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DeNic umlautet: www.ÄdrÖssemÖtÜmlÄut.de

Welch Glück: Endlich, verkündet heute der Internet-Registrar Secura, könnte die Diskriminierung einer deutschen sprachlichen Eigenheit im Web ihr Ende finden. Noch in diesem Jahr schmückten dann Äs, Ös und Üs deutsche Web-Adressen, DeNic macht's möglich.

Endlich: Web-Adressen mit Regional-Appeal
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Endlich: Web-Adressen mit Regional-Appeal

Wie umständlich, jedes "ä" zum "ae" walzen, das "ö" als "oe" umschreiben und das "ü" als "ue" entkecken zu müssen. Die schelmischen Pünktchen, die gerade für unsere angelsächsischen Freunde zu so gut wie unhörbaren phonetischen Unterschieden führen, sind ein unauslöslicher Teil unserer sprachlichen Identität.

Was haben wir Muellers und Schoellers, Paetzolds und Faehrhaeusers, Muensterkoetters und Roehrig-Huettermaenner nicht gelitten, dass wir unsere angestammten Namen in unseren Web-Adressen kaum erkennen konnten? Wer dann seinen Jürgen noch zum Juergen würgen musste, dem stieß schnell ein "Jörg!" auf ob solcher Konstrukte: Wer wollte sich die Schreibweise von www.juergenfaehrhaeuser.de schon merken?

Vorbei, künftig wird das besser, dank eines schönen Planes der deutschen Internet-Registratur DeNic: Noch in diesem Jahr will sie erstmals Internet-Adressen mit Umlauten ermöglichen. Das Registrar-Unternehmen Secura beginne bereits jetzt mit der Annahme von Vorregistrierungen, tönte es heute vom Kölner Stammsitz des Unternehmens her. Der Anbieter rechnet damit, dass künftig auch in Österreich und der Schweiz Domain-Namen wie etwa www.müller.at respektive ".ch" zur Verfügung stehen würden.

Ähhh, schön.de?

Wer das für eine bloße Spielerei hält, hat das werbliche, sprachspielerische wie politische Potenzial so eindeutiger Adressen wie www.müllermil.ch oder www.bundesr.at www.indert.at nicht begriffen.

"Es ist unser großes Ziel, dass die technischen Vorbereitungen Ende des Jahres abgeschlossen sein werden", sagt sachlich DeNic-Sprecher Klaus Herzig. Ob über Umlaute hinaus auch andere Sonderzeichen zugelassen werden können, sei noch nicht geklärt.

Das wollen wir ja wohl hoffen. Zur zusätzlichen Absatzförderung für exotische Tastaturen könnte die Zulassung von Internet-Domains wie etwa www.ÄdrösseMötÜmläut.com im Zuge der Einführung internationaler Domain-Namen geraten. Womit wir unseren amerikanischen Freunden wieder ein Stückchen voraus wären: Während wir fröhlich auf all deren Webseiten sörfen könnten, müssten die erst einmal bei uns einkäufen. Trotzdem würde das nicht nur das Export-Geschäft beleben: Künftig sollen nämlich neben dem lateinischen Alphabet auch arabische oder chinesische Schriftzeichen möglich werden. Schön wäre das.

Fränk Pätälöng

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