Design und Daten: Wikipedia soll schöner werden

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Dutzende Seiten und ein neues Logo: Eine Agentur hat dem Online-Lexikon Wikipedia ein komplett neues Aussehen verpasst. Die Vorschläge stoßen auf Begeisterung von Facebook-Fans. Die eingefleischten Wikipedianer sind eher skeptisch - sie haben ganz eigene Pläne.

Lexikon: Design-Vorschlag für die Wikipedia Fotos
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Ein großes W, darunter prominent ein Suchfeld und eine Sprachauswahl: So minimalistisch wie die Google-Suche sieht die Wikipedia der Zukunft aus. Zumindest nach einem Entwurf der Agentur New!, die sich eine neue Markenidentität für das populäre Mitmach-Lexikon ausgedacht hat.

Das Ergebnis ihrer Arbeit haben die Designer ins Netz gestellt, unter "The Wikipedia Redefined" zeigen sie ihr neues Logo und aufgehübschte Seiten. "Wir waren nicht glücklich damit, wie die Wikipedia aussieht", sagt Andrius Kazlauskas von New!. "Wir mussten es besser machen. Es gibt so vieles zu verbessern." Und siehe da: Die Wikipedia könnte richtig gut aussehen, modern und aufgeräumt, einfach zu bedienen. Das bisherige Layout existiert seit acht Jahren und wurde nur leicht angepasst - das sieht man der Seite an. Mit ein paar Kniffen könnte aus der eher technisch aussehenden Wikipedia eine freundliche Seite werden, die zum Mitmachen einlädt.

Das ist dringend notwendig. Denn die Zahl der engagierten Wikipedia-Autoren ist von März bis Juli um 5000 zurückgegangen - eigentlich sollte sie um eben diese Zahl gesteigert werden. Jetzt sind es noch 85.000, Frauen machen weniger als zehn Prozent davon aus. Auch in Deutschland sinkt die Zahl der aktiven Wikipedianer. Wer einen neuen Artikel anlegen will, wird häufig von ausgefuchsten Relevanzkriterien erschlagen, im Zweifel werden Einträge lieber von Administratoren gelöscht. Da hilft selbst eine hübsche Seite nicht.

"Ganz sicherlich nicht"

Dass eine schöne Seite die legendär ruppige Kommunikation unter den Wikipedianern zum Guten beeinflussen kann, gilt aber als ausgemacht. "Auch im Bereich der Kommunikation der Mitarbeiter untereinander kann einiges durch das Design verbessert werden", sagt Pavel Richter von Wikimedia Deutschland. Doch gelte bei der Enzyklopädie die Regel, dass die Form der Funktion folge. Erst die Technik, dann der Mensch.

Eine wichtige Neuerung wird dann vor allem hinter den Kulissen zum Einsatz kommen: Unter dem Namen Wikidata wird eine Datenschnittstelle entwickelt, mit der zum Beispiel die Angabe einer Bevölkerungszahl in diversen verschiedenen Artikeln und allen Sprachversionen automatisch aktuell gehalten werden kann. Die grundlegende Arbeit an Wikidata wurde im April in Deutschland aufgenommen und soll ein Jahr dauern.

Tatsächlich bekommt die Wikipedia auch ein neues Design - allerdings nicht ganz so schnell und vor allem weit weniger mutig. Unter dem Namen "Athena" wird an einer neuen Oberfläche für das testosteronlastige Projekt gebastelt. Erste Entwürfe erinnern an die Nutzeroberfläche von Apples Mobilbetriebssystem iOS und die mittlerweile eingestellte Encarta von Microsoft. Eingeführt werden könnte das neue Layout wohl frühestens 2015.

"Sei mutig"

Schon gar nicht zur Diskussion steht das Logo, das sich "ganz sicherlich nicht ändern" wird, wie Wikimedia-Vorstand Richter sagt. Die Designer von New! haben das wenig eingängige und komplexe Welten-Puzzle in ihrem Entwurf auf den Buchstaben W reduziert. Je mächtiger eine Marke ist, desto simpler oft das Logo - wie der Stern von Mercedes, das M von McDonald's oder der Swoosh von Nike. Wikipedia könnte das W übernehmen, so die Idee der Designer, die allerdings auf wenig Gegenliebe stößt.

Immerhin soll die Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln Mitte nächsten Jahres endlich einfacher werden. Zumindest für die größeren Sprachversionen. Seit geraumer Zeit wird an einem neuen Editor gebastelt, damit sich Einträge ohne kryptische Steuerbefehle auch von Laien bearbeiten lassen. Die Autoren sollen gleich sehen können, wie Überschriften, Fotos und Tabellen auf der Seite später angezeigt werden. Dieses Prinzip, "What You See Is What You Get", ist bei anderen Webanwendungen seit Jahren Standard.

Während die Agentur New! aus Litauen nun mit Anfragen überhäuft wird - ihr Wikipedia-Designvorschlag wurde mehr als 10.000-mal auf Facebook empfohlen - heißt es beim Online-Lexikon: weiter so wie bisher. Dabei lautet der Wahlspruch der Wikipedianer eigentlich "Sei mutig". Gerne würden die Designer ihre Ideen der Wikipedia kostenlos zur Verfügung stellen. Nun überlegt die Agentur, eine eigene Kopie des Lexikons zu starten - mit neuem Design.

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insgesamt 83 Beiträge
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1.
johnnychicago 14.08.2012
Zitat von sysopDutzende Seiten und ein neues Logo: Eine Agentur hat dem Online-Lexikon Wikipedia ein komplett neues Aussehen verpasst. Die Vorschläge stoßen auf Begeisterung von Facebook-Fans. Die eingefleischten Wikipedianer sind eher skeptisch - sie haben ganz eigene Pläne. Design und Daten: Wikipedia soll schöner werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,848904,00.html)
Ich finde den Designvorschlag sehr gut. Einfach und übersichtlich. Ich bin mal gespannt wie lange es dauern wird, bis die ersten Nörgler wieder den Untergang des Abendlandes prophezeien.
2. Tatsache ist, das
quotenmann 14.08.2012
Wikipedia ideologisch beeinflußte Beiträge hat.Denen Herr zu werden, wäre wichtig, um ernst genommen zu werden. Beispiele dazu sind die Einträge über niederländische Hochschulen, bei denen ein Berufsschulniveau herbeigeschrieben wird, Ökoeffizienz, bei dem eine rein wirtschaftliche Ausrichtung beschrieben wird, was in beiden Fällen mehr über den Verfasser als den Begriff verrät und die Tatsache, dass bei ohnehin politischen Beiträgen z.B. IHH sich die Beiträge minütlich ändern, wenn eine aktuelle Lage auftritt, wie bei der Kaperung der Gaza-Hilfsflotte. Das sit nicht seriös, auch wenn durch Untersuchungen ein anderer Eindruck entstand. Diese bezogen sich aber auf lexikalische Begriffe, während in Wiki eine Menge Einschätzungen enthalten sind.
3.
dwg 14.08.2012
Zitat von sysopDutzende Seiten und ein neues Logo: Eine Agentur hat dem Online-Lexikon Wikipedia ein komplett neues Aussehen verpasst. Die Vorschläge stoßen auf Begeisterung von Facebook-Fans. Die eingefleischten Wikipedianer sind eher skeptisch - sie haben ganz eigene Pläne. Design und Daten: Wikipedia soll schöner werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,848904,00.html)
Da will ich doch mal hoffen, daß die "Facebook Fans" nicht das Maß aller Dinge sind. Ich jedenfalls schätze die vergleichsweise seriöse Langeweile bei der Präsentation der Wikipedia Seiten. Hier muß kein Lolli angepriesen werden und clickibunti ist nur schädlich.
4. Googlepedia?
Leser161 14.08.2012
Sieht aus wie Google. Unanhängig davon finde ich das das Design nicht zum Konzept von Wikipedia passt. Die Suche ist zwar eine wichtige Sache bei Wikipedia, aber nicht der einzige Zweck. Wikipedia ist auch ein Ort zum 'Schmökern' - es gibt die 'Zufällige Seite' und auf der Starte werden einem viele interessante Infos präsentiert: Was passierte heute vor X Jahren? Wussten Sie schon? Artikel des Tages. Diese Sachen finde ich gut an Wikipedia, weil man da Sachen erfährt die man gar nicht gesucht hat (vergleiche auch Filter-Bubble) ohne diese Feature würde Wikipedia für mich an Attraktivität verlieren.
5. Schöner "Schein" ist alles
el-gato-lopez 14.08.2012
Was macht ein gutes Informationsangebot aus - sei es nun eine Zeitung, ein TV-Format oder eine Online-Enzyklopädie? Richtig - die Verpackung! Inhalt? - Pah, braucht keiner, liest eh kaum jemand und verstehen was drin steht tun noch weniger... Deshalb kann man den Leutz, die "was mit Design" oder "was mit 'neuen Medien' und Design" - die staatstragenden Fächer also - "studiert" haben, nur recht geben. Macht aus der Wikipedia ein blinkiblinki-click Portal, das pro Seite schon mal 10MB Traffic generiert und sich auf keinem Mobil-Gerät richtig darstellen lässt. Von anderen Themen, z.B. der Accessibility für Sehbehinderte wollen wir gar nicht erst reden. Ach, (Industrie-)Design war mal zu Zeiten eines Dieter Rams ein anerkannter und respektierter Berufstand - woran das wohl gelegen hat...
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Wikipedia hat Weltruhm erlangt, doch im Schatten des Mitmachlexikons gibt es etliche Projekte, die sich ebenfalls dem Aufbau freien Wissens verschrieben haben. Freiwillige sammeln Fotos, Grafiken und Landkarten, arbeiten an einem Wörterbuch und einer Zitatesammlung. Wie auch bei der Online-Enzyklopädie steckt die Wikimedia-Stiftung dahinter.
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Das Wiktionary ist ein Lexikon, in dem die Nutzergemeinde Bedeutungen, Herkunft oder Aussprache von Wörtern zusammenträgt. Es gibt Einträge in 170 Sprachen, darunter Tibetisch und Rätoromanisch. Erwartungsgemäß am größten ist allerdings die englische Sektion mit mehr als zwei Millionen Einträgen. Das deutsche Wörterbuch hat mit 127.000 Einträgen locker Duden-Dicke erreicht. Das erste Wort auf Deutsch, eingetragen im April 2002: Metamorphose.
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Das jüngste Projekt der Wikimedia-Stiftung startete 2006 und heißt Wikiversity - eine Online-Plattform "zum gemeinschaftlichen Lernen, Lehren und Forschen". Studenten und Wissenschaftler sollen damit zusammenarbeiten können, ohne eine eigene technische Infrastruktur aufbauen zu müssen. Die virtuelle Universität ist allerdings relativ leer: Bislang gibt es 27.000 Artikel in zwölf Sprachen, in der deutschsprachigen Sektion sind nur rund 200 Nutzer angemeldet.

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