Die Newsgroups des Usenet: Pfade in den Dschungel des Internet

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In den Tagen nach der Terrorkatastrophe vom 11.9. erwies sich das Usenet einmal mehr als ultraschnelle Nachrichtenquelle - und als die brodelndste Gerüchteküche des Internet. Doch wie bekommt man eigentlich Zugang zum Usenet?

(Fast) undurchdringlich: Wer sich im Dschungel Usenet bewegen will, muss wissen, wo die Pfade zu finden sind
DPA

(Fast) undurchdringlich: Wer sich im Dschungel Usenet bewegen will, muss wissen, wo die Pfade zu finden sind

Das Usenet erlebt eine Renaissance. Dieser "archaische" Teil des Internet, Dreh- und Mittelpunkt der Onlinewelt, als man dort noch mit Gophern und Archies arbeitete, lebt seit der Terrorkatastrophe vom 11. September merklich auf. Und weil die "Groups" immer schon nicht nur informelle Nachrichtenquelle und direkter Draht zu Menschen waren, sondern auch der "Dschungel des Internet", machten die Newsgroups in den Tagen des Terrors weltweit Schlagzeilen.

Denn hier nahmen die verqueren und schockierenden Verschwörungstheorien und Gerüchte insbesondere über die Terrorattacke von New York ihren Ursprung. Auch SPIEGEL ONLINE berichtete - und erntete ein ungewöhnlich großes Leser-Echo: Rund 1400 Leserbriefe nahmen Stellung zu Nostradamus, Q33NY und Konsorten. In nicht wenigen Briefen wurde gefragt, wie das eigentlich funktioniert mit dem "Usenet" (siehe "Vertiefung: Was ist das Usenet?")

Das ist kein Wunder.

Mit dem Aufkommen des World Wide Web ist das Usenet ein wenig in Vergessenheit geraten. Die Navigation in den Groups ist vergleichsweise unkomfortabel und verhältnismäßig kompliziert. Zudem muss man die "Plattform" wechseln: Der übliche Browser (Internet Explorer, Netscape) zielt nun einmal aufs WWW - für die Groups ist er nicht gedacht.

Das hat dazu geführt, dass Millionen von Surfern, die erst in den letzten drei, vier Jahren begannen, sich mit dem Web zu beschäftigen, oft gar nicht mehr wissen, wie sie sich Zugang zum Usenet verschaffen können. Dabei ist das ganz einfach.

Software

Sowohl Netscape als auch Microsofts Outlook Express bieten einen so genannten Newsgroups-Reader an. Darüber hinaus gibt es zahlreiche spezialisierte Programme, die extra für das Abrufen und die Verwaltung von Usenet-Nachrichten konzipiert sind. In dieser Kurzanleitung wollen wir uns jedoch auf die oben erwähnten zwei Programme beschränken, die von mehr als 90 Prozent aller PC-User genutzt werden. Auch Mac-User erhalten über den Netscape-Communicator Zugang zum Usenet. Das Prozedere ist identisch.

Was man braucht

Zuerst einmal braucht man einen Zugangspunkt zum Usenet. Kunden mit einem festen Vertrag mit einem Serviceprovider haben auch Zugang zu dessen Usenet-Gateways. Diese haben eine in der Regel mit "news.*" beginnende Adresse, die man zunächst herausfinden muss. Sie mag im Vertrag zu finden sein, in der Zugangssoftware vorkonfiguriert oder aber in den FAQs auf der Website des jeweiligen Unternehmens zu finden sein.

So gut wie jeder Serviceprovider bietet Usenet-Zugang, doch (unserer Kenntnis nach) kein Serviceprovider bietet einen vollständigen. Das hat unter anderem auch rechtliche Gründe. Im Usenet finden sich zahlreiche illegale, extremistische und pornografische Inhalte, für die Serviceprovider nicht gern haftbar gemacht werden wollen. Oft ist es zum Beispiel so, dass die meisten Newsgroups der "alt"-Hierarchie gesperrt sind (wenn das Usenet der Dschungel des Internets ist, dann ist "alt" ein Sumpf darin: Mit wunderschönen Blumen - und tückischen, schmutzigen Schlammlöchern).

Doch man ist nicht darauf angewiesen, über den eigenen Provider ins Usenet zu gehen. Kennt man alternative News-Serveradressen, lassen sich über die entsprechenden Reader-Programme beliebig viele verschiedene Zugänge konfigurieren. Manchmal wird das nötig, weil man beispielsweise eine bestimmte Gruppe lesen will, zu ihr aber keinen Zugang erhält. Adressen frei zugänglicher Newsgroup-Server haben wir hier zusammengestellt.

Was man tun muss

Um Zugang zum Usenet zu erhalten, muss man nun nur noch die Adresse eines Newsservers in ein entsprechendes Programm eingeben. Hier trennen sich die Wege der Leserschaft:

Ist der Zugang einmal eingerichtet, bleibt eigentlich nur noch, sich einen bisher vielleicht zu wenig beachteten Teil des Internet zu erschließen. Das ist so, wie ein Marsch durch den Dschungel nun einmal ist: atemberaubend, beängstigend, informationsreich, bildend, witzig, abstoßend, ereignisarm, ereignisreich - es kommt darauf an, wo man landet.

Um die erste Orientierung zu erleichtern, haben wir noch eine Reihe von Tipps zusammengestellt.

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