Netzwelt-Ticker Diaspora-Umbau, Botnet-Rätsel, Bitcoin-Pyramide

Im Überblick: Die Diaspora-Gründer übergeben ihre Facebook-Alternative der Community; die Abschaltung eines riesigen Botnets bringt keine Spam-Erleichterung; eine Millionen-Dollar-Investition in der Bitcoin-Welt könnte sich als Betrug herausstellen.

Virtuelle Währung Bitcoin: Vehikel für Online-Anlagebetrug?

Virtuelle Währung Bitcoin: Vehikel für Online-Anlagebetrug?


Die Diaspora-Gründer überlassen ihr Open-Source-Projekt einer "unschädlichen" Facebook-Alternative der Community. "Diaspora hat sich zu etwas hinentwickelt, das größer ist, als das Projekt, mit dem vier Jungs einst in der Schule angefangen haben", heißt es in einer Erklärung. Um das soziale Netzwerk weiterentwickeln zu können, sollen nun die Leute, die Diaspora benutzen, selbst Hand an den Programm-Code legen.

Einige Kommentatoren aus den Blogs interpretieren die Distanzierung der Gründer sarkastisch: Diaspora habe sich mit dem vermessenen Plan übernommen, es mit Facebook aufzunehmen, heißt es. Und es wird behauptet, die Gründer würden ihren Programm-Code nicht in den Griff bekommen und die Arbeit deshalb der Community überlassen. Vielleicht, so lautet eine Vermutung, seien die Gründer stärker an ihrem neuen Projekt Makr.io interessiert, so Futurezone.

Liz Gannes von "All ThingsD" lässt Diaspora-Mitgründer Maxwell Salzberg mit einer Gegenthese zu Wort kommen: "Das wollten wir von Tag eins an," schrieb er in einer E-Mail, die das Blog zitiert. "Die Zeit war reif und das Projekt an einem Punkt, an dem es auch in Zukunft tragfähig sein wird."

Das Spam-Rätsel des Grum-Botnets

Als am 19. Juli 2012 die Spam-Jäger das riesige Zombie-Netzwerk Grum ausknippsten, war die Hoffnung auf eine Spam-ärmere Zukunft groß. Die Abschaltung vergleichbarer Botnets - von Viren gekaperte und zu einem ferngesteuerten Netzwerk zusammengeschaltete Privatrechner - hatte stets ein Abschwellen des Spam-Aufkommens nach sich gezogen. Da Grum nach Expertenmeinung ein besonders großes und damit mächtiges Botnetz war (angeblich kamen bis zu 30 Prozent der weltweiten Werbe-E-Mails von Grum), rechneten sie mit einem spürbaren Spam-Rückgang. Doch der blieb aus.

Zwar sackte das weltweite Spam-Aufkommen nach der Grum-Abschaltung tatsächlich um die Hälfte ein - doch erholte es sich binnen weniger Wochen und übertraf dann sogar frühere Werte (Symantec Intelligence Report Juli 2012; PDF, 1,12 MB).

Wie konnte das sein, fragt sich Fahmida Y. Rashid von "Security Week" in einem längeren, sehr interessanten Beitrag über sichtbaren und unsichtbaren Spam, echte und gefühlte Größe von Botnets. Ihr Fazit: Die Cyber-Kriminellen haben von früheren Botnet-Razzien gelernt - und sich längst breiter aufgestellt. Grum war ein Relikt, ein Scheinriese.

Bitcoin-Pyramidenspiel abgestellt

Das Tech-Blog "The Verge" hat ihn oder sie bereits als "Bernie Madoff der Bitcoins" bezeichnet - aber wer tatsächlich hinter dem Web-Pseudonym Pirateat40 steht, wird wohl nicht so schnell bekannt werden. Denn Pirateat40 ist abgetaucht und hinterlässt eine wütenden Haufen mutmaßlich geprellter Investoren.

Pirateat40 hat Bitcoins im Wert von mehreren Millionen Dollar von naiven Investoren eingesammelt, um sie gewinnbringend in seinem "Bitcoin Savings & Trust"-Hedgefonds einzubringen. Jetzt schloss er den Fonds - und die Anleger warten händeringend auf ihre Einlagen, während Pirateat40 Hinhalteparolen aus der pseudonymen Deckung brüllt.

Was am Dienstag sonst noch wichtig war



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tylerdurdenvolland 29.08.2012
1. Schade...
Couchsurfing war eine wunderbare Idee, leider setzt sich halt immer irgendwann die Habgier durch. Aber es war schön so lange es noch nicht um Geld ging.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.