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DieBorger.de: Pumpen statt kaufen

Von Steffen Gerth

Die lange Flaute nach der Dotcom-Krise scheint beendet, neue E-Commerce-Ideen versuchen ihr Glück im Netz der Netze. Mit "DieBorger" keimt ein kleines hessisches Pflänzchen mit einer pfiffigen Idee: Die Website vermittelt Kontakte zwischen Menschen, die leihen oder verleihen wollen - ein Trend.

Die Auswahl an Reiseführern für die Toskana in der unmittelbaren Umgebung erfüllt den Begriff Mindestmaß: es gibt einen. Bei Schlittschuhen sieht die Lage schon besser aus: drei Paare stehen zur Auswahl. Aber dann: "Cypress Hill"-CDs: acht Stück. Alle um die Ecke, der Bedarf an HipHop kann auf die Schnelle gedeckt werden. Wunderbar. Sollte auch noch eine Betonmischmaschine gebraucht werden - aber hallo. Vorhanden. Zum Ausleihen. Fast kostenlos. Schön. Es kann gebaut werden.

"DieBorger": Keine Tausch-, sondern eine Leihbörse

"DieBorger": Keine Tausch-, sondern eine Leihbörse

Das neue Internetportal www.dieborger.de ist der konsequente virtuelle Bruder von eBay. Bei den einen entrümpeln die Leute ihre Speicher und machen noch die unmöglichsten Dinge zu Geld - bei den anderen kann man das finden, was man eben mal braucht, aber nicht gleich kaufen, sondern nur ausleihen will. Die Idee liegt nahe und im Trend: Geiz ist geil.

Thomas Pfützner und Andreas Kahnert aus Ober-Ramstadt bei Darmstadt haben im März als jüngste unter Deutschlands Leihbörsen das Portal dieborger.de online geschaltet - wie so oft haben private Erlebnisse dafür den Ausschlag gegeben. Weil das muntere Tauschen von CDs und DVDs im eigenen Sportverein zwar üblich, aber immer etwas beschwerlich war, hatten die beiden zunächst auf der Internetseite der TGS Ober-Ramstadt eine virtuelle Tauschbörse eingerichtet. Der Erfolg war eher mäßig.

Die Motivation, dieses Angebot vereinsunabhängig und professionell zu installieren, ist bei Pfützner und Kahnert aber gestiegen. Über die Weihnachtszeit des vorigen Jahres wurde getüftelt. Nicht, dass die beiden Internet-Neulinge wären - beide sind ITler und haben bereits die ein oder andere Datenbank zum Laufen gebracht.

Aber die Umsetzung des wichtigsten Moduls war heftig: Wie schafft es die Software, dass jeder User sofort sieht, welche Tauschgegenstände in seiner unmittelbaren Umgebung angeboten werden? Denn wer in Frankfurt fix eine Biertischgarnitur für die Gartenparty sucht, will ja nicht nach Magdeburg fahren. "Diese Herausforderung war gigantisch", sagt Kahnert. Schließlich gibt es in Deutschland 15.034 Postleitzahlen, trotzdem muss eine Suchmaschine innerhalb weniger Sekunden den vom jeweiligen User gewünschten Umkreis herausfinden.

Zwei Monate haben die beiden dann herumgebastelt - und Lösungen gefunden. Dieborger.de ist eine ordentlich gemachte Internetseite, ohne Schnickschnack.

Ein Fachjurist für Lizenzrecht wurde vor dem Start beauftragt, herauszufinden, ob das Ausborgen von CDs und DVDs rechtlich unbedenklich ist. Bekanntlich reagieren Sony oder Warner immer humorloser bei der illegalen Verbreitung von Musik und Filmen. Die 1500 Euro Anwaltskosten haben sich aber für Kahnert und Pfützner gelohnt: Borgen ist überhaupt kein Problem. Der Bösewicht ist der, der sich dann "Cypress Hill" daheim brennt. Aber dafür können ja Kahnert und Pfützner nichts, denn das ist laut AGB verboten. Bei den Borgern wird gepumpt, nicht gekupfert.

Nur wer gibt, dem wird gegeben

Ein bisschen funktioniert dieborger.de wie eBay. Gute Ausleihgeschäfte werden mit guten Noten belohnt, schlechte Deals bekommen miese Wertungen. "Wenn jemand dreimal nacheinander eine Sechs bekommt, gehen wir der Sache nach", sagt Kahnert. Wie bei eBay auch, klingelt dann bei Problemfällen das Telefon. Wer über dieborger.de etwas verleiht, geht vorderhand kein Risiko ein. Denn: Vor dem Ausleihen wird beim Verleiher ein Geldbetrag als Pfand hinterlegt.

Wie hoch der Betrag ausfällt, bestimmt jeder Verleiher, indem er den jeweiligen Zeitwert der Ware definiert. Zum Procedere gehört auch das Ausfüllen eines Mustervertrags, den beide Parteien auf dieborger.de herunterladen und nach Abstimmung der Ausleihkonditionen (Dauer) unterzeichnen können. Bei Gelegenheit sollten allerdings Pfützner oder Kahlert noch ein paar html-Codes korrigieren, damit der Vertrag auch ordentlich lesbar auf der Seite steht.

Das Portal funktioniert als Netzwerk mit Wechselwirkung. Borgen kann nur, wer auch selber verborgt. Dafür muss man sich registrieren lassen und mindestens drei Gegenstände bekannt geben, die man selber verborgen möchte. Egal ob CD, Rasenmäher oder Digitalkamera. Für jeden Verleih bekommt man Borgerpunke gutgeschrieben - die braucht man auch, um sich wiederum selber Gegenstände ausborgen zu können.

Man kann sich aber auch Punkte kaufen. Daran und an einer kleinen Vermittlungsgebühr verdienen Kahnert und Pfützner. Viel ist das nicht, denn 20 Cent für das Ausleihen einer DVD ist nicht die Welt. In einer Videothek kostet es das Fünffache. Wie lange es dauert, bis die bisherigen Verleihprofis diese virtuelle Konkurrenz spüren, wird sich zeigen.

Noch blüht die virtuelle Tauschbörse im Verborgenen. Etwa 2000 Nutzer haben sich bisher registrieren lassen - das bringt nicht viel Geld ein, folglich ist das Portal für die beiden Südhessen bisher ein Nebengeschäft. Aber eines, das sich ausbauen lässt. Denn ein neuer Marktplatz ist bereits online, aber erst ab dem 29. Mai richtig in Betrieb. Bei www.dienachbarschaftshelfer.de kann man sich dann jemanden aus der Umgebung suchen, der mit der Betonmischmaschine, die man sich soeben ausgeborgt hat, auch umgehen kann.

Oder der die Texte von "Cypress Hill" übersetzt.

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