Digital lesen: So wird das E-Buch sexy

Von und

5. Teil: Komplexer Kopierschutz

E-Books: Lesehilfen für Nerds Fotos

Als Libreka an den Start ging, sagte Geschäftsführer Ronald Schild einen klugen Satz: "Dateien per DRM zu schützen, empfehlen wir nicht." Ärger über den Kopierschutz (digitales Rechtemanagement, DRM) hat in der Musikindustrie jahrelang viele legale Angebote unattraktiv gemacht. DRM bedeutete für die Nutzer: Gekaufte Stücke liefen auf manchen Computern und vielen MP3-Playern nicht, oder man hatte plötzlich bei einer Neuinstallation des Betriebssystems keinen Zugriff mehr darauf.

Trotzdem - wer heute bei Libreka Herta Müllers "Atemschaukel" als E-Book kauft oder einen der vier aktuellen Bestseller-Titel, bekommt eine DRM-verschlüsselte Version. Die Verlage entscheiden darüber, ob ein Buch geschützt wird, und sie wollen es so.

Wie nervig das ist, merkt gleich man beim ersten Einkauf. Nach viel Geklicke kann der Kunde endlich auf einen grünen Knopf "E-Book Download" klicken. Danach liegt auf dem Computer aber kein E-Book, sondern eine Datei mit dem kryptischen Namen "URLLink.acsm". Die meisten Menschen müssen daraufhin erst mal googeln, was ACSM heißt - nämlich "Adobe Content Server Message". Der Software-Konzern Adobe klärt auf seinen Web-Seiten auf, was es mit der Datei auf sich hat: Man hat gar nicht das E-Book geladen. Sondern eine Art Einkaufsgutschein. Man muss "URLLink.acsm" mit einer speziellen Adobe-Software öffnen, die dann das verschlüsselte Buch von einem Adobe-Server lädt.

Wer auf den Libreka-Hilfeseiten mehr Antworten sucht, wird über unangenehme Begleiterscheinungen dieses Verfahrens aufgeklärt. Die Technik baue auf der Software "Adobe Digital Editions" (ADE) auf. "Diese Software muss auf Ihrem PC oder mobilen Lesegerät installiert und mit einer Adobe-ID registriert sein, damit Sie die DRM-geschützten E-Books lesen können. Neben Windows und Macintosh unterstützen derzeit auch die Sony-E-Book-Lesegeräte ADE."

Im Klartext: Die Bücher mit DRM-Kopierschutz werden von den meisten Lesegeräten nicht verstanden.

Auf der Buchmesse zeigt Libreka im Forum Zukunft nach eigenen Angaben "eine Auswahl der innovativsten Lesegeräte". Aber mit keiner dieser "neuesten Reader-Technologien" von Bookeen, iRex, Havon, Endless Ideas kann man die DRM-gegängelten Libreka-Digitalbücher lesen. Auf Apples iPhone schon gar nicht. Dabei dürfte das Handy aktuell der weitestverbreitete E-Reader in Deutschland sein.

Ein Blick in Adobes Forum zu "Digital Editions" legt außerdem den Schluss nahe, dass viele Nutzer Probleme mit dem DRM-System haben. Einige der Hilferufe von Anwendern:

  • "Ich kann mein E-Book nicht auf einen anderen Computer übertragen."
  • "Bisher war es möglich, Text aus den E-Books zu kopieren, was die Verwendung von Zitaten sehr erleichterte. In Adobe Digital Editions kann ich Text zwar markieren, allerdings gibt es weder Schaltflächen noch einen Eintrag im Kontextmenü, um diesen dann zu kopieren."
  • "Eine Seite zu drucken, dauert zwischen 90 und 340 Sekunden. Das sind beinahe sechs (!) Minuten pro Seite auf einem aktuellen Laserdrucker (HP LaserJet 1320)."

Benutzerfreundlich ist diese Art von E-Book offensichtlich nicht. Zusammengefasst: Das Libreka-DRM-Angebot stützt sich auf einige wenige Lesegeräte, man muss die Software eines US-Konzerns herunterladen und bei diesem einen Account anlegen und Textpassagen zum Zitieren schlimmstenfalls abtippen. Die aktuelle Angst der Buchindustrie vor Raubkopien ist zwar verständlich, so verständlich wie die Angst der Musikindustrie vor einem Jahrzehnt - aber ob Erschwernisse für ehrliche Käufer die richtige Strategie sind, ist eine andere Frage.

Heute verzichten die Online-Musikhändler auf den Kopierschutz - denn bei ihnen führt weniger DRM offenbar zu mehr Verkäufen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. eBooks
Andreas Pokladek 16.10.2009
Na, das überrascht uns doch nicht, oder ? Wieder denken alle kleinlich an ihren Profit und die bösen Raubkopierer...und verpassen die Chance ein -wie der Artikel so treffend beschreibt- einfaches und überzeugendes System zu schaffen. Es ist halt immer schwierig wenn geschäftliche Interessen die Weiterentwicklung bestimmter Techniken bestimmen und nicht der idealistische Wunsch etwas wirklich neues, praktisches und zukunftsweisendes zu installieren. Ich verstehe letztenendes die Produktmanager nicht die so etwas verzapfen, wer läßt sich denn auf so eine Sch... (sorry) ein. Itunes hat dann irgendwann kapiert was man bringen muss um die Leute zu überzeugen und ist heute Marktführer. Interessant, dass die Umsätze OHNE komplizierte Rechteschutzmassnahmen steigen... Wirklich schade, dass die technischen Möglichkeiten durch kleinliche Paranoia begrenzt werden. Es könnte alles so prima sein...wenn die Manager nicht so beschränkt wären. Eigentlich ist doch allen klar wie es funktionieren sollte. Aber keiner tut es...schade. P.S.: Warum ist eigentlich nicht PDF das Format der Wahl ?
2. erbärmlich
labyrinthe 16.10.2009
Es ist erbärmlich wie der Handel mit dem Thema umgeht. Ich hätte liebend gerne ein e-book und ich bin sicher, sehr viele andere auch. Und genau wegen des starrsinnigen Geziere das im Artikel so treffend beschrieben wird werden wir wohl noch eine ganze Weile darauf warten müssen. Schade um die vertane Zeit.
3. Umsätze...
rudolf semmelweis 16.10.2009
Ohne digitales Rechtemanagement steigen nicht einfach nur die Umsätze, die Hersteller ersparen sich auch die Irrsinnskosten dieser Systeme!
4. Ohne mich
taiga 16.10.2009
Hatte mich mit dem Gedanken angefreundet, mir bald einen e-book-reader anzuschaffen. Nach diesem Artikel nun nicht mehr: Ich bin doch nicht blöd.
5. Nicht alles ganz richtig
Kreni 16.10.2009
Also manche Sachen in diesem Artikel sind so nicht ganz richtig. Ich weiß ja nicht wie es in Deutschland ist, ich kaufe alle meine Bücher in England oder den USA - aber dort kann ich z.b. alle meine Bücher bei Hardwareverlust oder Reader-Wechsel jederzeit wieder neu herunterladen. Ausserdem ist es kein Problem eine Kopie auf einem PC zusätzlich zu halten. @ Andreas Pokladek: pdf ist bewußt nicht das Standard Format weil es fest durchformatiert ist - wenn du zwischen Geräten mit verschiedenen Bildschirmgrößen oder Zoomfaktoren oder Formaten wechselst kann es nicht einfach den Zeilenumbruch ändern. Das im Artikel erwähnte epub Format wird immer mehr zum Standard - es ist ein offenes Format, nicht Hersteller-spezifisch.
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Übersicht: E-Book-Reader
Sony: Lesegerät für deutsche Titel
AP
Sonys Lesegeräte, zum Beispiel das PRS-505, können das EPUB-Format lesen. In diesem Format mit digitaler Rechteverwaltung bietet der Buchhandel hierzulande rund 14.000 deutschsprachige Titel zum kostenpflichtigen Download an. Das Angebot ist klein, die Texte genauso teuer wie in Papierform - dafür können Titel auch virtuell aus öffentlichen Bibliotheken entliehen werden. Das 250 Gramm schwere Gerät mit Schwarzweiß-Display kostet in Deutschland um 200 Euro.
Amazon: Lesegerät mit Shop-Anbindung
dpa
Das Online-Versandhaus Amazon hat seinen eigenen E-Book Reader entwickelt. Der Kindle ist bereits in zweiter Version erhältlich und verbindet sich drahtlos über UMTS zum eigenen Angebot. Zu kaufen gibts nicht nur rund 200.000 englischsprachige Bücher, sondern auch Abonnements von Zeitschriften und Zeitungen. So lässt sich zum Beispiel die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" online abonnieren. Die aktuelle Ausgabe wird dann einfach aufs Gerät gefunkt. Das in Deutschland verbreitete EPUB-Format beherrscht der Kindle von Haus aus nicht. Das knapp 300 Gramm schwere Gerät, dessen Display 16 Graustufen anzeigen kann, kostet in Deutschland mit Versand- und Importgebühren rund 250 Euro.
Apple: Shop (noch) ohne Lesegerät
AP
Schon jetzt gibts in Apples iTunes-Store nicht nur Musik, Video und Software, sondern auch Bücher zum kostenpflichtigen Download. Auf dem kleinen Display des iPhones macht das Lesen der über W-Lan oder Mobilfunknetz heruntergeladenen Dateien zwar keinen großen Spaß, doch hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Konzern spätestens im nächsten Jahr einen eigenen Tablet-PC vorstellt. Mit großem Farbdisplay und Touchscreen wäre das Riesen-iPhone wie gemacht dafür, auch aufwendig illustrierte Bücher digital zu konsumieren.
Txtr, Wisereader und Co.
In Deutschland sind eine Reihe weiterer E-Book-Reader erhältlich. Sie verstehen sich ebenso wie das Sony-Gerät auf das EPUB-Format, in dem der deutsche Buchhandel eine kleine Auswahl an Titeln bereit hält. Die Berliner Firma Txtr bietet einen eigenen Shop an, mit dem sich das Lesegerät direkt verbinden lässt - gegen eine monatliche Gebühr. Eine Übersicht haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengestellt.

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E-Book-Hardware: Lesegeräte von Sony und Amazon

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