Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Denial-of-Service-Attacken: China meldet größten Cyber-Angriff in seiner Geschichte

Nutzer in einem Internet-Café in Peking: Server des Landes lahmgelegt Zur Großansicht
DPA

Nutzer in einem Internet-Café in Peking: Server des Landes lahmgelegt

China spricht vom größten Hackerangriff seiner Geschichte: Zwei Stunden lang wurden am Wochenende die Server lahmgelegt, die den Internetverkehr des Landes regeln. Viele chinesische Webseiten waren zeitweilig nicht oder nur schwer erreichbar.

Für chinesische Internetnutzer ging am frühen Sonntagmorgen fast gar nichts mehr: Wer Webseiten mit der Landes-Endung .cn aufrufen wollte, musste lange auf Antwort warten. Viele Aufrufe gingen ganz ins Leere. Grund dafür ist ein massiver Angriff durch DDos-Attacken, teilte das chinesische Internet-Netzwerk-Informationszentrum CNNIC am Dienstag mit. Die staatliche Stelle spricht vom bislang größten Hackerangriff seiner Geschichte.

Streng genommen handelt es sich bei sogenannten Denial-of-Service-Angriffen (DDoS) um gar keinen echten Hackerangriff. Es wird dabei in kein System eingedrungen, sondern die Server werden durch massenhafte, gleichzeitige Anfragen überlastet. In der Regel werden solche Angriffe mit Hilfe von Botnets durchgeführt, also über Netze aus gekaperten Rechnern, die aus der Ferne gesteuert werden können.

Die Attacken gegen China sollen das DNS-System des Landes am Sonntag für zwei Stunden lahmgelegt haben, zunächst um 2 Uhr morgens, dann ein weiteres Mal um 4 Uhr morgens, schreibt das "Wall Street Journal" (WSJ).

Bei "CNNMoney" heißt es, es seien nicht nur alle Adressen mit der Endung .cn betroffen gewesen, sondern auch der populäre Microblogging-Dienst Sina Weibo. Einen Verantwortlichen für die Angriffe benannte das Informationszentrum nicht. Vermutungen, der Angriff hänge mit einer Welle von Verhaftungen prominenter Blogger und Internet-Aktivisten zusammen, konnten bisher nicht bestätigt werden.

Am Montag war das Problem offenbar behoben, denn die Nutzer konnten die gewünschten Seiten wieder wie gewohnt ansteuern - und erhielten Antwort ohne Verzögerung, berichtet das "WSJ".

Washington hat Peking bereits mehrfach für Cyber-Attacken in den USA verantwortlich gemacht. China weist die Vorwürfe jedoch stets zurück und betont, es sei selbst Opfer von Internet-Angriffen.

juh/afp

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
metafa 27.08.2013
Das Internet ist dafuer ausgelegt, um den Wegfall von einem Server bzw. etwas allgemeiner: einem zentralen Punkt, zu verkraften. Und nicht nur zu verkraften, sondern ihn mit Leichtigkeit zu meistern. TCP/IP ist in der Hinsicht einfach eine geniale Erfindung! Wenn man jetzt allerdings den Internetverkehr eines Landes ueber EINE zentrale Stelle leitet (weil man ja UNBEDINGT "Korrekturen" vornehmen koennen will), dann verliert man diesen Schutz durch Dezentralisierung naturgemaess, und damit macht sich China scheinbar zu einem, was digitales angeht, sehr verwundbarem Ziel.
2. Angriff auf das Domain Name System
st.esser 27.08.2013
Zitat von metafaDas Internet ist dafuer ausgelegt, um den Wegfall von einem Server bzw. etwas allgemeiner: einem zentralen Punkt, zu verkraften. Und nicht nur zu verkraften, sondern ihn mit Leichtigkeit zu meistern. TCP/IP ist in der Hinsicht einfach eine geniale Erfindung! Wenn man jetzt allerdings den Internetverkehr eines Landes ueber EINE zentrale Stelle leitet (weil man ja UNBEDINGT "Korrekturen" vornehmen koennen will), dann verliert man diesen Schutz durch Dezentralisierung naturgemaess, und damit macht sich China scheinbar zu einem, was digitales angeht, sehr verwundbarem Ziel.
Das stimmt zwar - wenn ich den Artikel richtig verstehe ist aber etwas anderes passiert: Die DNS-Server für ".cn" wurden überlastet, also die Umsetzung von Namen in IP-Adressen (die aus einer Folge von Zahlen bestehen). Für den "naiven" Nutzer sieht das so aus, als wäre das Zielsystem nicht erreichbar. Ob die Filterung diesen Angriff auf die Namensauflösung verschlimmert hat, kann ich nicht sagen. Die Filterung könnte umgekehrt auch dazu dienen, die Angriffs-Pakete abzufangen. Solche Angriffe auf DNS sind nicht neu und ein grundsätzliches Problem, das nur schwer in den Griff zu bekommen ist.
3. Cyber-Angriff der NSA
derunbestechliche 27.08.2013
Führt jetzt die NSA, wie so oft in der Vergangenheit, wieder Cyberkrieg gegen China? Eine Cyberattacke in diesem Ausmaße wäre aus der Sicht der USA ein Kriegsgrund. Die Chinesen verleumden und selber (mit Prisma und Tempora) für die weltweit größte Internet-Überwachung und die umfassendsten Cyberattacken verantwortlich sein.
4. Geschieht ihnen recht.
NoName2 27.08.2013
Wenn ich den Artikel richtig verstehe ist am WE genau das passiert, was sonst die Chinesen versuchen – wenn auch die Methode etwas hart erscheint. So wurde durch den Angriff wohl versucht Intelligence Property (IP) zu stehlen. Die Annahme, dass hierzu Bots verwendet wurden halte ich für weit hergeholt – immerhin sind Botfliegen Parasiten und greifen in keinster Weise die DNS an. Näher liegt hier der Verdacht, dass Tetrachlorphenol (TCP) in grossen Mengen Server-viert wurde um DNS zu schädigen. Die Betroffenen konnten daher auf keinerlei Anfragen mehr anworten.
5. Damals...
mr.ious 27.08.2013
Zitat von st.esserDas stimmt zwar - wenn ich den Artikel richtig verstehe ist aber etwas anderes passiert: Die DNS-Server für ".cn" wurden überlastet, also die Umsetzung von Namen in IP-Adressen (die aus einer Folge von Zahlen bestehen). Für den "naiven" Nutzer sieht das so aus, als wäre das Zielsystem nicht erreichbar. Ob die Filterung diesen Angriff auf die Namensauflösung verschlimmert hat, kann ich nicht sagen. Die Filterung könnte umgekehrt auch dazu dienen, die Angriffs-Pakete abzufangen. Solche Angriffe auf DNS sind nicht neu und ein grundsätzliches Problem, das nur schwer in den Griff zu bekommen ist.
..in der "Vor-Snowden" Ära der Cyberwelt, da kursierten auch schon solche Meldungen die ganz eindeutig annhemen liessen, daß da jemand die Funktionsweise nicht nur grundsätzlich in schwer in den Griff bekommt, sondern eher gar nicht. Liest sich aber immer sehr interessant, dieses "im Prinzip" erklärte "Problem".
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



So funktioniert das DNS-System
DNS ist das Kürzel für "Domain Name System" und steht für eine Technik, die es erheblich erleichtert, das Internet zu benutzen. Das dem Internet als Netzstandard zugrunde liegende Internet-Protocol (IP) legt fest, dass jede Website durch eine aus vier Zahlen zusammengesetzte, vier- bis zwölfstellige IP-Adresse identifiziert wird. Im Grunde müsste man beim Websurfen deshalb immer Adressen nach dem Muster 195.71.11.67 (SPIEGEL ONLINE) in die Adresszeile des Browsers eingeben. Doch wer könnte sich schon die IP-Adressen all seiner Lieblings-Websites in dieser Form merken?

Als Lösung für dieses Problem wurde das DNS-System entwickelt. Dabei handelt es sich um Datenbanken, in denen jeder IP-Adresse ein für Menschen verständlicher Name zugeordnet ist. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt eine solche Datenbank die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Weil aber eine einzige Datenbank nicht ausreichen würde, um die Anfragen aller Internetnutzer zu beantworten, gibt es davon etliche Kopien, welche die Zugangsanbieter auf ihren eigenen DNS-Servern bereithalten und deren Datenbestände regelmäßig untereinander abgleichen.

Zudem bleibt es oft nicht bei einer einzigen DNS-Anfrage, wenn eine Seite aufgerufen wird, da es in der Natur des Web liegt, Seiten miteinander zu vernetzen. Beispielsweise wenn Bilder, Texte oder Videos aus anderen Quellen eingebunden werden, können beim Aufruf der Seite mehrere DNS-Anfragen nötig sein, um alle Inhalte laden zu können - und das kann Zeit kosten.

Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: