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Cover der eigenen Songs: Rockband Def Leppard trickst Plattenfirma aus

Die britische Rockband Def Leppard verkauft im Internet Cover-Versionen ihrer eigenen Songs. Mit diesem Trick wollen die Musiker am unvorteilhaften Plattenfirmen-Vertrag vorbei und wieder Herr der eigenen Karriere werden. Der Plan scheint aufzugehen.

Musiker von Def Leppard (Juni 2012): "Egal, was Ihr wollt. Die Antwort ist nein." Zur Großansicht
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Musiker von Def Leppard (Juni 2012): "Egal, was Ihr wollt. Die Antwort ist nein."

Hamburg - Die Plattenfirma beteilige sie nicht genug an den Digitalumsätzen, findet die Rockband Def Leppard. Man werde so lange nicht mit der Plattenfirma Universal Music Group (UMG) reden, erklärt Sänger Joe Elliott dem Branchenmagazin Billboard.com, bis man Einigkeit über Vergütungen, insbesondere der von digitalen Downloads, erzielt habe. Solange verkaufe die Band eben die eigenen Songs selbst im Internet - als neu aufgenommene Cover-Versionen. Denn die sind von den Verwertungsrechten der Plattenfirma nicht betroffen.

Die Band, die von den siebziger bis achtziger Jahren international große Erfolge feierte, sieht sich durch einen alten Vertrag mit der UMG behindert. Ein großer Teil des Bandmaterials sei online nicht verfügbar, weil zwischen Plattenfirma und Band keine Einigung erzielt werden konnte. Die Neuveröffentlichung ist nun ein Trick der Band, mit den eigenen Songs ins Internet zu gehen - egal, was der alte Vertrag sagt: "Wenn man sich mit dem Ex-Plattenlabel zofft, das nicht bereit ist, dich fair zu bezahlen, und wir die Möglichkeit haben zu sagen: 'Na gut, dann halt nicht', dann passiert so etwas eben."

Diesem alten Vertrag nach, könne UMG "ohne unser Einverständnis nichts mit unserer Musik machen - gar nichts! Also haben wir ihnen einfach einen Brief geschrieben, in dem stand: 'Egal, was ihr wollt, die Antwort ist nein. Also fragt erst gar nicht." Das war unser Abschied. Wir haben unseren Backkatalog mit brandneuen, exakt gleichen Versionen ersetzt." Und bei großen Online-Shops hochgeladen.

Auf der Band-Website wird wenig Tamtam um die Rock-Meuterei gemacht: Die beiden neu aufgenommenen Singles "Rock of Ages" und "Pour Some Sugar on Me" werden bei iTunes und Amazon vertrieben; als Plattenfirma gibt die Band dort Bludgeon Riffola/Mailboat Records an - kleinere Labels, mit denen sie schon seit den siebziger Jahren zusammenarbeiten.

Laut Billboard.com dürfte das Manöver aufgegangen sein: Innerhalb eines Monats habe die Band über Online-Shops die Single "Pour Some Sugar on Me" in den USA 21.000-mal und "Rock of Ages" 5000-mal verkaufen können. Sobald die laufende Tour vorbei sei, werde man noch mehr Songs neu aufnehmen und online bereitstellen - und parallel an einem neuen Album arbeiten.

kno

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Ironie?
lordas 09.07.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie britische Rockband Def Leppard verkauft im Internet Cover-Versionen ihrer eigenen Songs. Mit diesem Trick wollen die Musiker am unvorteilhaften Plattenfirmen-Vertrag vorbei und wieder Herr der eigenen Karriere werden. Der Plan scheint aufzugehen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,843348,00.html
Und genau deswegen müssen wir die Rechte von Verlegern, Musiklabel, usw. stärken! Es kann jawohl nicht angehen, dass sich die Kreativen an der Leistung der Verwerter vorbei bereichern. Die haben schließlich auch immense Kosten. Erst laden sich pickelige Teenager Filme und Musik umsonst im Internetz runter, anstatt ihr millionenschweres Taschengeld dafür auszugeben und nun das. Jetzt greifen schon die Künstler den armen Verwertern in die Taschen. Natürlich ohne an die armen Sekretärinnen zu denken, denen jetzt das Gehalt gekürzt wird. Wir brauchen dringend Vorratsdatenspeicherung, denn nur so können wir den Standort Deutschland sichern. Schlimmer als jede Weltwirtschaftskrise ist das.
2. so gehts...
bluemetal 09.07.2012
Ach Def Leppard. Anfang der 80er habei ich euch geliebt. Da habt ihr ehrliche beinharte und gute Musik gemacht und seit dann aber innerhalb kürzester Zeit, warum eigentlich ?, in übelsten Mainstream-Pop-Rock/ geschliddert bis euch verständlicherweise kein Mensch mehr hören wollte und sogar eine Tussi wie Brian Adams wie der Metal God persönlich gegenüber euch wirkte.
3. Re-Recordings
plattenboss 09.07.2012
Der Grund für die Situation ist relativ simpel. Es gibt nach wie vor keine höchstrichterliche Entscheidung ob solche alten Verträge auch den mp3 Verkauf beinhalten. Deswegen eiern die Beteiligten rum. Zwar darf auf der Basis alter Vinyl-Verträge eine CD hergestellt und verkauft werden, aber ob mp3, streaming, cloud und ähnliche Nutzungsarten erlaubt sind, ist strittig. Die Fans und Kritiker sind sich bei solchen Re-Recordings übrigens einig: Bitte lieber das Original! Wer will schon "Smoke on the water" als Neuaufnahme hören?
4.
ollowain13 09.07.2012
Zitat von plattenbossDer Grund für die Situation ist relativ simpel. Es gibt nach wie vor keine höchstrichterliche Entscheidung ob solche alten Verträge auch den mp3 Verkauf beinhalten. Deswegen eiern die Beteiligten rum. Zwar darf auf der Basis alter Vinyl-Verträge eine CD hergestellt und verkauft werden, aber ob mp3, streaming, cloud und ähnliche Nutzungsarten erlaubt sind, ist strittig. Die Fans und Kritiker sind sich bei solchen Re-Recordings übrigens einig: Bitte lieber das Original! Wer will schon "Smoke on the water" als Neuaufnahme hören?
Allerdings! Ein ganz böser Ausrutscher in diese Richtung ist das aktuelle Album von Foreigner. Wer die Originale kennt, den schüttelt es bei dem müden Abklatsch, den die jetzige Generation da veranstaltet. Seht es halt ein: Foreigner ohne Lou Gramm geht einfach nicht. Die Band, die jetzt unter dem gleichen Namen firmiert, wirkt eher wie ihre eigene Coverband - und wie eine schlechte noch dazu. Die neuen Songs könnten von jeder x-beliebigen Band stammen, keinerlei Wiedererkennungswert als "Foreigner", und die alten sind derart verhunzt, nein danke! Auch Journey konnte den winkenden Dollars nicht widerstehen und hat einige ihrer großen Hits nochmal neu aufgenommen. Kein einziger Song kommt an die Originale heran. Das einzige, was Journey besser gemacht hat, ist die Tatsache, dass die ihren Markenkern, nämlich Neal Schons Gitarrenspiel immer noch mit an Bord haben und für den prägenden Sänger Steve Perry zumindest einen brauchbaren Ersatz gefunden haben, auch wenn man bei den alten Songs einfach merkt, dass Perry nicht nur die bessere Stimme hatte sondern auch technisch der bessere Sänger war. Die beste Journey-CD ist m.E. immer noch die Best of "In the beginning". Die Klasse an Song-Writing aus ihren Anfangsjahren haben sie später nie mehr erreicht, auch wenn der Erfolg sich erst später eingestellt hat. Songs wie "It´s all too much", "Anyway", "Topaz" oder "You´re on your own" sind einfach zeitlose Klassiker. Mit denen geht es mir wie mit schönen italienischen Coupes: Für den Alltag sind sie viel zu schade und auch nur bedingt zu gebrauchen, aber man freut sich immer, wenn man mal eines sieht... Ich hoffe nur, dass wenigstens diese Frühwerke vor der Wiederverwurstungsmaschinerie sicher sind. Die kennt ja eh kein Mensch mehr heute und Cover funktionieren ja nur, wenn die Leute das Original im Ohr haben. Warum man sich dann trotzdem mit der Kopie zufrieden geben soll, erschließt sich mir allerdings nicht...
5. Kaufmännisch betrachtet
plattenboss 09.07.2012
Ich frage mich ob Def Leppard nicht von einer Abhängigkeit in die Nächste geraten ist. Auch Neuaufnahmen kosten Geld 10 bis 20 Tsd Dollar für einen Song sind da schnell mal investiert, da es sich ja noch um "handgemachte" Musik handelt. Das Fatale: selbst wenn man noch soviel Sorgfalt aufwendet: Der Fan hört sofort den Unterschied. Und er will das Original, weil er bestimmte Erlebnisse damit verknüpft. Wenn man davon ausgeht das die 21.000 Singleverkäufe etwa 20.000 Dollar Umsatz generiert haben, wovon etwa die Hälfte bei der Band landet (den Rest kassieren Aggregator, Retailer und Publishing), dann hat die 10.000 Dollar vor Steuer eingenommen. Ergo wird es noch einige Zeit dauern bis zum breakeven. Universal und anderen Majrs muss man den Vorwurf machen, dass sie i.d.R. die gleichen Beteiligungen anbieten wie beim Vinyl und CD Verkauf, obwohl ihre Kosten erheblich geringer sind. Juristisch gesehen kann es aber auch nicht sein, dass die Plattenfirma, welche die damaligen Produktionskosten getragen hat von der künftig maßgeblichen Verwertungsform ausgeschlossen wird. Hier sollte die WIPO mal grundsätzliches zu sagen. Und wenn dann beide Def Leppard Version im Netz angeboten werden, Original und Re-recording,- welche wird dann wohl mehr verkaufen?
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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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