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The High Five: Die fünf Bausteine der Bildbearbeitung

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DOCMA/ Foto: Noah Bradley

Fotos leben von Farben, Kontrasten und Details. Kamerabedingte Bildfehler sollten deshalb minimiert und störende Elemente im Bild retuschiert werden. Das Fotomagazin "Docma" zeigt, wie das geht.

Das Vorgehen

Idealerweise wenden Sie zur Bildoptimierung die sogenannten "High Five"-Bausteine in der hier gezeigten Reihenfolge an. In der Praxis gibt es hier und da natürlich Überschneidungen, denn beispielsweise verbessern Sie bei einer kanalweisen Farbkorrektur mit einer "Gradationskurve" auch gleichzeitig den Bildkontrast. Zwar können Sie das mit Hilfe der Füllmethoden "Farbe" und "Luminanz" auf verschiedene Einstellungsebenen vermeiden oder im Lab-Modus sogar die Kanäle entsprechend auftrennen - aber tun Sie das nicht, nur um die Bearbeitung in feste Abläufe zu pressen.

Sehen Sie die "High Five" als Merkhilfe und allgemeine Richtschnur. So können Sie Ihre Arbeitsabläufe zunächst verbessern und dann darauf aufbauend kreativ spielen.

1. Bildfehler entfernen

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DOCMA/ Foto: Noah Bradley

Bestimmte Bildmakel sollten Sie als erstes korrigieren, da sie durch die nachfolgenden Bearbeitungsschritte verstärkt werden oder zu anderen Problemen führen könnten.

Wenn Sie zum Beispiel einen kippenden Horizont erst gerade richten, nachdem Sie schon eine Reihe von Bearbeitungsschritten in Photoshop durchgeführt haben, dann führt das durch die erforderliche Neuberechnung nicht nur zu einer leichten Weichzeichnung des Hintergrundes, sondern zu Unschärfen bei allen Ebenen und Masken, die Sie bis dahin erzeugt haben. Objektivfehler wie chromatische Aberrationen und Verzerrungen sollten Sie ebenfalls zu Beginn der Bearbeitung beheben. Auch die Retusche von Rauschen und störenden Bildelementen (Hautstörungen, suboptimalen Körperkonturen...) gehört idealerweise an den Anfang der Bildbearbeitung.

2. Farbkorrektur durchführen

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DOCMA/ Foto: Noah Bradley

Ein farblich neutrales Bild ist die Grundvoraussetzung für die anschließenden Bildoptimierungsschritte. Nach einer gelungenen Farbkorrektur treten die Details eines Bildes bereits ohne jede Scharfzeichnung deutlicher hervor als in einer farbstichigen Bildvariante. Deshalb ist eine Farbkorrektur auch dann empfehlenswert, wenn Sie später das Bild in Schwarzweiß konvertieren oder die Farben stilisieren wollen (Stichworte: Color Grading, Look).

Die wichtigste Stellschraube für die Farbkorrektur ist der Weißabgleich, den Sie bereits im Raw-Konverter mit "Farbtemperatur" und "Farbton" vornehmen. In Photoshop erfolgt bei Bedarf die weitere, kanalweise Feinabstimmung mit Hilfe der "Gradationskurve".

3. Globalen Kontrast einstellen

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DOCMA/ Foto: Noah Bradley

Hier stimmen Sie die allgemeine Helligkeit und den Gesamtkontrast des Bildes ab. Das mächtigste Werkzeug dafür ist die "Gradationskurve", mit der Sie sämtliche Funktionen von etwa "Helligkeit/Kontrast", "Tonwertkorrektur", "Belichtung" und "Farbbalance" nicht nur nachstellen, sondern bedarfsweise auch präziser abstimmen können.

Natürlich müssen Sie deshalb nicht in jedem Fall zur "Gradationskurve" greifen. Möchten Sie nur schnell das Bild aufhellen und den Kontrast wie mit einer S-förmigen "Gradationskurve" erhöhen, dann geht das mit "Helligkeit/Kontrast" deutlich schneller - Sie müssen nur darauf achten, dass "Früheren Wert verwenden" deaktiviert ist.

4. Lokalkontrast und Mikrokontrast abstimmen

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DOCMA/ Foto: Noah Bradley

Der lokale Kontrast wird durch die Helligkeitsverhältnisse entlang von Kanten im Bild bestimmt und sorgt für eine gewisse Plastizität. Sie beeinflussen ihn mit Filtern wie "Unscharf maskieren" und "Tiefen/ Lichter", wobei vor allem höhere Radien eingesetzt werden.

Bilddetails verstärken Sie dagegen mit kleineren Radien. Ob Sie hier von Schärfung oder dem Anheben der Mikrokontraste sprechen, ist reine Geschmackssache. Neben fortgeschrittenen Techniken wie der "Matter machen"-Schärfung ist dafür auch Photoshops Filter "HDR-Tonung" gut geeignet.

5. Effekte hinzufügen

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DOCMA/ Foto: Noah Bradley

Mit dem optionalen Hinzufügen von Effekten schließen Sie die Fotobearbeitung ab. Das bedeutet nicht, dass Sie nun einfach eine Reihe von Filtern anwenden, sondern, dass Sie die Bildwirkung in der gewünschten Weise akzentuieren. Hierzu gehört das Überlagern mit Texturen (zum Beispiel um das Bild mit Steinstrukturen altern zu lassen oder mit Lichteffekten moderner zu gestalten). Aber auch das Hinzufügen eines Farblooks, einer Vignette oder von digitalem Filmkorn fällt in diese Kategorie.

Gefunden in

Raw-Optimierung

In Camera Raw oder Lightroom können Sie prinzipiell sämtliche dort verfügbaren Bildkorrekturen in beliebiger Reihenfolge vornehmen, da diese nicht-destruktiv sind. Das lädt natürlich zum kreativen Spielen und Ausprobieren ein.

Um ein Foto jedoch auf dem kürzesten Weg zu optimieren, sollten Sie sich vom Großen zum Kleinen durch die Dialoge arbeiten - und nicht etwa bereits einzelne Farben im "HSL"-Dialog ändern solange der Weißabgleich nicht stimmt. Diese Reihenfolge (von oben nach unten) ist empfehlenswert:

  • "Kamerakalibrierung": Das dort gewählte "Kameraprofil" beziehungsweise der eingestellte "Prozess" beeinflussen maßgeblich die gesamte Farb- und Kontrastsituation des geöffneten Raw-Fotos.
  • "Objektivkorrekturen" (Objektivprofile, chromatische Aberrationen, Perspektivkorrekturen)
  • "Grundeinstellungen", hier zuerst den "Weißabgleich" vor allen anderen Korrekturen vornehmen
  • "Gradadationskurve", "Details" und "HSL"
  • "Teiltonung" und "Effekte" wenden Sie zum Schluss an.
  • Lokale Korrekturen ("Makel entfernen", "Korrekturpinsel" und "Verlaufs-" beziehungsweise "Radial-Filter" sollten Sie vor allem dann erst spät anwenden, wenn Sie bemerken, dass durch diese Funktionen Camera Raw auf Ihrem Rechner spürbar verlangsamt wird.


Die Bildausgabe

Genau genommen ist der letzte Schritt jeder Bildbearbeitung die Vorbereitung des Fotos für seine Präsentation in Printmedien oder auf dem Bildschirm. Dafür muss das Bild auf die Ausgabegröße verkleinert und je nach Medium entsprechend nachgeschärft werden.

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DOCMA/ theeradech_sanin - Fotolia/ Olaf Giermann

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insgesamt 29 Beiträge
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1. die Anmerkung vom Nölpferd...
whocaresbutyou 05.03.2016
---Zitat--- Fotos leben von Farben, Kontrasten und Details. Kamerabedingte Bildfehler sollten deshalb minimiert und störende Elemente im Bild retuschiert werden. Das Fotomagazin "Docma" zeigt, wie das geht. ---Zitatende--- Fotos leben vom Motiv, der Bildkomposition und dem Gespür und Können des Fotografierenden. An den "Bildfehlern moderner Kameras" (also in 99% der Fälle der erheblich eingeschränkten Knipse eines Smartphones) kann man mit derart rudimentären Mitteln auch nicht mehr viel ändern. Wer die Basics nicht beherrscht, dem kann auch mit dem "mach es schön"-Knopf nicht geholfen werden. Wer mehr will als Schnappschüsse nimmt ohnehin eine "richtige" Kamera und das Geld für die Nachbearbeitungssoftware steckt man besser in ein gutes Buch über Bildkomposition.
2. Lieber Vorredner
Lügenimperium 05.03.2016
Anstatt zu lesen sollte man lieber fotografieren. All die Theorie bringt nichts. Wer aber mal mehrere Tausend Bilder macht, der weiß wie es besser geht.
3.
DerZauberer 05.03.2016
Bin mal gespannt wann das kippt. Ich jedenfalls bin einer, der auf die ganzen maximalbombastischen Landschaften und glattgebügelten Gesichter keine Lust mehr hat.
4. Qualität statt Quantität...
whocaresbutyou 05.03.2016
Zitat von LügenimperiumAnstatt zu lesen sollte man lieber fotografieren. All die Theorie bringt nichts. Wer aber mal mehrere Tausend Bilder macht, der weiß wie es besser geht.
Prinzipiell bin ich da ihrer Meinung, setzt man ein gewisses Anfangstalent und eine vorhandene Lernfähigkeit voraus. Analog ihrer Einstellung dürfte es keine verheirateten Männer über 50 geben, die schlecht im Bett sind... Hätte denen vor 30 Jahren mal jemand die Grundlagen erklärt, müssten sie sich heute nicht die Welt von Paula Lambert im Fernsehen erklären lassen...
5. btw...
whocaresbutyou 05.03.2016
"The High-Five" der Bildbearbeitung sind... - Bildfehler entfernen - Farbkorrektur - Globalkontras - Mikrokontrast und EFFEKTE HINZUFÜGEN? Das wäre in etwa so, als wären der goldene Gral der Kochkunst Maggi-Fix für heißes Wasser...
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