Deutscher Kindersoftwarepreis Die zehn besten Titel 2004

Die Vorauswahl beim Deutschen Kindersoftwarepreis Tommi ist gelaufen: Zehn Spiele und Programme wurden nominiert, aus denen nun eine Kinderjury die drei Preisträger kürt. SPIEGEL ONLINE stellt die besten Kindertitel des Jahres kurz vor.


Bunter Reigen: Zehn kraftvolle Titel sind in der Endausscheidung für den "Tommi 2004"

Bunter Reigen: Zehn kraftvolle Titel sind in der Endausscheidung für den "Tommi 2004"

Der Deutsche Kindersoftwarepreis Tommi hat unter den zahlreichen Software-Auszeichnungen eine Sonderstellung inne: Anders als andere Awards setzt er bewusst darauf, Auszeichnungen "nicht inflationär" zu vergeben, so sagt das Mitorganisator Thomas Feibel. Seit drei Jahren vergibt sein Büro für Kindermedien zusammen mit der Elternzeitschrift "spielen und lernen", seit zwei Jahren auch mit ZDF tivi und dem Deutschen Kinderhilfswerk die Trophäe in Gold, Silber und Bronze - mehr Preise sind nicht zu holen.

Dafür läuft der Auswahlprozess in zwei Stufen: In der ersten stressen die Organisatoren ihre Fachjury mit zahlreichen Einreichungen, aus denen die Jury zehn Titel nominiert. "Schon die Nominierung", meint Feibel, "ist eine Auszeichnung".

Tatsächlich, denn jedes Jahr stehen mehr Titel zur Auswahl. In diesem Jahr waren es fast 60, was, so Feibel, "eine hohe Zahl ist, wenn man bedenkt, dass wir keine Konsolentitel berücksichtigen und keine Titel ab USK 12 Jahre" - denn der Tommi will ein reiner Kindersoftwarepreis sein. Ungewöhnlich ist auch, dass er zwischen Spielen und Lernsoftware keine Grenze zieht.

Das ist besonders interessant, wenn man bedenkt, wer letztlich über die drei Preisträger entscheidet: Das letzte Wort hat eine zehnköpfige Kinderjury. Das Modell hat sich im letzten Jahr bewährt. Anders, als man vielleicht erwarten würde, entschieden sich die Kinder mit dem "Zahlenteufel" ausgerechnet für ein Lernspiel, bei dem es um Mathematik geht. Damit entschied sich die Kinderjury letztlich ähnlich wie die Erwachsenenjury im Jahr zuvor, die ebenfalls zwei Edutainment-Titel auszeichnete.

Auch in diesem Jahr hat sich die Vorjury wieder auf zehn auszeichnungswürdige Titel geeinigt, von denen einige Lernsoftware, einige Edutainment und andere reine Spaß-Spiele sind.

Die nominierten Programme 2004:

  • "Fritz und Fertig 2" (Terzo/Chessbase). Der erste Teil des Schachlernspiels für Kinder hatte vor zwei Jahren überraschend den ersten Tommi in Gold gewonnen. Der zweite Teil baut darauf auf und will Kindern helfen, taktisches und strategisches Denken im Schachspiel zu entwickeln. Ein hoher Anspruch, der genialisch-locker umgesetzt wird.
  • "Albert und der verschwundene Tempel" (lexisnumerique). Auch "Albert" ist bereits der dritte Teil einer erfolgreichen Serie von Adventurespielen, die für Kinder ab 8 Jahre gedacht sind. Grafisch ansprechend und klar strukturiert führt die Abenteuerhandlung durch Perus Regenwald - wobei man so ganz nebenbei einiges lernt.
  • Crazy Machines (PepperGames). Der zweite Teil einer kleinen Serie, in der virtuell gebastelt wird, was das Zeug hält. Das Spiel besteht aus einer Abfolge ständig schwererer Bastel- und Knobelaufgaben, die wirklich Spaß machen. Ein gut dosierbarer Spielspaß, mit dem man sich wenige Minuten zwischendurch oder auch viele Stunden am Stück vergnügen kann, ohne dabei zu verdummen. Wenn die Dampfmaschine dann glücklich den Spieß dreht und die Kerze darunter das Würstchen grillt, hat man wirklich was geschafft.
  • Englisch lernen mit Ritter Rost: The Rusty King (terzio). Ritter Rost gehört zu den beliebtesten Edutainment-Titeln im Bereich Fremdsprachen für Kinder. Sehr humorig, locker und leicht vermittelt der Ritter Grundbegriffe des Englischen für Kinder im Grundschulalter. Kein Zufall, dass ein früherer Teil auch 2002 schon zu den Nominierungen gehörte.
  • Sims 2 (Maxis/EA Games). Der Nachfolger des erfolgreichsten Spieles aller Zeiten ist keine reine Kindersoftware - aber er ist es auch. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Parallelwelt, mit der der Spieler auf vielerlei Weise interagieren kann, sondern auch die Tatsache, dass die Sims mehr als jedes andere Spiel auch die Zielgruppe der Mädchen erreicht. Kein Wunder: Die Simulation lebt von sozialer Interaktion, nicht von dumpfer Action.
  • Mama Muh und die Krähe (Oettinger). Der Verlag Oettinger ist bisher mehr für seine schönen und anspruchsvollen Bilder- und Kinderbücher bekannt, und das erkennt man auch in diesem Spiel. In zwölf Spielchen für Kinder ab 4 Jahre gibt es viel zu machen, lachen und entdecken. Ungewöhnlich: Dabei muss man nicht allein vor dem Rechner bleiben, sondern kann auch mit anderen spielen - denn Mama Kuh verfügt auch über einen Multiplayer-Modus!
  • Grundschule 2. Klasse mit Disneys Das Dschungelbuch (Disney Interactive/lexisnumerique/THQ). "Balu und Mogli brauchen Deine Hilfe" heißt es in der Spielbeschreibung - und damit ist (fast) alles klar. Der Spieler von 6-8 Jahren soll Seite an Seite mit seinen vertrauten Freunden aus dem Disney-Universum ein Abenteuer bestehen - und dazu muss kräftig gerechnet, gelesen und Fragen beantwortet werden. Man sieht: Nicht alles, was unter dem immer Merchandizing-verdächtigen Disney-Label daherkommt, ist Fastfood. Die Edutainment-Software heimste bereits die Comenius-Medaille 2004 ein.
  • Löwenzahn 8 (Terzio). Anhand der langen Ahnenreihe der Löwenzahn-Spiele ließe sich die Entwicklung von Edutainmentspielen dokumentieren. Am Grundkonzept hat Terzio in den Jahren wenig geändert - warum auch? Löwenzahn ist Peter Lustig und ganz nah dran am Konzept der TV-Serie. Die Kinder ab 6 Jahre haben ihren Spaß und lernen was.
  • Trackmania (nadeo). Der dritte reine Fun-Titel in der Auswahl. Trackmania ist zunächst einmal ein Rennspiel: schnell, dynamisch, witzig und verrückt. In welchem Maße das allerdings gilt, hängt vom Spieler selbst ab - denn anders als bei anderen Rennspielen fährt der nicht nur stupide im Kreis, sondern muss sich seine Rennstrecke erst einmal selbst bauen. Die Kombination aus kreativer und "sportlicher" Leistung ist so spaßig wie fesselnd. Richtig interaktiv wird es, wenn sich bis zu zehn Spieler über das Web treffen und heiße Rennen ausfahren.
  • Genius - Unternehmen Physik (Cornelsen). Oh, oh: ein Schulbuchverlag bringt eine Physik-Lernsoftware, das klingt bedrohlich! Doch keine Angst, der Edutainment-Titel "versteckt" seine Lerninhalte ganz phantastisch, bettet sie als Aufgaben in eine grafisch schön gestaltete Simulation ein, die Spieler und Fans von "Siedler", "Simcity" und Co ansprechen wird. So kann und muss Lernsoftware wohl aussehen, damit sich der Nachwuchs wirklich freiwillig damit beschäftigt.

Welche Titel in diesem Jahr mit dem "Tommi" ausgezeichnet werden, wird man am 8. Oktober 2004 auf der Frankfurter Buchmesse erfahren. Dort wird der "TOMMI, der deutsche Kindersoftwarepreis 2004" auch am Stand von "spielen und lernen" vertreten sein, an dem alle nominierten Spiele gezeigt werden. Verliehen wird der Preis ab 13 Uhr im Kinderbuchforum - und natürlich öffentlich.

Frank Patalong, Mitglied der Vorjury zum Deutschen Kindersoftwarepreis

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