die Bild-Hoheit damit aber noch nicht beendet zu sein: Wie der britische "Telegraph" berichtet, sieht er sein Einkommen dadurch gefährdet, dass das Bild bei Wikipedia auftaucht. Slater will die Sache nun auf juristischem Weg klären. "Wenn der Affe das Bild gemacht hat, hat er das Urheberrecht - das ist ihr Grundargument", zitiert ihn der "Telegraph". "Was sie nicht verstehen, ist, dass so etwas von einem Gericht geklärt werden muss."

Insgesamt haben Wikipedia laut des Transparenzberichts zwischen Juli 2012 und Juni 2014 304 Änderungs- oder Löschanfragen erreicht, die allesamt nicht umgesetzt wurden. 54 Anfragen kamen aus den USA und 21 - die zweitmeisten - aus Deutschland. 25-mal ging es dabei um die englischsprachige Wikipedia, achtmal um die deutsche.

Im genannten Zeitraum setzte sich Wikimedia außerdem mit 58 DMCA-Anfragen, also Copyright-Beschwerden, auseinander. Davon habe man knapp 40 Prozent akzeptiert, heißt es im Bericht, die anderen wurden angefochten.

mbö

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. echt affig, ...
charliebrown67 06.08.2014
... aber ganz unrecht hat der Fotograf nicht.
2. Wikipedia?
thomas.mann1 06.08.2014
Wer bitte verlässt sich denn auf diese 'Selbstdarsteller'-Datenbank. Da gibts genug andere Portale für die "Wahrheit".
3. Hmmmmmmm
PeterPan95 06.08.2014
"Wenn der Affe das Bild gemacht hat, hat er das Urheberrecht - das ist ihr Grundargument", zitiert ihn der "Telegraph". "Was sie nicht verstehen, ist, dass so etwas von einem Gericht geklärt werden muss." Wären alle immer einer Meinung, bräuchte man keine Gerichte. Wenn es wirklich sein Einkommen bedroht, kann er sich ja sonst ne einstweilige Verfügung holen (wenn er nen Richter findet der das auch so sieht wie er, nämlich dass er das Urheberrecht an den Bildern hat, die jemand anderes geknipst hat, was ja irgendwie unmöglich ist). Wie ist das juristisch eigentlich bei Fotofallen, bspw. Radarfallen? Wer hat da das Urheberrecht? Schließlich drückt der Autofahrer ja irgendwie selber auf den Auslöser...^^
4.
spon-facebook-10000221241 06.08.2014
Als ob das Fotomachen nur aus auf-den-Abdrücker-drücken bestände. Wer ist in den Dschungel gefahren und hat die Kameras aufgebaut? Der Fotograf. Klar hat er Glück gehabt, aber trotzdem hat der die Rahmenbedingungen geschaffen...
5. Hmmm, knifflig
quark@mailinator.com 06.08.2014
Das Urheberrecht steht ja nunmal dem Autoren der künstlerischen Leistung zu. Wer Leinwand und Farbe, Architekturcomputer oder Marmorblock und Meißel besitzt, ist unerheblich. Fakt ist, daß der Fotograf zwar der Besitzer der Kamera ist, aber (selbst) keine künstlerische Leistung erbracht hat. Er hatte auch keine Vision, welche er dann von anderen hat umsetzen lassen ... D.h. ich sehe nicht, wie er ein Copyright haben will. Wäre der Affe ein Haustier in seinem Besitz und würde man dem Affen ein Urheberrecht zugestehen, dann könnte es anders aussehen. Aber der Affe wußte nicht, daß er Fotos macht, hat also auch keine künstlerische Lesitung erbracht ... und also auch kein Urheberrecht ... und er gehört dem Fotografen ohnehin nicht ... Also kommt man über Urheberrecht wohl schon mal nicht weiter. Die Bilder könnten ein Wertgegenstand sein, welchen der Fotograf gefunden hat. Da es sich um ein herrenloses Fundstück handelt (Affe kann nichts besitzen), kann es nicht zurückgegeben werden ... könnte aber auch dem gehören, dem das Land gehört, auf dem die Sache gefunden wurde ... da ist das englische Recht anders als unseres. Funny :-) ... Ich bin irgendwie sicher, daß die deutschen Organisationen wie Gema etc. einen Grund finden werden, warum dafür Geld an sie fließen muß.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: