Fehlende Nachfrage Microsoft stellt "Deutsche Cloud" ein

Mit seinem deutschen Cloud-Angebot traf Microsoft vor drei Jahren den Nerv der Zeit: Edward Snowden und die NSA-Affäre hatten viele Nutzer sensibilisiert. Nun wird der Vertrieb eingestellt - aus mangelndem Interesse.

Microsoft-Werbung auf dem Messegelände in Hannover
DPA

Microsoft-Werbung auf dem Messegelände in Hannover


Microsoft hat sein Angebot einer deutschen Treuhänder-Cloud endgültig zum Auslaufmodell erklärt. "Die Anforderungen der Kunden haben sich in den vergangenen drei Jahren dramatisch geändert", sagte Microsoft-Manager Markus Nitschke der Nachrichtenagentur dpa.

Das Angebot war Ende 2015 angekündigt worden. Seine Besonderheit war, dass Microsoft die Daten seiner Kunden bei diesem Dienst in Deutschland speichern wollte, statt - wie sonst üblich - in den USA. Als Treuhänder kam die Telekom-Tochter T-Systems International zum Einsatz, die den Zugang zu den Kundendaten kontrolliert und überwacht hat.

Für diese Sicherheit mussten die Kunden einen Aufpreis zahlen. Wie Unternehmen dieses Angebot wahrgenommen haben, erklärte Microsoft nicht. "Die Kunden wollen die volle Funktionalität - vielleicht nicht gleich am ersten Tag", erklärte Nitschke. Für viele sei der isolierte Cloud-Dienst deshalb doch nicht praktikabel gewesen.

Das gemeinsam mit der Deutschen Telekom angebotene Treuhänder-Angebot stellt Microsoft deshalb komplett ein, wie das Unternehmen in einem Blogeintrag mitteilte. Neukunden steht es nicht mehr zur Verfügung.

Den vertraglichen Verpflichtungen komme man weiter nach

Bestandskunden können den Dienst aber weiterhin nutzen, auch die erforderlichen Sicherheits-Updates sichert Microsoft weiterhin zu. Den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Bestandskunden werde man weiter nachkommen, sagte Nitschke.

Auch der Datentreuhänder Telekom will die sichere Cloud-Lösung für Bestandskunden in Deutschland weiter managen. "Vorausschauend auf die bevorstehenden Änderungen in der Microsoft-Strategie hat die Deutsche Telekom ein Service-Portfolio aufgebaut, das unseren Kunden die Möglichkeit gibt, auch weiterhin besonders sichere Cloud-Umgebungen zu nutzen", teilte die Telekom mit.

Microsoft will der wachsenden Nachfrage nach Cloud-Angeboten in Deutschland mit zwei weiteren Rechenzentren in Frankfurt und Berlin nachkommen. Bis zum ersten Quartal 2020 werde dort der volle Funktionsumfang bereitstehen, sagte Nitschke. Die neuen Angebote sind allerdings, anders als bei der deutschen Cloud, an das internationale Netzwerk angeschlossen. Die Daten verbleiben jedoch auch dort in Deutschland.

Berufung auf den "Cloud Act"

Der Softwarekonzern hatte Ende 2015 vor allem auf die NSA-Affäre reagiert und den Service einer "deutschen Cloud" aufgebaut. Dabei fungiert die Telekom als Treuhänder, sodass Microsoft selbst in der Regel keinerlei Zugriff auf die Daten der Kunden hat. Somit hätte das Unternehmen bei Forderungen amerikanischer Behörden keine Daten aushändigen können.

In einem viel beachteten Verfahren hatte Microsoft versucht, der US-Regierung den Zugang zu in Irland gespeicherten E-Mails zu verweigern. Der Fall landete vor dem Obersten Gerichtshof der USA, der den Fall aber zu den Akten legte. Die Richter verwiesen darauf, dass es aus ihrer Sicht keinen Konflikt mit dem neuen "Cloud Act" gibt.

Das Ende März in den USA in Kraft getretene Gesetz sieht vor, dass amerikanische Onlinefirmen US-Ermittlungsbehörden grundsätzlich Zugang zu den Daten von US-Bürgern gewähren müssen, auch wenn diese außerhalb der USA gespeichert sind. Zugleich können sich die Firmen dagegen wehren, wenn es um Bürger anderer Länder geht oder dadurch Gesetze anderer Staaten verletzt würden. "Diese Verpflichtung trifft für uns weiter zu", sagte Nitschke. "Wir geben keine Daten unserer Kunden heraus."

mak/dpa



insgesamt 17 Beiträge
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Subilo 03.09.2018
1. Es ist Unsinn,...
dass die Daten ansonsten in den USA gespeichert werden. Üblich ist Europa (Irland oder Amsterdam) bzw. man kann sich den Kontinent sogar aussuchen, auf deren man seine Daten speichern will. Damit kann man vollständig im Bereich der DSGVO verbleiben - insofern war die oft von Unwissenden bei der öffentlichen Hand gestellte absurde Forderung "die Daten müssen aber in Deutschland bleiben" nun auch mit der Realität kollidiert.
Anandamid 03.09.2018
2. "Die Notbremse ziehen"
Koennte es eventuell etwas damit zu tun haben, dass bei der Deutschen Telekom Datensicherheit nahezu unbekannt ist?
jo125 03.09.2018
3. Jaja, die Cloud
So wie in den Staaten war und ist die Cloud-Euphorie in Deutschland nicht. Unser Unternehmen bietet Unternehmenssoftware an, und wir hatten und haben das Ganze auch als Cloud-Applikation im Angebot. Das Interesse daran war und ist mäßig, wenn man übertreiben will. Unsere Kunden - und auch wir selbst - brauchen keine Cloud. Wir haben eine eigene Infrastruktur - und das ist auch gut so. Klar, Microsoft wollte unbedingt eine neue Einkommensquelle erschließen, die permanent Geld in die Kassen spült. Nun ,macht da halt nicht jeder mit....
Chilango 03.09.2018
4.
Zitat von Subilodass die Daten ansonsten in den USA gespeichert werden. Üblich ist Europa (Irland oder Amsterdam) bzw. man kann sich den Kontinent sogar aussuchen, auf deren man seine Daten speichern will. Damit kann man vollständig im Bereich der DSGVO verbleiben - insofern war die oft von Unwissenden bei der öffentlichen Hand gestellte absurde Forderung "die Daten müssen aber in Deutschland bleiben" nun auch mit der Realität kollidiert.
Na und. Microsoft muss US-Amerikanischen Behörden Zugriff auf ihre Infrastrukur gewähren. Auch im Ausland.
GoaSkin 03.09.2018
5. Clouds sind wie Tiefkühlfras
Es ist schlimm, dass kaum noch jemand bereit ist, eigene Server zu betreiben und jeder Mist in Form von Clouds und Online-Anwendungen als Dienstleistung eingekauft wird. In der Regel wird dann das Hirn auch noch soweit abgeschaltet, dass AGBs und Vertragswerke nicht einmal richtig gelesen werden. Microsoft, Google, Amazon gelten als seriös weil groß. Dabei sind Clouds wie Fertiggerichte. Man muss sie nehmen, wie sie sind und weiss nicht, ob die Zutaten Qualität haben.
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