Deutsche Start-up-Gründer: Mit dem Wohnwagen in Austin

Aus Austin berichtet

SXSW: Das Deutsche Haus Fotos
SPIEGEL ONLINE

Auf der Suche nach dem großen Geld oder dem richtigen Geschäftspartner: Auf dem South by Southwest präsentieren sich Internetfirmen aus Hamburg und Berlin. Die jungen Unternehmer haben sogar ein eigenes Haus, in dem gefeiert, gegrillt und natürlich genetzwerkt wird.

Menschen mit großen Brillen und engen Hosen, grüne Bierflaschen in der Hand, ein bunt angeleuchteter Baum, daneben ein DJ-Pult: Sieht nach Berlin aus, ist aber das Icenhauer's, ein weißes Holzhaus in Austin, Texas. Dort präsentieren sich Start-ups und Musikfirmen aus Hamburg und Berlin während des South-by-Southwest-Festivals. Als Kontrast zum lieblosen Deutschland-Stand im Convention Center eine gute Entscheidung.

Auf der Bühne steht ein junger Mann im ärmellosen Shirt, er stellt Loopcam vor, eine App, mit der man Mini-Filme mit dem Smartphone aufnehmen und verschicken kann. "Twitter hat uns das nachgemacht, deren Vine ist eine Kopie", schimpft er auf Englisch, die Zuschauer murmeln und essen Kartoffelsalat und Fleischbällchen.

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Technikfestival SXSW: Besucher und ihre persönlichen Highlights
Markus Hallermann hat seinen Pitch schon hinter sich. Er hat Komoot vorgestellt, eine Routenplaner-App fürs Wandern und Radfahren. Die Idee: Die Nutzer sollen einfach hinaus in die Natur gehen können, ohne sich vorher um Karten und Anlaufziele zu kümmern. Die liefert die App, die auch weiß, wann man im Wald welche Abzweigung nehmen muss. "Wir wissen auch, wann ein Hügel steil ansteigt und ein Weg aus Schotter besteht", sagt Hallermann.

Üppige Gehälter im Valley

Komoot gibt es seit 2010, die Firma sitzt mit 15 Mitarbeitern in einem alten Kornspeicher in Potsdam. Im zweiten Quartal wollen sie erstmals schwarze Zahlen schreiben - und sie denken an eine Expansion ins Ausland. Deshalb ist Hallermann zusammen mit Jonas Spengler am vergangenen Mittwoch in die USA gereist, um auf dem Technikfestival Kontakte zu knüpfen. Nun sitzen sie in grauen Strickjacken bei einem Bier im Icenhauer's.

"Wir hatten hier in Texas Jeeps mit Maschinengewehr drauf erwartet", sagt Hallermann und lacht. Stattdessen sahen sie in Austin viele Fahrradfahrer mit Bart und Tattoos. Wo es Fahrradfahrer gibt, wird auch ihre App gebraucht, finden die beiden 30-Jährigen. Komoot funktioniert bisher in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Urlaubszielen wie Mallorca. Eigentlich wollten sie eine Testversion für Austin mit auf die Reise nehmen. "Damit sind wir aber nicht ganz fertig geworden, sagt Spengler.

Die Start-up-Tour soll den deutschen Unternehmern Kontakte verschaffen. Spengler und Hallermann haben Investoren und mögliche Partner getroffen. "Da waren Leute darunter", sagt Hallermann, "die wir kaum ans Telefon bekommen hätten. Hier hat das ganz einfach geklappt." Und, fließen nun die Investoren-Millionen? "Das beschließt doch keiner einfach so in zwei Tagen", sagt Hallermann.

Außerdem haben sie sich mit anderen Gründern ausgetauscht - sie sind auf der Such nach erfahrenen Entwicklern für Komoot. Ernüchtert berichten sie von den hohen Gehältern, die im Silicon Valley gezahlt werden. Noch ein Gutes hat die Reise: Im Vorfeld haben sie die anderen Start-ups getroffen, die ebenfalls mitkommen. "Auch wenn wir in derselben Stadt sitzen, sieht man sich ja nicht so oft", sagt Spengler.

Raus aus der Stadt

Angst, dass ihnen ein großes Unternehmen wie Google eines Tages Konkurrenz macht, haben sie nicht: "Die zeigen schnelle Verbindungen von A nach B", sagt Spengler. "Wir zeigen stattdessen interessante Wege - und mit Hilfe unserer Nutzer wird die App immer besser." Rund 600.000 Nutzer haben das Programm auf ihr Smartphone heruntergeladen. Eine Region ist kostenlos, weitere müssen bezahlt werden.

Während Potsdam im Schnee versinkt, startet in Austin die Berliner Partynacht. Elektronik-DJs legen im Icenhauer's auf, draußen auf der Straße sieht es ein wenig aus wie auf der Admiralsbrücke im Sommer. Im Hintergrund leuchten allerdings die Hochhäuser von Downtown. In der Stadt bricht der Springbreak der Geeks aus, doch die beiden Komoot-Gründer sehen nach vier Tagen Netzwerken schon reichlich müde aus.

Am Abend vorher waren sie auf einer Party, auf der Funk-Legende Bootsy Collins auftrat. "Der hat 200 Geeks zum Tanzen gebrach, die vorher nur steif rumstanden", sagt Spengler. "Der Auftritt war pures YouTube-Gold." Vom ganz großen Trubel, der nun mit dem Start des Musikfestivals des South by Southwest ausbricht, wollen sie sich aber verabschieden. "Wir haben ein Wohnmobil, in dem schlafen wir hier auch. Das nehmen wir uns und fahren raus aus der Stadt, in die Natur."

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South by Southwest 2013
  • Das South by Southwest ist ein jährliches Festival in Austin im US-Bundesstaat Texas. Start-ups wie Twitter und Foursquare wurden hier bekannt, zahlreiche Bands feierten ihren Durchbruch.
  • Themenseite: South by Southwest

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