DDoS-Angriff "Süddeutsche"-Website zeitweise lahmgelegt

Netzangriff auf die Freiheit der Presse: Unbekannte haben die Website der "Süddeutschen Zeitung" am Donnerstag zeitweise lahmgelegt. Massenhafte Abfragen blockierten die Server.


Hamburg - Die Nachrichtenseite sueddeutsche.de, der Webauftritt des "SZ Magazins" und die Jugendseite jetzt.de waren am Donnerstag zeitweise nicht erreichbar. Unbekannte hatten massenhafte Abfragen an die Server geschickt, eine sogenannte DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service; Siehe Infokasten), so die Redaktion. Insgesamt seien die Websites mehrere Stunden nicht oder nur eingeschränkt erreichbar gewesen, berichtet sueddeutsche.de. Auf die ersten Angriff um die Mittagszeit folgte eine weitere Auszeit am Abend.

Der Chefredakteur von sueddeutsche.de, Stefan Plöchinger, sagte: "Es war eine DDoS-Attacke mit 200.000 Anfragen pro Sekunde, wo tausend üblich sind." Der Angriff sei gezielt gewesen. Die Redaktion habe daraufhin beschlossen, Nachrichten über Twitter zu verbreiten und andere Kanäle zu nutzen. Eine Anzeige werde geprüft, so Plöchinger. "Ein solcher Angriff aus der Anonymität ist nicht gerade ein Zeichen bürgergesellschaftlicher Reife."

Eine Gruppe namens Team Medusa, die diesen Monat mit DDoS-Angriffen das Blog von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück lahmgelegt hatte, distanzierte sich am Donnerstag von dem Angriff auf sueddeutsche.de.

Ausfälle großer Nachrichtenseiten durch Hackerangriffe sind in Deutschland selten. Die Hacker-Ethik, nach der Informationen frei sein müssen und der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, unbegrenzt und vollständig sein soll, schließt DDoS-Angriffe auf Medien aus. Auch das Web-Kollektiv Anonymous hat sich deutlich gegen Web-Angriffe auf Medien ausgesprochen.

ore

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