Der Vater der Webcam "Es ist Zeit, 'Tschüß' zu sagen"

Quentin Stafford-Fraser gilt als Vater der ersten Webcam an der Universität Cambridge. Mit SPIEGEL ONLINE hat er über das drohende Ende für seine Entwicklung gesprochen.


SPIEGEL ONLINE

: Sind Sie traurig über das Ende für die Webcam im "Trojan Room"?

Quentin Stafford-Fraser: Ja und nein. Sie lief bis jetzt immerhin zehn Jahre - das ist eine lange Zeit im Netz. Sie kennen sicher die Volksweisheit, wonach ein Hundejahr sieben Menschenjahren entspricht. Irgendjemand hat mal gesagt, dass Internet-Jahre so wie Hundejahre sind, weil im Netz so viel passiert. Demnach wäre die Kaffeekanne jetzt siebzig - und könnte in Frieden in Rente gehen.

SPIEGEL ONLINE:Was sagen Ihre Ex-Kollegen vom "Coffee-Club" dazu?

Stafford-Fraser: Ich glaube, die hoffen, dass sie mit einer neuen Maschine besseren Kaffee bekommen. Das sollten wir aber besser nicht zu laut sagen, sonst verletzen wir vielleicht die Gefühle der alten.

SPIEGEL ONLINE:Was können Internet-Nutzer tun, um die Maschine doch noch zu retten?

Stafford-Fraser: Viele Komponenten des alten Systems, das wir damals selbst zusammengebaut haben, werden immer unzuverlässiger. Klar könnte man nach dem Umzug eine neue Kamera kaufen, sie in einen neuen PC stöpseln, und die Bilder wären immer noch da. Aber wenn die original Kaffeemaschine ersetzt wurde, die Kamera ersetzt wurde, und eine Menge der Leute von damals inzwischen gegangen sind, wäre das noch das selbe? Eine Sache, die bei der Kaffeemaschinen-Webcam im "Trojan Room" immer gleich blieb, ist, dass sie sich tatsächlich im "Trojan Room" befand. Wenn das Computer Lab nun umzieht, wird es den "Trojan Room" nicht mehr geben. Ich glaube, es ist Zeit, 'Tschüß' zu sagen.

Die Fragen stellte Christoph Seidler



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