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Bericht der Regierung: De-Mail hat zu wenig Nutzer

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Werbung für "De-Mail mit Web.de": Kompliziert, teuer, unsicher

Nur eine Million Privatpersonen nutzen bisher De-Mail - oder haben zumindest ein Konto. Ein Bericht der Bundesregierung zeigt, warum das rechtssichere E-Mail-Verfahren so wenig Erfolg hat.

"Wir führen De-Mail flächendeckend ein", heißt es auf Seite 19 der Digitalen Agenda der Bundesregierung (Broschüre zum Download). Der Dienst zur "sicheren, vertraulichen und nachweisbaren" Kommunikation im Internet soll Privatleuten wie Unternehmen eine rechtsverbindliche Kommunikation ermöglichen. Überraschenderweise findet man den Begriff De-Mail in dem 40-seitigen Dokument, das die Eckpunkte des digitalen Wandels für Deutschland abstecken soll, lediglich drei Mal.

Dass es mit der Verbreitung des umstrittenen E-Mail-Dienstes tatsächlich nicht zum Besten steht, zeigt spätestens der jetzt erschienene Bericht der Regierung mit dem sperrigen Titel "Zwischenbericht der Bundesregierung nach Artikel 4 des Gesetzes zur Regelung von De-Mail-Diensten und zur Änderung weiterer Vorschriften" (PDF).

Die im Papier genannten Nutzerzahlen sind ernüchternd: Gerade einmal eine Million Privatanwender und eine "hohe fünfstellige Zahl von identifizierten Organisationen" verfügen demnach über De-Mail-Konten. Wie oft diese Konten wirklich aktiv genutzt werden, dürfte noch einmal auf einem anderen Blatt stehen.

Verzögerter Start, unzureichende Verschlüsselung

Als einen Hauptgrund dafür, dass der Dienst die "kritische Masse" nicht erreicht, nennt der dreiseitige Bericht die erheblichen Verzögerungen bei der Einführung. Das im Mai 2011 in Kraft getretene De-Mail-Gesetz sah vor, dass De-Mail im Sommer desselben Jahres startet. Stattdessen dauerte es noch ein bis zwei Jahre länger, bevor die akkreditierten Anbieter den Service ausrollen konnten.

Deshalb seien auch die bisherigen Erfahrungen mit dem Dienst zu gering, um sicher festzustellen, was noch angepasst oder ergänzt werden müsste. Dabei ist zumindest bei der vielfach kritisierten nicht vollständigen Verschlüsselung des Dienstes schon länger Anpassungsbedarf erkennbar. De-Mails werden zwar mit einer Transportverschlüsselung übertragen, aber auf den Servern der Unternehmen unverschlüsselt zwischengespeichert. Darüber allerdings steht in dem Bericht nichts. Vielleicht, weil der Bundestag De-Mail entgegen vieler Expertenmeinungen einfach per Gesetz als sicher erklärt hat.

Teuer und kompliziert

Auch die oft hohen Kosten für die Teilnahme am De-Mail-Verfahren dürften viele potenziell Interessierte abschrecken. Beispiel Telekom: Hier dürfen Privatkunden monatlich drei De-Mails gratis versenden, jede weitere kostet 39 Cent. Unternehmen, die etwa das Paket "Business De-Mail 1000" nutzen möchten, müssen dafür eine Grundgebühr von 268,87 Euro zahlen, wie die aktuelle Preisliste für Geschäftskunden zeigt.

Anbieter wie die 1&1-Marken Web.de und GMX bieten De-Mails für Privatkunden aber mittlerweile kostenlos an. Auch mag manchen die kompliziert erscheinende Registrierungsprozedur abschrecken - sie ist jedoch für einen rechtssicheren E-Mail-Verkehr unabdingbar.

Um zumindest drei Jahre Erfahrung mit De-Mail zu sammeln, gibt sich die Bundesregierung Zeit bis 2016, um einen "fortführenden Bericht zu erforderlichen Weiterentwicklungen" anzufertigen. Immerhin habe die in der digitalen Agenda angekündigte Arbeitsgruppe ihre Arbeit mittlerweile aufgenommen, so der Bericht. Ob das reicht, um die "flächendeckende Einführung von De-Mail zu beschleunigen", wie es die Digitale Agenda vorsieht, bleibt abzuwarten.

abr

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Das ist die grösste Lachnummer....
Donald Knapp 24.02.2015
....ich hab auch son Konto. Weil ich dafür € 40 bekommen habe. Wir sind da mit der halben Firma hin und haben uns registrieren lassen. Danach haben wir den Quatsch wieder vergessen. Diese Million ist kompletter Unsinn.
2. Welch großes Wunder!
Rollerfahrer 24.02.2015
Bei dem Konzept ging es primär darum, den Leuten Sicherheit vorzugaukeln und um Geschäft zu machen! Da hat sich die Politik mal wieder eingemischt, anstatt klare Vorgaben der Rahmenbedingungen machen zu lassen. Gut so, daß kaum einer den Scheiß haben will!
3. Kein Wunder eigentlich
arkon_de 24.02.2015
Ein System das nur qua Rechtsverordnung für sicher erklärt wurde ist ja nun auch nicht das was man als sicheres System bezeichnen würde. Für normale Verbaucher hat es eigentlich nur Nachteile, man wird sogar gezwungen einen Email-Account abzurufen will man keine rechtlichen Nachteile in Kauf nehmen. Es gibt keine Ende-zu-Ende-Verschlüßelung. Nein, mir erschliesst sich der Sinn darin nicht. Vorallem das es mit dem EPA eine möglichkeit gäbe in relativ kurzer Zeit flächendeckend Signaturen auszurollen und ein wirklich authentifizierendes und sicheres System aufzubauen.
4. ohne vernünftige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ...
bloßich 24.02.2015
ohne vernünftige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird das auch nichts. Das Konzept ist ja nun gerade für solche Anwendungen gedacht, die besondere Wichtigkeit haben. Wenn ich dabei aber geradezu gezwungen bin "unverschlüsselt" zu senden, dann nehm ich doch lieber den Brief oder mach den z.b. Behördengang eben persönlich ...
5. Einrichten und Vergessen
ptb29 24.02.2015
das ist der richtige Ausdruck. Man kann damit nichts anfangen. Und lachhaft ist natürlich, dass dieser unsichere Quatsch per Gesetz als sicher eingestuft wurde.
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Zum Autor
  • Andreas Brohme
    Gadgets, Apps, neue Technologien - der Hamburger Andreas Brohme schreibt seit über 20 Jahren über Neues aus Digitalien. In seiner Freizeit spielt er - ganz analog - vor allem Gitarre.

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