Die Aliens kommen Liebesgrüße aus dem All

Der Countdown läuft: An diesem Dienstag landen Aliens von der Förderation des Lichts auf der Erde - behauptet zumindest das Medium Blossom Goodchild. Nach Jahren heimlichen Wachens über Barack Obama und die restliche Menschheit wollen die Außerirdischen sich zeigen. Endlich.

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Die gute Nachricht vorab: Die Aliens, die sich (wie eine steigende Zahl von Menschen rund um den Globus zu glauben scheint) bereits am Dienstag bei uns vorstellen wollen, kommen nicht, um die Erde zu erobern. Das hört man gern, aber es kommt sogar noch besser:

"Wir kommen, um eurer Welt zu helfen.
Wir kommen nicht, um sie zu übernehmen.
Wir kommen nicht, um zu zerstören.
Wir kommen, um euch Hoffnung zu bringen."

Das - man beachte die Anführungszeichen - sagen die Aliens von der Föderation des Lichts selbst, und zwar durch das Medium Blossom Goodchild.

Szene aus "Krieg der Welten": In Steven Spielbergs Film ist Tom Cruise für die Aliens nur eine Art Trinkpäckchen
REUTERS

Szene aus "Krieg der Welten": In Steven Spielbergs Film ist Tom Cruise für die Aliens nur eine Art Trinkpäckchen

Die in Australien ansässige Exil-Britin, die bisher vor allem als "Chaneller", also als eine Art esoterische Telekommunikationsverbindung für einen Indianergeist namens Weiße Wolke wirkte, empfing die Botschaft im August und arbeitet seitdem als eine Art informelle Pressesprecherin der liebevollen Außerirdischen.

So etwas kommt vor, gerade im Geschäftsfeld zwischen Bachblüten-Großhandel, spirituell aktiviertem Heilwasser und telepathischer Hirnrinden-Massage. Ungewöhnlich sind an dem ganzen Vorgang zwei Dinge: Goodchild hält auch am Tag vor der Landung noch mit offenbar großer innerer Überzeugung am Flugplan fest. Und: Ihre Ankündigung findet mittlerweile dermaßen viel begeisterte Aufmerksamkeit, dass die Gute seit dem 6. Oktober nur noch telepathisch zu erreichen ist. Zu groß die Zahl der Anfragen, E-Mails und Telefonate. Blossom, Botschafterin der Föderation des Lichts, zog sich zurück und beglückt ihre Jünger seitdem nur mit gelegentlichen Botschaften affirmativer Natur. Da wächst die Jüngerschar.

Ein Wunder ist das nicht, denn weltweit häufen sich ja auch die Ufo-Sichtungen im Vorfeld des großen Lande-Events. Definitive, deutliche Sichtungen gab es in den letzten Wochen zuhauf. Der Kondensstreifen der interstellaren Gefährte zieht sich von Wales bis Washington. Dass am 4. Oktober dreieckige Ufos über einer Barack-Obama-Veranstaltung wachten, ist dabei noch nachvollziehbar: Vielleicht waren sie auch dort, um Bruce Springsteen zu lauschen, der für den Kandidaten in die Saiten griff.

Seltsamer mutet an, dass sich die Vor-Landungs-Aktivitäten der Ufos ausgerechnet auf Nord-Wales zu konzentrieren scheinen. Seit am 17. September ein erstes Raumschiff über Wrexham gesichtet wurde, hört das dort gar nicht mehr auf. Sollte der Landeplatz der Föderation des Lichts ausgerechnet im verregneten Wales liegen? Verdient hätten das die Waliser ja schon, wo da doch so selten richtig was los ist.

Wahrscheinlicher scheint die Landung aber in der "südlichen Hemisphäre", wie die Aliens via Goodchild mitteilen ließen - und erwähnten den Namen Alabama. Das liegt da zwar nicht, könnte aber der schöne Name des Schiffes sein, glaubt Goodchild inzwischen. Oder fliegen die Aliens einfach verkehrt herum an?

Sichtungen gibt es aber auch anderenorts, doch natürlich überall auch Knötterer, Kritiker und Miesepeter, die die schönen Zeugenberichte einfach wegerklären wollen. Richtig sauer ist zum Beispiel Stephen Yulish, der sich ganz sicher ist: Am 14. Oktober werde kein Ufo landen. Klar sei das, weil die selbsternannte Prophetin Goodchild dem anerkannten biblischen Qualitätsstandard für Propheten nicht genügt: entweder hundertprozentige Vorhersagen abzuliefern oder - wenn das nicht gelingt - ordnungsgemäß gesteinigt zu werden.

Das veröffentlicht der offenbar nicht nur christliche, sondern auch Ufo-gläubige Mensch auf einer Web-Seite namens Ufo Digest. Seine Skepsis schöpft er aus dem Wissen, dass Goodchild schiefliegen muss: Ufos gebe es nämlich durchaus - aber die seien böse. Die meisten anderen Kritiker argumentieren da eher auf einer sachlich-wissenschaftlichen Ebene.

Mutig: Was macht Walter, wenn sie doch landen?

In Deutschland kommt diese Rolle dem Hobbyastronomen Werner Walter zu, der die gern zitierte Ufo-Meldestelle betreibt. Walter ist ein Skeptiker und glaubt auch im aktuellen Fall noch nicht so recht daran, dass die Aliens am Dienstag einfliegen werden. Das alles sei verbrämte Sektenspinnerei, sagt der nüchterne Mannheimer. Selbst knallharte Beweise wie ein Nachrichtenvideo, das auf YouTube kursiert (siehe unten), hält er für "ein Fan-Fake, um die Stimmung und den Wahn unter den Kultisten zu fördern". Die, so Walter, bräuchten das einfach für ihr Seelenheil. Das Machwerk komme wohl vom "Planeten CGI, dort wo die Computer Generated Images entstehen".

Doch nicht nur zahllose YouTube-Fans sehen das anders ( wenn auch nicht immer ernsthaft). Auch die Vereinten Nationen trafen sich am 8. Oktober heimlich zu einer Sondersitzung zum Thema, wie überirdisch gut informierten Grenzwissenschaften-Blogs zu entnehmen ist. Die Uno befassen sich nämlich schon seit längerem mit dem Thema. Ganz geheim. Jetzt weiß man endlich, was die den lieben langen Tag tun.

Selbst ProSieben muss da die kommende Stimmung frühzeitig erchannelt haben, hat sich aber im Datum vertan: Die für den 15. November angesetzte Sendung mit dem kürzlich reanimierten Ober-Trickser Uri Geller (dessen Entzauberung vor zwei Jahrzehnten inzwischen verjährt ist), in der er direkten Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen will, wird man dann wohl wieder absetzen müssen. Bis dahin reicht es ja wahrscheinlich, sich abends in den Garten zu stellen, auf den Fingern zu pfeifen und laut und höflich "Ey, kommt doch mal runter!" in die Nacht zu rufen.

Die Gefahr von Nina-Sichtungen steigt

Wenn, was viele Menschen, die sich intensiv mit dem Thema befassen, ja glauben, ja wenn die Aliens nicht sogar längst unter uns wandeln. Um der Klärung dieser wichtigen Frage nachzugehen, schickt ProSieben dieser Tage die Sonderreporterin und Ufo-Expertin Nina Hagen ins Alien-Mekka Roswell, was die dortigen Alien-Sichtungen schlagartig erhöhen dürfte.

Dass es neben Nina zu keinen weiteren Sichtungen kommt, hoffen dagegen britische Buchmacher, die die Ufo-Hysterie werbewirksam, aber ein wenig zu erfolgreich für sich nutzten. Am Montag zog etwa der britische Buchmacher Rupert Adams die Notbremse. Die Firma, so Sprecher William Hill, wolle keine Wetten darauf mehr annehmen, dass die Aliens wirklich landen. Nachdem mehrere Wetter hohe Summen bis zu 3000 Pfund auf die Föderation des Lichts gesetzt hatten, bekam der "Bookie" kalte Füße: Bei einer Quote von tausend zu eins würde es ihm auch nichts mehr nützen, wenn ihm die Förderation wie versprochen Liebe und Hoffnung brächte - er wäre pleite.

Im Netz steigt nun die Spannung, ob und wo die Föderation liebevoll über uns kommt - fast so sehr wie die darauf, wie Goodchild es erklären wird, wenn es nicht so kommt. Wahrscheinlich nimmt sie es mit Humor, denn frei davon ist die Gute nicht: Skeptikern antwortet sie auf ihrer Web-Seite mit einem pfiffigen Link. Der bringt die Sache tatsächlich auf den Punkt - so oder so.



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