Von Konrad Lischka und Frank Patalong
Als Libreka an den Start ging, sagte Geschäftsführer Ronald Schild einen klugen Satz: "Dateien per DRM zu schützen, empfehlen wir nicht." Ärger über den Kopierschutz (digitales Rechtemanagement, DRM) hat in der Musikindustrie jahrelang viele legale Angebote unattraktiv gemacht. DRM bedeutete für die Nutzer: Gekaufte Stücke liefen auf manchen Computern und vielen MP3-Playern nicht, oder man hatte plötzlich bei einer Neuinstallation des Betriebssystems keinen Zugriff mehr darauf.
Trotzdem - wer heute bei Libreka Herta Müllers "Atemschaukel" als E-Book kauft oder einen der vier aktuellen Bestseller-Titel, bekommt eine DRM-verschlüsselte Version. Die Verlage entscheiden darüber, ob ein Buch geschützt wird, und sie wollen es so.
Wie nervig das ist, merkt gleich man beim ersten Einkauf. Nach viel Geklicke kann der Kunde endlich auf einen grünen Knopf "E-Book Download" klicken. Danach liegt auf dem Computer aber kein E-Book, sondern eine Datei mit dem kryptischen Namen "URLLink.acsm". Die meisten Menschen müssen daraufhin erst mal googeln, was ACSM heißt - nämlich "Adobe Content Server Message". Der Software-Konzern Adobe klärt auf seinen Web-Seiten auf, was es mit der Datei auf sich hat: Man hat gar nicht das E-Book geladen. Sondern eine Art Einkaufsgutschein. Man muss "URLLink.acsm" mit einer speziellen Adobe-Software öffnen, die dann das verschlüsselte Buch von einem Adobe-Server lädt.
Wer auf den Libreka-Hilfeseiten mehr Antworten sucht, wird über unangenehme Begleiterscheinungen dieses Verfahrens aufgeklärt. Die Technik baue auf der Software "Adobe Digital Editions" (ADE) auf. "Diese Software muss auf Ihrem PC oder mobilen Lesegerät installiert und mit einer Adobe-ID registriert sein, damit Sie die DRM-geschützten E-Books lesen können. Neben Windows und Macintosh unterstützen derzeit auch die Sony-E-Book-Lesegeräte ADE."
Im Klartext: Die Bücher mit DRM-Kopierschutz werden von den meisten Lesegeräten nicht verstanden.
Auf der Buchmesse zeigt Libreka im Forum Zukunft nach eigenen Angaben "eine Auswahl der innovativsten Lesegeräte". Aber mit keiner dieser "neuesten Reader-Technologien" von Bookeen, iRex, Havon, Endless Ideas kann man die DRM-gegängelten Libreka-Digitalbücher lesen. Auf Apples iPhone schon gar nicht. Dabei dürfte das Handy aktuell der weitestverbreitete E-Reader in Deutschland sein.
Ein Blick in Adobes Forum zu "Digital Editions" legt außerdem den Schluss nahe, dass viele Nutzer Probleme mit dem DRM-System haben. Einige der Hilferufe von Anwendern:
Benutzerfreundlich ist diese Art von E-Book offensichtlich nicht. Zusammengefasst: Das Libreka-DRM-Angebot stützt sich auf einige wenige Lesegeräte, man muss die Software eines US-Konzerns herunterladen und bei diesem einen Account anlegen und Textpassagen zum Zitieren schlimmstenfalls abtippen. Die aktuelle Angst der Buchindustrie vor Raubkopien ist zwar verständlich, so verständlich wie die Angst der Musikindustrie vor einem Jahrzehnt - aber ob Erschwernisse für ehrliche Käufer die richtige Strategie sind, ist eine andere Frage.
Heute verzichten die Online-Musikhändler auf den Kopierschutz - denn bei ihnen führt weniger DRM offenbar zu mehr Verkäufen.
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