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Deutsches Street View-Projekt: Google lenkt ein, Politiker bleiben hart

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Noch in diesem Jahr will Google mit seinem Foto-Dienst Street View in Deutschland an den Start gehen. Das Unternehmen verspricht höchste datenschutzrechtliche Standards, um die Widerstände zu überwinden. Das überzeugt aber weder die Bundesregierung noch die Experten.

Google-Spezialkamera: Unterwegs auf den Straßen von Berlin Zur Großansicht
ddp

Google-Spezialkamera: Unterwegs auf den Straßen von Berlin

Berlin - Man kann wohl sagen: Google hat den Ernst der Lage erkannt. Sonst hätte der Internetgigant an diesem grauen Februarmorgen wohl nicht eine Mitarbeiter-Kleingruppe nach Berlin beordert - darunter seinen deutschen Pressesprecher, den Chef der Rechtsabteilung und den zuständigen Produktmanager. Letzter ist sogar extra aus Zürich nach Berlin gekommen, um den Bedenkenträgern in Deutschland endlich die Angst vor Google Street View zu nehmen.

Denn Google sieht sich in einer misslichen Lage: Im Rahmen einer "Rieseninvestition" - genauer will Produktentwickler Raphael Leiteritz die bisherigen Kosten für das Street View-Projekt in Deutschland nicht beziffern - hat man viele Monate lang eine Fahrzeug-Armada durch die Straßen und Gassen dieser Republik fahren lassen, die in einer Höhe von zwei Metern Rundum-Bilder produzierte. Deutschland sollte das 20. Land auf der Welt werden, in dem man dank Google per Mausklick jedes Eckchen virtuell besichtigen können soll. So wäre beispielsweise jedes deutsche Restaurant im Voraus zu begutachten - samt der Umgebung. Irgendwann, so die Hoffnung bei Google, wird man mit Street View richtig Geld machen können - wenn all die Angebote miteinander vernetzt sind. "Das ist die Einkaufswelt von morgen", sagt ein Fachmann.

Das Problem: Erst liefen die Datenschützer der Republik gegen das Projekt Sturm, dann besorgte Bürger - und inzwischen gehen die zuständigen Bundesminister auf die Barrikaden. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) steht Google Street View sehr kritisch gegenüber. Und ihre CSU-Kollegin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner, brachte sich erst am Montag im "Hamburger Abendblatt" erneut gegen das Projekt für 3-D-Straßenkarten in Position.

Google will "Missverständnisse" ausräumen

Die Google-Manager haben das Interview mit der Ministerin gelesen. Es gehe auch darum, "eventuelle Missverständnisse auszuräumen", sagt Produktentwickler Leiteritz bei der Präsentation in der Hamburger Landesvertretung in Berlin. Schließlich sei es doch "so schwer über etwas zu reden, was man noch nicht kennt". Schon jetzt würden weltweit vier Millionen Menschen Google Street View bisher täglich nutzen, 150.000 Web-Seiten unterstützten die Anwendung. Das würde doch zeigen, sagt Leiteritz, "wie schön es ist für ein Land oder tolle Städte, sich präsentieren zu dürfen".

Ein Herr aus dem finnischen Ort Raahe beispielsweise wird das anders gesehen haben: Weil ihn der Fotodienst in seinem Garten ohne Hose erwischt hatte, ermittelt die finnische Polizei, ob hier ein Gesetzesverstoß durch Google vorliegt. Immer wieder gibt es Fälle, in denen Menschen gegen die Aufnahmen bei Google Street View vorgehen.

Das räumen die Google-Leute ein - und wollen für Deutschland sogleich Entwarnung auf der ganzen Linie geben: Nirgendwo nehme man die Datenschutzbedenken so ernst wie hier, sagt der oberste Hausjurist Arnd Haller. Grundsätzlich sollen alle Gesichter und Kfz-Kennzeichen gepixelt werden. Zudem werde jeder in Deutschland schon vor dem Start von Google Street View die Möglichkeit haben, beispielsweise ein Haus oder eine Wohnung aus dem Angebot entfernen zu lassen - gleiches werde gelten, wenn die Fotos bereits zu sehen sind. In diesen Fällen würden zudem alle unverpixelten Rohdaten gelöscht.

Wem das nicht reicht, der sollte sich nach Ansicht von Google durch den Rechtsinformatiker Nikolaus Forgó überzeugen lassen: Der eloquente Professor von der Universität Hannover kommt in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass der neue Straßenkarten-Service "datenschutzrechtlich unbedenklich" ist. Seine Auftraggeber freut das sehr. "Wir rechnen damit, noch in diesem Jahr auch in Deutschland an den Start zu gehen", sagt Chefjurist Haller.

Wenn man allerdings die unmittelbare Reaktion von Verbraucherschutzministerin Aigner richtig versteht, ist das äußert optimistisch. Denn Aigners Bedenken sind keinesfalls ausgeräumt. Zwar lobt die CSU-Politikerin den Schritt des Internetriesen: "Ich begrüße, dass Google jetzt den Schritt an die Öffentlichkeit gemacht hat." Aber sie stellt ebenso fest: "Um es ganz offen zu sagen: Ich teile nicht die Einschätzung des Konzerns, dass alle datenschutzrechtlichen Bedenken ausgeräumt sind." Im Gegenteil: Erst einmal müsste die rechtliche Grundlage in Deutschland auf einen aktuellen Stand gebracht werden, fordert die Ministerin.

Bundesministerinnen bleiben bei ihrer Kritik

Und auch Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger meldet sich nach der Google-Präsentation postwendend zu Wort - und zwar sehr kritisch: Das Unternehmen nehme den deutschen Datenschutz nicht ernst genug, bemängelt die FDP-Politikerin. "Die Auffassung, das deutsche Datenschutzgesetz sei auf Google Street View nicht anwendbar, ist nicht nachvollziehbar", sagt sie. Google dürfe keine Zweifel über die datenschutzrechtlichen Grundlagen säen.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ebenfalls Zweifel an der angeblichen datenschutzrechtlichen Unbedenklichkeit von Google Street View. "Das ist so nicht richtig", sagt Jura-Professor Caspar. Richtig sei allerdings, dass es einen "dringenden gesetzgeberischen Auftrag gibt", diese Grauzone zu regeln. Ein erster Schritt könnte die geplante Einsetzung einer Enquete-Kommission des Bundestags sein, die sich auch mit diesem Thema beschäftigen soll.

Welche Position die Bundesregierung am Ende zu Google Street View einnehmen wird, ist noch völlig unklar - die Verständigung mit dem ebenfalls zuständigen Innenministerium ist gerade erst angelaufen. Sollte sich die oberste Verbraucherschützerin Aigner durchsetzen, wird es für Google allerdings eng. Denn ihr Haus bleibt, das bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage, vorerst bei der Forderung nach einem sogenannten Opt-In. Was bedeutet, dass Google von jedem Bürger im Voraus seine Einwilligung für die 3-D-Aufnahmen einholen müsste.

Dazu meint selbst der fröhliche Gutachter Forgó: "Wenn man jeden befragt, kann man den Laden zusperren."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 221 Beiträge
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1. Soso...
Kurt Limdäpl 23.02.2010
- ELENA - Vorratsdatenspeicherung - Nacktscanner - JMST - Kontoabfragen - ... Die Politiker sollten erst mal vor der eigenen Haustür kehren!
2. Deutsches Street View-Projekt: Google lenkt ein, Politiker bleiben hart Auf Thema an
enuxx 23.02.2010
Meine Güte, deutsche Bedenkenträger. Über so viel Innovationsfeindlichkeit kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Endlich mal ein Dienst, wo man von zu hause aus sich ganz Deutschland anschauen kann. Jeder kann doch mit einem bloßem Spaziergang sich ganze Häuserzeilen anschauen, aber per Internet geht das nicht. Was für eine Logik, zumal jeder sich aus nehmen lassen kann, wenn er es denn wünscht.
3. Deutsches Street View-Projekt
Hilfskraft 23.02.2010
Da werden mit höchstamtlicher Genehmigung, höchstbrisante Daten hin- und hergeschoben und nun macht man sich wegen dieses "Street-View" das Höschen naß. Nicht zu fassen! *Es wird einmal geknipst und das war´s! *Wer seine Villa vor unliebsamen Blicken schützen will, kann das tun! *KFZ-Kennzeichen und Gesichter werden unkenntlich gemacht! Was ist daran sooooo schlimm? Besonders "clevere" Gemeinden meinen scheinbar, sie könnten selber Geld mit dieser Knipserei machen, indem sie die Rechte an Goggle verkaufen. Davon wird abgeraten, da die Rechte halt verkauft wurden und der Bürger keine Rechte mehr hat. Eigentlich logisch! Aber, so blöd muß man ja nicht sein! H.
4. Gedankenspiel
andyc4s 23.02.2010
Man stelle sich vor: eine deutsche oder sonstwoher kommende Firma faehrt durch die USA und fotografiert in ihrem Daten- und Ueberwachungswahn alles und jedes. Wie lange die wohl unterwges waeren? In diesem Sinne, weiter so
5. Bitte??
promedico 23.02.2010
Zitat von enuxxMeine Güte, deutsche Bedenkenträger. Über so viel Innovationsfeindlichkeit kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Endlich mal ein Dienst, wo man von zu hause aus sich ganz Deutschland anschauen kann. Jeder kann doch mit einem bloßem Spaziergang sich ganze Häuserzeilen anschauen, aber per Internet geht das nicht. Was für eine Logik, zumal jeder sich aus nehmen lassen kann, wenn er es denn wünscht.
Was um alles in der Welt ist denn daran "innovativ"? Immer wenn die Herren von MS, Apple oder Google sich ans Geldraffen machen, ist das "innovativ" - seltsam.... Wenn Sie sich Deutschland ansehen wollen, dann heben Sie Ihren A.... und ab nach draußen. Was die da treiben, ist primitivste Schlüssellochguckerei mit modernen Mitteln.
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Street View: Googles diskreter Foto-Laster

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Google Street View: Intim-öffentliche Einblicke
Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.


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