Diebstahl von Millionen Kreditkartendaten Russischer Hacker in den USA angeklagt

Ein US-Gericht hat die Vorwürfe gegen einen Russen verschärft, der im Juli spektakulär auf den Malediven festgenommen worden war. Dem Mann wird Kreditkartendiebstahl im großen Stil vorgeworfen. In Moskau hatte die Festnahme Empörung ausgelöst.

Kreditkarten (Symbolbild): Millionengeschäfte mit gestohlenen Daten
DPA

Kreditkarten (Symbolbild): Millionengeschäfte mit gestohlenen Daten


Die Justizbehörden in den USA haben ihre Vorwürfe gegen Roman Walerjewisch Selesnjow ausgeweitet. Der 30 Jahre alte Russe war im Juli unter dem Verdacht eines groß angelegten Internet-Datendiebstahls festgenommen worden. Ursprünglich hatten US-Ermittler ihm vorgeworfen, er habe mehr als 200.000 Kreditkartennummern gestohlen und mindestens 140.000 solche Datensätze über Online-Foren weiter verkauft. Diese Geschäfte sollen ihm mehr als zwei Millionen Dollar eingebracht haben, hieß es damals.

In einem am Donnerstag (Ortszeit) in Seattle eingeleiteten Gerichtsverfahren wurde die Anklage gegen den Russen nun erweitert. Selesnjow muss sich nun wegen des Diebstahls von insgesamt zwei Millionen Kreditkartennummern rechtfertigen, wie die Justizbehörden in Seattle mitteilten. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich zwischen Oktober 2009 und Februar 2011 Zugang zu den Abrechnungssystemen mehrerer Einzelhandelsunternehmen in den USA verschafft.

Mit den gestohlenen Daten soll Selesnjow demnach einen weltumspannenden Handel betrieben haben. In der Szene war er unter dem Kürzel "Track2" bekannt. Selesnjow ist Sohn des ultranationalistischen russischen Abgeordneten Waleri Selesjnow.

"Nicht das erste Mal"

Festgenommen wurde Selesnjow Anfang Juli auf dem Flughafen der maledivischen Hauptstadt Male, als er gerade nach Moskau zurück reisen wollte. US-Agenten hätten ihn gezwungen, in ein Flugzeug nach Guam zu steigen, hieß es damals aus Russland. Der amerikanische Secret Service meldete die Festnahme mit offensichtlichem Stolz als Fahndungserfolg (PDF) und nannte den Russen "einen der weltweit erfolgreichsten Schwarzmarkthändler für gestohlene Finanzdaten".

Das russische Außenministerium hat die Festnahme scharf kritisiert. Die Vorgänge seien eine "neuerliche unfreundliche Geste" der Regierung in Washington, hieß es. Es sei "nicht das erste Mal", dass die USA "einen russischen Bürger entführen".

Das Ministerium verglich den Fall mit dem des russischen Waffenhändlers Viktor Bout und des Piloten Konstantin Jaroschenko, die beide im Ausland verhaftet und in die USA gebracht wurden, wo sie wegen illegalen Waffenhandels beziehungsweise Drogenhandels verurteilt wurden.

Reisewarnung für Hacker

Einige Monate später warnte das russische Außenministerium vor Reisen in Länder, mit denen die USA Auslieferungsabkommen unterhalten. Wer Grund zur Annahme habe, im Visier von US-Ermittlern zu stehen, sollte auf solche Reisen lieber verzichten, hieß es in einer Mitteilung. In seiner Warnung nannte das russische Außenministerium Fälle, in denen Staatsbürger in Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Litauen und Spanien auf Gesuch der USA festgenommen wurden. Zu fürchten seien "einseitige Ermittlungen", wacklige Beweise und lange Haftstrafen.

Auch wenn die Warnung allgemein gehalten war, dürften sich russische Hacker und Internetkriminelle besonders angesprochen fühlen. Neben der spektakulären Festnahme von Selesnjow hatte es bereits im Juni einen ähnlichen Fall gegeben. Damals war ein 24 Jahre alter mutmaßlicher russischer Hacker in der Dominikanischen Republik festgenommen worden. Gegen ihn hatte Interpol ermittelt.

mak/afp



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insgesamt 6 Beiträge
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a.peanuts 10.10.2014
1. Amerikanische Hardware/Software
Die amerikanische Hardware/Software wurde bewusst so geschaffen (für die NSA),dass sie fast jeder Idiot knacken kann. Es verführt aufrichtige Menschen,kriminell zu werden, auch diesen Russen
shran 10.10.2014
2.
Die Russen sollen mal nicht so scheinheilig tun. Das meiste an Spam, Cybercrime, Kinderschänder Zeug kommt immer noch aus Russland. Prominentes Beispiel dafür ist WAHOME. Die wurden zeitweise auch schon vom BGP abgeklemmt, haben dann aber neue Provider gefunden. Habe da absolut nichts dagegen wenn der ein oder andere dann mal von den USA geschnappt wird.
zerozero123 10.10.2014
3. Dann sollten konsqeuenterweise...
...auch mal Regierungsbeamte der USA im Ausland festnehmen die an der weltweiten illegalen Überwachung beteiligt sind.
Spiegelwahr 10.10.2014
4. Was wär das für ein Geschrei
Was wär das für ein Geschrei, wenn russische Ermittler einen USA Bürger in einem Land ausserhalb von Russland festnehmen, entführen wegen des kriminellen Hacken von Computer in Russland. Nebenbei, der Protest wär sogar voll berechtigt und das gilt sogar für die Festnahme eines russischen Hackers ausserhalb der USA. Es ist eine Sauerei, dass die USA einfach Menschen entführen und verschleppen nach den USA darf. In einem Rechtsstaat müsste jeder Richter eine Verhandlung sofort ablehnen. Grund dieser Mensch kann nur auf Grund eines Verbrechen des Staates in diesen Staat.
DerWeisseWal 10.10.2014
5. Birnen
Zitat von zerozero123...auch mal Regierungsbeamte der USA im Ausland festnehmen die an der weltweiten illegalen Überwachung beteiligt sind.
Nichts weist darauf hin, dass der russische Hacker im Auftrag, im Namen oder im Interesse der russischen Regierung gehandelt hat. Andernfalls wäre diese diplomatische Krise deutlich schärfer. dww
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