Deutsche Web-Stars Wie man mit YouTube-Klamauk Geld verdient

Sie haben die Chance, ihr Hobby zum Beruf zu machen - immer mehr Filmemacher wie Y-Titty, Freshaltefolie und MrTrashpack können von YouTube-Videos leben. Manche Fans verehren sie wie Superstars. Doch nicht jeder will sich allein auf die Clips verlassen.

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Köln - Sie haben Twilight und Harry Potter parodiert, Eminem und Justin Bieber. Hunderttausende lachten darüber - vor dem Computer. Jetzt wagen Y-Titty den Schritt aus dem Netz: Beim VideoDay, laut Eigenwerbung Europas größtes YouTuber-Treffen, präsentiert sich das Trio ohne Ladezeiten. Im Strand-Outfit hüpfen Philipp, Matthias und Oguz auf die Bühne und dort zu ihrer Version der "Party Rock Anthem" weiter. "Es ist Mini-Rock-Safari-Zeit, rasierte Beine und die Sonne scheint", singen sie, bekreischt und gefilmt von Hunderten Teenagern. Ein Web-Phänomen ganz nah.

Y-Titty gehören zu den ersten deutschen Künstlern, die von YouTube-Videos leben können. "Ein paar Dutzend" Filmemachern sei das hierzulande bisher möglich, heißt es von Seiten YouTubes. Und: "Die Anzahl der YouTube-Partner in Deutschland, die über 10.000 US-Dollar Umsatz generieren, hat sich von 2009 auf 2010 versiebenfacht." Absolute Zahlen? Nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Mittels eines Partnerprogramms beteiligt das Unternehmen erfolgreiche Filmproduzenten an seinen Werbeeinnahmen. Im Umfeld der vielgeklickten Kanäle platziert es im Gegenzug Werbung. In Deutschland profitieren etwa 2000 Videomacher von dem Programm.

Fast dreimal so viele Abonnenten wie Bushido

Neben der Aussicht zumindest auf ein Zusatzeinkommen bietet YouTube Künstlern die Chance, prominent zu werden, praktisch ohne Medienberichte. Denn es gibt immer mehr Jugendliche wie David, 13, für die YouTube wichtiger ist als das Fernsehen. "Für mich sind Y-Titty Stars wie Lady Gaga", sagt David, der auf dem VideoDay Autogramme sammelt. "Y-Titty sind nur cooler."

Die Fangemeinde von Y-Titty ist groß. Der YouTube-Kanal des Trios wurde über sieben Millionen Mal aufgerufen, hat rund 283.000 Abonnenten. Zum Vergleich: Rapper Bushido kommt auf 95.000. Den Punkt, an dem YouTube ihren Alltag finanzieren konnte, erreichten Y-Titty im Sommer 2010. Mittlerweile haben sie ein Management. "Damit wir uns auf das Filmemachen und auf die Community konzentrieren können", sagt Philipp. Der Abiturient hat sich erst mal gegen ein Studium entschieden. Er will sich auf Y-Titty konzentrieren.

"Nur YouTube, das ist mir zu viel Risiko"

Ein anderer Internetstar, "Freshaltefolie", würde seinen Job als Schulsozialarbeiter nicht aufgegeben. "Im Moment könnte ich zwar von meinen Videos leben", sagt der 21-Jährige, der eigentlich Torge heißt und in der Nähe von Kiel wohnt. "Aber nur auf YouTube setzen, das ist mir auf Dauer zu viel Risiko. Ich sehe das lieber hobbymäßig."

219.000 Abonnenten hat Torge sein Hobby bisher gebracht, fast täglich bekommt er Fanpost. Bekannt wurde er als trottelige Sandra, die sich mal in einer Quizshow, mal in einer Polizeikontrolle blamiert. "Von dieser Figur komme ich wohl nicht mehr los", sagt Torge. "Das muss ich noch länger machen, ob ich will oder nicht".

Noch will Torge. Etwa alle zwei Wochen lädt er eine neue Folge hoch, die Klicks und Werbeumsätze generiert. Das Fernsehen reizt den Comedian nicht. Er schätzt die Freiheiten einer eigenen Webshow. "Ich will auf keinen Fall, dass mir jemand vorschreibt, was ich machen muss und wie oft, oder wie viel Privates ich preisgebe", sagt er.

Nachrichtenmoderator statt Kaufmann

Wer YouTube-Star werden will, muss Zeit investieren. Bis zu 70 Stunden seien es bei ihm pro Woche, sagt etwa Philipp, 21 Jahre alt und aus Bremen. Im Netz kennen ihn seine über 20.000 Abonnenten als "MrTrashpack". "Ich versuche gerade, YouTube zu meinem finanziellen Standbein zu machen", erzählt der Einzelhandelskaufmann, der eigentlich doch lieber in die Medien wollte. "Und bisher läuft das ziemlich gut."

Wöchentlich moderiert Philipp eine Nachrichtensendung, die sich mit Themen rund um YouTube beschäftigt. Die Reaktionen auf das Format variieren. "Es gibt viele, die meine Videos schlechtmachen wollen", sagt er. Das habe zugenommen, seit er am YouTube-Partnerprogramm teilnehme. "Die einen Nutzer sehen mich als den Nachrichtentyp", sagt er. "Die anderen als den, der Scheiße labert und dafür Geld bekommt."

Nach zwei Sekunden negativ bewertet

Auch Y-Titty erleben, dass ihr Erfolg bei anderen Nutzern auf Missgunst stößt. Manchmal stelle das Team ein Video online und erhalte nach zwei Sekunden die erste negative Bewertung. "Wir leben in einer Neidgesellschaft", meint Matthias. "In Amerika wird die Werbefinanzierung lockerer, positiver gesehen." So wissen die drei fränkischen Kumpels schon jetzt, dass auch ihr nächstes Projekt zu Hasskommentaren führen wird. Es ist ihr erster vollständig eigener Song.

An Live-Auftritten haben Y-Titty übrigens Gefallen gefunden: "Es ist was ganz anderes, als Videos hochladen. Ich mag es, dass man direkt ein Feedback bekommt", resümiert Matthias im Backstage-Bereich. Der Boden dort ist voll von Rucksäcken, ein Schokokuchen steht für alle Internetstars auf dem Tisch. Getränke muss man selbst mitbringen. Hinter der Bühne hat Lady Gaga Y-Titty noch Einiges voraus.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
chagall1985 21.08.2011
1. Schmunzel
Habe mir das mal angesehen. Ich denke jetzt weiß ich wie sich meine Mutter gefühlt haben muss wenn ich: "Alles, nichts, oder" als Teenager sehen wollte. grins Ist so schlecht das es schmerzt. Aber mit Mist kann man nunmal Geld verdienen wenn es ein gewisses Maß an Mist massiv überschreitet. Dann wird es cool! Ich gönne es den Machern. Sie haben einen Weg gefunden eine Zielgruppe zu bedienen. Das Privatfernsehen macht das auch nicht wesentlich besser.
cooky80@gmx.net 21.08.2011
2. Strohfeuer
Die Halbwertzeit dieser "Onehitwunder" liegt bei einer Saison, dann übernehmen die nächsten Netzkasper.
dumedienopfer 21.08.2011
3. Wat wer sind die denn....
Zitat von sysopSie haben die Chance, ihr Hobby zum Beruf zu machen - immer mehr Filmemacher wie "Y-Titty", "Freshaltefolie" und "MrTrashpack" können von YouTube-Videos leben. Manche Fans verehren sie wie Superstars. Doch nicht jeder will sich allein auf die Clips verlassen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,781475,00.html
Kenn ich nicht ..............
eslx 21.08.2011
4. Die Meisten haben keine Moral oder Wertevorstellungen.
Wow wie die Herren wieder in die Öffentlichkeit Stigmatisieren und sich in die Opferrolle bringen. Viele Nutzer fühlen sich wegen bewussten Betrügereien seitens dieser Youtuber verarscht und bringen dies zum Ausdruck. Ja ja in Amerika ist es viel viel besser... schaut euch doch mal die Kommentare bei RWJ an... da könnt ihr sehen wie richtige Hater agieren da ist das was hier abläuft harmlos. Heulsusen! Wer mit den öffentlichen Druck nicht umgehen kann sollte mit solchen Sachen kein Geld verdienen wollen.
fruchtquark 21.08.2011
5. Ausnahmslos hässlich
Die auf den Fotos abgebildeten Protagonisten sind ja ausnahmslos hässlich.
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